Rohstoff-ETCs: Gewinnmitnahmen stehen im Vordergrund


09.08.17 16:09
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Für viele Rohstoffe sind die Sommermonate vergleichsweise ertragreich, so die Deutsche Börse AG.

Während der Silberpreis in den vergangenen vier Wochen um gut 6 Prozent auf 16,53 US-Dollar pro Feinunze zugelegt habe, habe sich Gold um 3,8 Prozent auf 1.265 US-Dollar verteuert. Das Nordseeöl Brent und das amerikanische WTI hätten etwa vier Dollar pro Barrel gutgemacht, was einem Plus von rund 9 und gut 7 Prozent entspreche. Diese Gewinne würden sich auf die Performance des mit 20 verschiedenen Rohstoffen sehr weit gefassten Bloomberg Commodity Index auswirken, der um 2,49 Prozent auf 83,96 Punkte habe zulegen können.

Wie nachhaltig die Erholung sei, bleibe nach Ansicht von Dora Borbély abzuwarten, denn neben der guten Konjunktur spiele die Dollarschwäche den Rohstoffen in die Hände. "Auf Sicht der nächsten Quartale rechnen wir damit, dass sich die Rohstoffpreise tendenziell mit hohen Schwankungen seitwärts bewegen werden", prognostiziere die Analystin der DekaBank. Die Nachfrage entwickele sich in vielen Bereichen zwar weiterhin gut, zeige aber keine zusätzliche Dynamik. Bremseffekte aufgrund geringerer Investitionen in die Rohstoffgewinnung in den vergangenen Jahren hätten scheinbar noch nicht ausgereicht, um einen nachhaltig stärkeren Preisdruck zu erzeugen.

Im ETC-Handel melde Oliver Kilian von der UniCredit Interesse an Energie- und Edelmetallprodukten. "Auch breit gefasste Rohstoffkörbe (ISIN FR0010270033 / WKN A0JC8F) stehen auf beiden Seiten im Anlegerfokus." Während sich Investoren auf Monatssicht bei leichtem Kaufüberhang mit Silber eingedeckt hätten, hätten sie sich unterm Strich aus Goldwerten wie Xetra Gold und Source Physical Gold verabschiedet.

Umgekehrt registriere ETF Securities mit Blick auf die vergangenen Handelstage eine wieder gestiegene Nachfrage nach Gold-ETCs (ISIN DE000A0LP781 / WKN A0LP78). Unterm Strich stünden Nettozuflüsse in Höhe von gut 64 Millionen US-Dollar zu Buche. Von ihren Silber-Engagements (ISIN DE000A0N62F2 / WKN A0N62F) hätten sich Investoren hingegen tendenziell verabschiedet.

Hinsichtlich der weiteren Entwicklung würden die Briten keine großen Sprünge bei Gold erwarten. "Bleiben weitere Schocks aus, dürfte der Goldpreis unseres Erachtens bis Jahresende auf den aktuellen Niveaus verharren", meine Jan-Hendrik Hein. Bullisher gebe sich Hein mit Blick auf das weiße Metall. "Da die Wirtschaft weiter wächst, gehen wir davon aus, dass Silber Gold bis Jahresende übertreffen wird."

Borbély erwarte auf mittlere Sicht einen leichten Rückgang des Goldpreises und begründe dies mit insbesondere in den USA moderat steigenden Zinsniveaus. Renditen zögen aufgrund sehr zögerlicher Zinsanhebungen in den Vereinigten Staaten zwar nur langsam an. Zudem hätten sich andere große Notenbanken - darunter die EZB - mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik extrem zurückgehalten. "Doch auch mit leicht steigenden Zinsen steigen die Opportunitätskosten der Goldhaltung, Gold wird also in Relation zu anderen Anlageklassen unattraktiver." Auf lange Sicht biete Gold nach Ansicht der DekaBank nicht viel mehr als einen Inflationsausgleich.

Ölwerte führe Kilian mit einem Verkaufsüberhang. So hätten sich Anleger mehrheitlich von ihren Brent-Positionen getrennt.

Auch ETF Securities spreche von überwiegenden Abflüssen bei Rohöl-ETCs (ISIN DE000A1N49P6 / WKN A1N49P), die mit 75 Millionen US-Dollar den höchsten Wert seit Mai erreicht hätten. "Nach dem Anstieg der Ölpreise in der Vorwoche nahmen die Anleger weiter Gewinne mit", meine Hein, der die jüngste Preisschwäche auf die mangelhafte Einhaltung der Förderquoten seitens der OPEC-Mitglieder zurückführe. Am stärksten hätten Länder wie der Irak, Gabun, Ecuador und die Vereinigten Arabischen Emirate gegen die Förderbeschränkungen des Kartells verstoßen.

Die zum Wochenbeginn angekündigte Kürzung der Öllieferungen durch Saudi Arabien habe Öl nur kurzfristig verteuert, wie Eugen Weinberg von der Commerzbank bemerke. "Auch der erneut kräftige Rückgang der US-Rohöllagerbestände hatte keinen preisunterstützenden Einfluss." Das liege unter anderem an der laut US-Energiebehörde weiter zunehmenden heimischen Ölproduktion. Für 2017 erwarte das Amt einen Anstieg um 490.000 auf durchschnittlich 9,35 Millionen Barrel pro Tag. 2018 sollten demnach täglich 570.000 Barrel hinzukommen. "Ende 2018 soll die Produktion auf zehn Millionen Barrel pro Tag klettern."

Als Gegengewicht stütze die hohe US-Nachfrage nach Ölprodukten die Preise. Etwa sei der Benzinabsatz im Juli auf ein Allzeithoch von 9,7 Millionen Barrel pro Tag geklettert. Trotz der im Sommer saisonalen Schwäche hätten die Destillate-Käufe dank guter US-Konjunktur im Juli einen neuen Rekord von 4,2 Millionen Barrel am Tag erreicht.

Borbély gehe davon aus, dass sich Rohöl bis Ende 2018 nicht nennenswert verteuern werde. Die mittelfristige Ölpreisentwicklung werde maßgeblich von den Produktionskosten der US-Fracking-Unternehmen beeinflusst. Und in diesem Bereich sei der technische Fortschritt enorm. "Die Preissetzungsmacht der OPEC am Ölmarkt ist also sehr gering." (09.08.2017/fc/a/e)





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