Rohstoff-ETCs: Gefahr zweiter Pandemiewelle befeuert Goldpreis


17.07.20 13:22
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Gold bricht derzeit alle Regeln, so die Deutsche Börse AG.

Normalerweise sinke der Goldpreis, wenn die Aktienkurse steigen würden - derzeit würden sich die Krisenwährung Gold und die als Risikoanlagen geltenden Aktien im Gleichklang bewegen. Analysten würden das mit den beispiellosen Liquiditäts- und Konjunkturprogrammen der Notenbanken und Regierungen und der gleichzeitig anhaltenden hohen Unsicherheit aufgrund der Corona-Pandemie begründen.

Vergangene Woche sei der Preis für eine Feinunze Gold erstmals wieder über die Marke von 1.800 US-Dollar geklettert, am Donnerstagmorgen seien es 1.808 US-Dollar. Das sei der höchste Stand seit neun Jahren, das Allzeithoch von 2011 bei knapp 1.902 US-Dollar sei nicht mehr weit. In Euro sei der Preis schon im Mai auf ein neues Allzeithoch von über 1.600 Euro geklettert, aktuell seien es mit 1.586 Euro kaum weniger.

Auch ETC-Anleger würden sich derzeit vor allem für Gold interessieren. Das Edelmetall habe den ETC-Handel der vergangenen Wochen klar beherrscht, wie Mobeen Tahir von WisdomTree berichte. "Die Gefahr einer zweiten Pandemiewelle und die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China haben die Rally befeuert."

Der Bestand von Xetra-Gold klettere weiter auf neue Hochs, aktuell liege er bei 225 Tonnen. Viel gehandelt an der Börse Frankfurt würden neben dem ewigen Spitzenreiter Xetra-Gold auch der Xtrackers Physical Gold mit und ohne Währungsabsicherung (ISIN DE000A1EK0G3 / WKN A1EK0G; ISIN DE000A1E0HR8 / WKN A1E0HR), der WisdomTree Physical Gold mit und ohne Währungssicherung (ISIN DE000A1RX996 / WKN A1RX99; ISIN DE000A0N62G0 / WKN A0N62G), der Invesco Physical Gold und der Gold Bullion Securities.

Über die längerfristige Goldpreisentwicklung würden die Meinungen weiter auseinandergehen. Bank of America habe Anfang des Monats geäußert, dass in den kommenden anderthalb Jahren ein Goldpreis von 3.000 US-Dollar möglich sei. ABN Amro gehe nicht ganz so weit, habe aber vor kurzem die Goldpreisprognose von 1.700 auf 1.900 US-Dollar zum Jahresende angehoben. Die Commerzbank sei da skeptischer: "Kurzfristig dürfte das Kaufinteresse aufgrund der steigenden Zahl an Neuinfektionen vor allem in den USA hoch bleiben", meine Analystin Barbara Lambrecht. Aber weil es ansonsten überall an Nachfrage fehle, könne es bald eine Korrektur geben.

Auch der Silberpreis sei wieder gestiegen, aktuell werde die Feinunze zu 19,26 US-Dollar gehandelt. Im März-Tief sei der Preis bis auf 11,72 US-Dollar gefallen. Bei Silber-ETCs hätten in den vergangenen Wochen ebenfalls die Zuflüsse überwogen, wie Tahir melde. "Das liegt an der Korrelation von Silber zu Gold." Umsatzstark seien an der Börse Frankfurt vor allem der WisdomTree Physical Silver und der Xtrackers Physical Silver (ISIN DE000A1E0HS6 / WKN A1E0HS) gewesen.

Der Ölpreis trete hingegen auf der Stelle. Ein Barrel der Nordseesorte Brent koste aktuell 43,46 US-Dollar, nur etwas mehr als vor einem Monat. Dem vorausgegangen sei ein rasanter Anstieg: Ende April habe das Barrel nur noch knapp 21 US-Dollar gekostet. Bei Öl-ETCs würden sich die Abflüsse laut Wisdom Tree fortsetzen. "Das dürften wohl Gewinnmitnahmen sein", meine Tahir.

Nach Einschätzung der DekaBank sei mit einem weiteren Ölpreisanstieg vorerst nicht zu rechnen. "Die weltweite Nachfrage nach Rohöl wird im Jahr 2020 aufgrund der schnellen Ausbreitung des Coronavirus und der weltweiten Rezession das erste Mal seit 2009 sinken", stelle Analystin Dora Borbély fest. Zugleich werde das Ölangebot - trotz der Produktionskürzungen seitens der Opec-Länder sowie des Rückgangs der US-Schieferölförderung - nicht im gleichen Ausmaß sinken. "Die daraus resultierenden enorm hohen Lagerbestände werden bis in das Jahr 2021 hinein Ölpreisanstiege auf die Vorkrisenniveaus verhindern." Führende Mitglieder des Verbunds Opec hätten im Übrigen diese Woche angekündigt, die Förderung ab August wieder spürbar zu erhöhen.

Trotz der Seitwärtsbewegung würden Öl-ETCs wieder zu den Umsatzspitzenreitern an der Börse Frankfurt gehören. Besonders viel sei in den vergangenen vier Wochen im WisdomTree WTI Crude und im WisdomTree Brent Crude Oil umgegangen.

Deutlich verteuert hätten sich zuletzt die Industriemetallpreise. So sei der Kupferpreis über das Vor-Corona-Niveau auf in der Spitze 6.596 US-Dollar geklettert, am Donnerstagmorgen seien es 6.392 US-Dollar. Entsprechend entwickelt habe sich der WisdomTree Copper. "Nun droht mit Chinas wirtschaftlicher Erholung aber ein wesentlicher Preistreiber zu ermüden", erkläre Barbara Lambrecht. "Der Optimismus an den Industriemetallmärkten ist überzogen, wir erwarten mittelfristig eine Preiskorrektur." (Ausgabe vom 16.07.2020) (17.07.2020/fc/a/e)





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