Rohstoff-ETCs: Aufholjagd für Silber?


18.05.17 10:01
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Der Schwung aus den ersten Wochen des Jahres ist längst weg, seit vielen Wochen dominieren Seitwärtsbewegungen oder Preisrückgänge den Rohstoffmarkt, so die Deutsche Börse AG.

Der Rohstoffpreisindex S&P GSCI notiere aktuell bei 381 nach 398 Punkten zum Jahresschluss 2016 (Stand: 17.05.2017).

Trotz jüngstem Goldpreisanstieg: Auf Monatssicht habe sich das Edelmetall verbilligt. Am Mittwochmorgen sei die Feinunze zu 1.244 US-Dollar gehandelt worden, vor gut einem Monat seien es fast 1.300 US-Dollar gewesen.

"Gold & Co. werden belastet durch die Verringerung der politischen Risiken nach den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich sowie durch die anhaltende Entzauberung der Regierung Trump", erkläre Dora Borbély von der DekaBank. Für etwas Rückenwind sorge aktuell die Lage in den USA: Donald Trump solle Geheimdienstinformationen an Russland weitergegeben haben.

"Die Finanzmarktkrise und die Staatsschuldenkrise in Europa sind am Goldmarkt abgehakt. Nun stehen neue Themen an, etwa die von den USA ausgehende Zinswende", bemerke Borbély. Auf der anderen Seite wüchsen die Inflationssorgen. "Am Ende wird man am Goldmarkt all diese Effekte gegeneinander abwägen. Auf lange Sicht trauen wir dem Goldpreis nicht viel mehr als einen Inflationsausgleich zu."

"Für 2017 sind bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent zwei weitere Zinserhöhung der FED eingepreist", meine Dominik Sperzel vom Edelmetallhändler Heraeus Precious Metals. Allerdings könne eine Eskalation der Lage in Nordkorea - das Land habe vergangene Woche mit einem weiteren Atomtest gedroht - den Goldpreis kurzfristig beflügeln.

Vergangene Woche sei es bei Gold- und Silber-ETCs (ISIN DE000A0N62F2 / WKN A0N62F) zu Zuflüssen gekommen, wie Jan-Hendrik Hein, zuständig für die deutschsprachigen Länder bei ETF Securities, melde.

Während der Goldpreis seit Jahresanfang immer noch um 9 Prozent gestiegen sei, habe sich der Silberpreis kaum verändert. ETF Securities sehe Aufholpotenzial - wegen des Angebotsdefizits, der steigenden industriellen Nachfrage und einer Verknappung der Börsenbestände. "Verglichen mit den Goldpreisen sind die Silberpreise attraktiv." Den fairen Wert von Silber schätze ETF Securites auf 20 US-Dollar zum Jahresende, aktuell liege der Preis bei 16,90 US-Dollar (Stand: 17.05.2017).

Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen vier Wochen stünden Gold- und Silber-ETCs ganz oben, allen voran Xetra-Gold, gefolgt vom db Physical Gold Euro Hedged, ETFS Physical Silver, Source Physical Gold, ETFS Physical Gold und db Physical Gold.

Nach dem Anstieg in den ersten Wochen dieses Jahres würden die Industriemetallpreise seit vielen Wochen auf der Stelle treten bzw. seien gefallen: So liege der Kupferpreis aktuell bei 5.612 US-Dollar je Tonne nach über 6.100 US-Dollar im Februar (Stand: 17.05.2017). Ähnlich sehe es aus bei Zink: Der Preis habe am Mittwochmorgen bei 2.568 US-Dollar notiert, nach 2.610 US-Dollar vor einem Monat und über 2.900 US-Dollar im Februar. Nickel setze seine Talfahrt nach dem Hoch im Februar bei über 11.000 US-Dollar fort, aktuell liege der Preis bei 9.176 US-Dollar.

ETF Securities zufolge hätten sich Anleger von Industriemetall-ETCs getrennt. "Die Marktteilnehmer erwarten für Mai eine leichte Abschwächung der chinesischen Konjunktur, was auch die Metallpreise belastet", bemerke Hein. Er verweise auf die Umsätze im chinesischen Einzelhandel, die im April nicht wie im Vorjahr um 10,9 Prozent oder wie vom Konsens erwartet um 10,8 Prozent gestiegen seien, sondern nur um 10,7 Prozent. "Ähnlich verhielt es sich mit der Industrieproduktion, die statt wie im Vorjahr um 7,6 Prozent oder wie erwartet um 7 Prozent nur um 6,5 Prozent zum Vorjahr wuchs."

Reichlich Bewegung gebe es beim Ölpreis, der klare Trend fehle aber: Nach über 56 US-Dollar je Barrel der Nordseesorte Brent Mitte April sei der Preis bis Anfang Mai auf 46,64 US-Dollar gefallen, jetzt seien es wieder 51,23 US-Dollar. Auslöser für den jüngsten Preisanstieg seien Aussagen der Energieminister von Russland und Saudi-Arabien gewesen, die die Verlängerung der seit Beginn des Jahres gültigen Beschränkung der Fördermenge in Aussicht gestellt hätten. Abgesehen davon würden die Zahlen zur Produktion und den Lagerbeständen in den USA, die jeden Mittwoch veröffentlicht würden, regelmäßig für Druck sorgen - mal nach oben, mal nach unten.

Die vorübergehende Preisschwäche würden Anleger ETF Securities zufolge für umfangreiche Käufe nutzen: "Vergangene Woche verzeichneten Rohöl-ETCs (ISIN DE000A0KRJX4 / WKN A0KRJX) Zuflüsse in Höhe von 128 Millionen US-Dollar, was 7 Prozent des verwalteten Vermögens entspricht", berichte Hein. An der Börse Frankfurt seien in den vergangenen vier Wochen vor allem der ETFS Brent 1mth und der ETFS WTI Crude Oil rege gehandelt worden. (Ausgabe vom 17.05.2017) (18.05.2017/fc/a/e)





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