Rohstoff-ETCs: Starke Nachfrage nach schwarzem und gelbem Gold


02.05.18 16:43
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Unsicherer Zeiten auch im Handel mit Rohstoffverbriefungen, denn viele Themen prägen den Markt: Die Diskussionen über Strafzölle zwischen China und den USA, mögliche Änderungen am nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA, die Handelsbeziehungen der USA zur EU und geopolitische Risiken im Mittleren Osten, so die Deutsche Börse AG.

Die die Spannungen zwischen Donald Trump und Russland würden laut ETF Securities ebenfalls zu den Entwicklungen im Rohstoffsektor beitragen. Unterm Strich habe der weit gefasste Bloomberg Commodity Index mit seinen 20 verschiedenen Rohstoffen auf Monatssicht von 86,83 auf 89,48 Punkte und damit gut 3 Prozent zugelegt.

Im Handel mit ETCs auf Xetra würden marktbreite Rohstoff-Investments zu den beliebtesten Werten gehören, z.B. die an den Reuters/Jefferies CRB Index (ISIN FR0010270033 / WKN A0JC8F) gekoppelt seien, wie Oliver Kilian von der UniCredit berichte. "Hier hatten wir sehr viel Bewegung in beide Richtungen, wobei die Käufe überwiegen."

Steigende Ölnotierungen würden nach Ansicht von Andreas Bartels die Nachfrage nach Rohöl-ETCs (ISIN GB00B15KXV33 / WKN A0KRKU) treiben. "Käufe standen hier im Vordergrund", informiere der Händler der Commerzbank. Kilian mache zudem stärkeres Interesse an Energiewerten wie dem ETFS Energy aus.

Allein in diesem Jahr hätten die Ölpreise um rund 20 Prozent angezogen. Das liege Robert Halver zufolge unter anderem an der bis Ende des Jahres verordneten OPEC-Förderbremse. "Daneben sorgen ein mögliches neues Ölhandelsembargo Trumps gegen seinen Lieblingsfeind Iran und Fördereinbrüche in Venezuela geopolitisch für Hochpreisstimmung", urteile der Analyst der Baader Bank. Insgesamt sehe Halver die hohen Rohstoffpreise als nicht gerechtfertigt. "Es baut sich derzeit Preiskorrekturpotenzial auf." Dieses werde seine Wirkung entfalten, sobald sich die geopolitische Lage entspanne und damit fundamentale Realitäten wieder stärkere Beachtung fänden.

Die derzeit von Saudi Arabien zusätzlich angestrebten Förderkürzungen träfen übrigens nicht bei allen Mitstreitern auf Gegenliebe, selbst wenn dadurch kurzfristig höhere Kurse gewinkt hätten. Konventionelle Ölländer hätten schleichende Marktanteilsverluste zugunsten der USA gefürchtet, die teureres Öl zum Ausbau der Fracking-Industrie genutzt hätten. "Diesem gefrackten Siegeszug will Russland mit einer wieder erhöhten, konventionellen Ölproduktion kräftig in die Parade fahren, selbst wenn dann der Preis für das schwarze Gold wieder sinkt."

Gold sei im April bei Anlegern beliebt gewesen. Werte wie Xetra-Gold und Physical ETC auf Gold seien bei der Commerzbank mit einem Kaufüberhang rege gehandelt worden, obwohl die Preisspanne zwischen 1.310 und 1.365 US-Dollar pro Feinunze in den vergangenen Wochen recht eng sei. Investoren hätten zudem häufig zu Goldprodukten mit Währungsabsicherung zum Euro (ISIN DE000A1EK0G3 / WKN A1EK0G) gegriffen. Das gelte auch für in Summe gefragte Silber-ETCs. In der letzten Aprilwoche hätten sich Investoren verstärkt von ihren Platin- (ISIN DE000A0N62D7 / WKN A0N62D) und Palladium-Engagements (ISIN DE000A0N62E5 / WKN A0N62E) getrennt.

Die Nachfrage nach Xetra-Gold sei jedenfalls ungebrochen. Der physische Bestand stehe Anfang Mai auf einem Allzeithoch bei gut 178 Tonnen. Xetra-Gold werde in Gramm je Euro gehandelt und zu 100 Prozent verwahrt.

"Gold-ETCs waren stark gesucht", unterstreiche Kilian die Vorliebe für das gelbe Edelmetall. Neben Xetra-Gold komme ETFS Physical Gold besonders häufig zum Tragen. Viel Bewegung und unterm Strich Zuspruch gebe es im Handel mit Platin-ETCs. "Silber war Anfang April sehr gefragt." Im Monatsverlauf sei das Interesse dann wieder abgeflacht.

Vor dem Hintergrund eines nachgebenden Goldpreises melde ETF Securities nach den Zuflüssen der Wochen zuvor für die vergangenen Handelstage unterm Strich eine Abkehr von Goldwerten (ISIN DE000A0LP781 / WKN A0LP78) in Höhe von 23,1 Millionen US-Dollar.

Mit dem historischen Gipfeltreffen zwischen Nord- und Südkorea und dem Übereinkommen, alle feindlichen Akte gegeneinander künftig zu unterlassen und die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel anzugehen falle nach Einschätzung der Briten die geopolitische Goldprämie. Daneben würden laut Daniela Grunow von Heraeus Edelmetalle höhere Renditen für US-Staatsanleihen auf die Goldpreise drücken.

Der Preisanstieg vieler Basismetalle habe nach Meinung von Kilian die Nachfrage nach entsprechenden Produkten beflügelt. Industriemetall-Körbe wie der ETFS Industrial Metals seien besonders häufig in den Depots gelandet. Viel Bewegung auf beiden Seiten gebe es für Aluminium- (ISIN GB00B15KXN58 / WKN A0KRKP) und Kupfer-ETCs (ISIN GB00B15KXQ89 / WKN A0KRKR). "Auf Monatssicht dominierten zunächst die Zuflüsse, gefolgt von Verkäufen und wiederum Käufen."

Für Halver würden Industriemetalle nicht zuletzt von den amerikanischen Handelssanktionen gegen russische Aluminium- und Nickelproduzenten profitieren. Denn Angebotsengpässe seien am Nickel-, Zink-, Kupfer- und Bleimarkt nicht erkennbar, zumal höhere Preise in der Regel die Produktion stimuliere. Der Händler erinnere Anleger daran, dass Donald Trump jederzeit seine Meinung zu Putin ändern könne. Aus Wettbewerbsgründen habe der US-Präsident ein Interesse an günstigen Vorproduktpreisen etwa für seine Automobilindustrie. (02.05.2018/fc/a/e)





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