Rohstoff-ETCs: Gold und Platin glänzen


02.11.17 12:04
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Raus aus Öl, rein in breit aufgestellte Rohstoff-Produkte - so beschreibt Carsten Schröder von der Commerzbank den Handel mit Exchange Traded Commodities der vergangenen Wochen, so die Deutsche Börse AG.

Zu den beliebtesten Produkten gehöre ein Wert auf den hauseigenen Commodity ex-Agriculture Index (ISIN LU0419741177 / WKN ETF090), der die Entwicklung von zwölf Rohstoffen in den Bereichen Energie, Edel- und Industriemetalle widerspiegele. Ebenso liege ein Tracker des Thomson Reuters/Core Commodity CRB Index (ISIN FR0010270033 / WKN A0JC8F) ganz vorn in der Umsatzstatistik. "Bei beiden verbuchen wir zumeist Zuflüsse."

Marktbreite Produkte würden auch bei der UniCredit zu den meist gehandelten ETCs zählen. "Ein eindeutiges Bild ergibt sich aber nicht", bemerke Oliver Kilian. Während Tracker des ETFS All Commodities DJ Index (ISIN DE000A0KRKC6 / WKN A0KRKC) unterm Strich gekauft würden, hätten sich Anleger von Werten getrennt, die sich am Bloomberg Commodity Index (WKN A0H072) orientieren würden. Energiekörbe fänden bei Anlegern hingegen tendenziell Anklang. Die Kunden der UniCredit hätten beispielsweise zu ETCs gegriffen, die sich am Bloomberg Energy Subindex Total Return (ISIN DE000A0KRKD4 / WKN A0KRKD) orientieren würden.

Aus Rohöl-ETCs (ISIN DE000A1N49P6 / WKN A1N49P) von ETF Securities seien in 14 der vergangenen 15 Wochen insgesamt Mittel in Höhe von 459 Millionen US-Dollar abgezogen worden. Rohöl notiere Jan-Hendrik Hein zufolge am oberen Rand der erwarteten Handelsspanne von 45 bis 60 US-Dollar pro Barrel, da die Bemerkungen der saudischen Vertreter weitere Förderkürzungen der OPEC nahe legten. "Gleichzeitig deuten die Abflüsse aus entsprechenden Produkten an, dass Anleger den jüngsten Anstieg für nicht nachhaltig halten."

Rohöl der Sorte Brent habe in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit Juli 2015 erreicht, obwohl die Förderung steige und die Lagerbestände sich deutlich über den längerfristigen Durchschnitten bewegten. "Aufgrund der in den USA zunehmenden Produktion dürften die Exporte hoch und der Weltmarkt gut versorgt bleiben", schätze Hein.

Für Frank Schallenberger würden die Fundamentaldaten dafür sprechen, dass die Ölnotierungen auf kurze Sicht etwas nachgeben könnten. Einen Grund sehe der Rohstoff-Analyst der LBBW im von der "US Energy Information Administration" jüngst gemeldeten unerwarteten Anstieg der US-Öllagerbestände um knapp 0,9 Millionen Barrel. Auch habe die Ölproduktion in der vergangenen Woche auf Wochensicht deutlich um 1,1 auf 9,5 Millionen Barrel zulegen können. "Und schließlich bleibt der US-Dollar auf einem Niveau von 1,18 Euro ein Faktor, der den Ölpreis etwas korrigieren lassen könnte." Längerfristig würden die erwarteten drei Zinserhöhungen in den USA bis Ende 2018 den Ölpreis tendenziell schwächen.

Bei ETF Securities hätten Goldprodukte auf Wochensicht mit einem Plus in Höhe von insgesamt 42,8 Millionen US-Dollar weiterhin eine gute Nachfrage erlebt. Das decke sich mit den Beobachtungen von Kilian, der bei regem Interesse an Goldwerten von eindeutig mehr Käufen als Verkäufen spreche. Neben dem sehr stark gesuchten Xetra-Gold hätten Anleger unterm Strich verstärkt auf den db Physical Gold Euro Hedged vertraut.

ETF Securities führe den Hang zu Gold unter anderem auf unverändert hohe globale Aktienbewertungen und einen aus ihrer Sicht gespannten "Anleihemarktballon" zurück. Für Hein dürften die im Dezember drohende Zinsanhebung in den USA und die mögliche straffere Geldpolitik in Großbritannien allerdings in den kommenden Monaten Druck auf den Goldpreis ausüben.

Hinsichtlich der längerfristigen Zinspolitik erwarte der Analyst trotz anstehendem Wechsel an der Spitze der Federal Reserve eine unveränderte Entwicklung der Leitzinsen im kommenden Jahr. An den Märkten seien derzeit zwei Zinsschritte für 2018 eingepreist. Gebe es die erwarteten drei Erhöhungen, könnte dies nach Auffassung von Hein für den Goldpreis ein moderates Abwärtsrisiko darstellen.

Bei nach wie vor niedrigen Realzinsen in den wichtigsten Währungsräumen schätze Schallenberger Edelmetalle als weiterhin attraktiv ein. Zudem hätten die letzten Monate gelehrt, dass das politische Risiko sehr schnell auf die Agenda zurückkehren könnte.

Für Eugen Weinberg von der Commerzbank werde die Nominierung des neuen Vorsitzenden der US-Zentralbank die Weichen für den Goldpreis beeinflussen. Im Rennen seien noch FED-Gouverneur Powell und Wirtschaftsprofessor Taylor. Ersterer sei für eine Fortsetzung der bisherigen Geldpolitik, Tayler für eine regelgebundene und daher vermutlich restriktivere Geldpolitik. Medien würden von einer Tendenz hin zu Powell berichten. "Davon würde Gold vermutlich profitieren." Bei einer Wahl zugunsten von Taylor würde Gold wohl unter Druck geraten, wie Weinberg meine.

Mit 43,2 Millionen US-Dollar kämen Platin-ETCs (ISIN DE000A0N62D7 / WKN A0N62D) laut ETF Securities auf die stärksten wöchentlichen Zuflüsse seit 18 Monaten. Platin sei Hein zufolge der Nachzügler im Edelmetallsektors. Dem gegenüber sei Palladium in diesem Jahr um 43,2 Prozent in die Höhe geschossen. Schnäppchenjäger hätten nun mit einer Wende gerechnet und damit in drei der letzten vier Wochen für Zuspruch gesorgt.

Den Verkauf von Palladium-Positionen die dritte Woche in Folge verbuche Hein unter Gewinnmitnahmen. Mittlerweile hätten sich die Abflüsse in der Sparte auf 9,6 Millionen US-Dollar belaufen. "Palladium-ETPs sind im Edelmetallsektor die einzigen Produkte, aus denen in diesem Jahr Gelder abgeflossen sind." (Ausgabe vom 01.11.2017) (02.11.2017/fc/a/e)





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