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Globale ETP-Kapitalflüsse: Vom Fischen in unbekannten Strömen


03.08.18 11:42
WisdomTree Europe

London (www.fondscheck.de) - Die im Juni 2018 ins Stocken geratenen Kapitalflüsse von Exchange-Traded Products (ETPs) (50% hinter den Zahlen des letzten Jahres bzw. 30,038 Mrd. USD) spiegelten die Besorgnis um die Unsicherheit wider, die durch Handelskriege und die damit verbundene protektionistische Politik verursacht wurde, so Aneeka Gupta, Associate Director bei WisdomTree.

Nach einem guten, konsistenten Start ins Jahr 2018 nahmen die monatlichen Kapitalflüsse in Rohstoff-ETPs am deutlichsten ab, gefolgt von den mit Aktien verbundenen ETP-Kapitalflüssen, während die Investoren zu versuchen schienen, Zuflucht in Fixed-Income-ETPs zu suchen, die im Monat Juni von allen Anlageklassen am meisten zulegten, so die Experten von WisdomTree Europe. Dies sei das vierte Mal in Folge, dass die monatlichen Kapitalflüsse in Fixed-Income-ETPs die in Aktien-ETPs im Jahr 2018 übertroffen hätten. Unseres Erwartens werden Handelskriege auf den Märkten weiterhin für Gegenwind sorgen und es werden sich dadurch Segmente der Wirtschaft herauskristallisieren, die wahrscheinlich auf Kosten anderer Segmente von ihnen profitieren werden, während wir uns für den Rest des Jahres 2018 auf turbulentere Zeiten einstellen, so die Experten von WisdomTree Europe.

Bei den Rohstoffen hätten ETPs mit breit diversifizierten, langfristigen Rohstoffkörben das Interesse der Investoren auf sich gezogen, da die Fundamentaldaten für Rohstoffe intakt geblieben seien, die dazugehörigen Kurse jedoch aufgrund der fortgesetzten Handelskonflikte nach unten tendiert hätten. Der Industriemetall-Komplex sei eng mit der chinesischen Nachfrage verbunden, da China der weltweit größte Verbraucher von Basismetallen sei. Die aktuellen Handelskonflikte zwischen den USA und China hätten sowohl dem Kurs als auch den ETP-Kapitalflüssen einen Dämpfer versetzt. Die Investoren würden sich zunehmend darum sorgen, dass die Unsicherheit um die Handelskriege das globale Wirtschaftswachstum aus der Bahn werfen könnte, was sich wiederum negativ auf die Nachfrage für Industriemetalle auswirken würde. Bis es zu einer Lösung kommt, erwarten wir, dass der fortgesetzte Handelsstreit die Volatilität bei Basismetallen erhöhen wird, bei den langfristigen Fundamentaldaten der meisten Metalle bleiben wir jedoch optimistisch, so die Experten von WisdomTree Europe.

Die Kurse von Agrarrohstoffen hätten im Juni den stärksten Rückgang verzeichnet, da eine Störung der globalen Lieferkette sowie wetterbedingte Störungen befürchtet worden seien. Nichtsdestotrotz hätten Agrarrohstoff-ETPs weiterhin Zuflüsse für sich gewinnen können. Inmitten des Streits um die Zölle habe Gold seinem Ruf als traditionell sicherer Hafen nicht Genüge tun können.

Da eine verschärfte Geldpolitik in den USA weiterhin die Stimmung dominiert habe, sei es im vergangenen Monat bei Gold-ETPs aufgrund schwächerer Goldpreise zu zahlreichen Redemptions gekommen. Im krassen Gegensatz zum Rest des Rohstoff-Komplexes sei es bei den Energiepreisen, angeführt von Rohöl und Erdgas, im Juni zu einem Anstieg gekommen. ETPs mit einem Energiekorb hätten ebenfalls Abflüsse erlitten, antizyklisch zu den höheren Energiepreisen, da die Investoren im Vorfeld des mit Spannung erwarteten Treffens der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ihre Positionen abgelöst hätten. Unseren Erwartungen nach ist dieser Preisanstieg jedoch von kurzer Dauer, da die Ölproduktion in Libyen wieder aufgenommen wird und die OPEC-Mitglieder sich auf eine Erhöhung der Produktion im Rahmen einer kollektiven Höchstfördermenge geeinigt haben, so die Experten von WisdomTree Europe. Hinzu komme, dass die steigende Produktion von US-Schiefergas den Markt wahrscheinlich im Gleichgewicht halten werde.

Während die mit Aktien verbundenen ETP-Kapitalflüsse im Juni rückläufig gewesen seien und es 2018 in drei Monaten zu Abflüsse gekommen sei, hätten sich aufgrund des wieder in der Gunst stehenden Protektionismus folgende Schlüsselthemen abgezeichnet: Small-Caps hätten Large-Caps dominiert, Netzsicherheit habe im Technologiesektor an Beliebtheit gewonnen, China sei der Favorit unter den Schwellenmärkten gewesen.

Die Spanne zwischen den globalen ETF-Kapitalzuflüssen von Small-Caps gegenüber den ETP-Kapitalflüssen von Large-Cap-Aktien habe sich im zweiten Quartal 2018 am stärksten auf einen Höchststand von 9,1 Milliarden USD erweitert - der höchste Stand in mehr als vier Jahren. Die Investoren schienen sich umzuorientieren und sich mit einem verstärkten Engagement im zugrunde liegenden inländischen Wachstum zu positionieren, wodurch sie sich vor den protektionistischen Belastungen, unter denen das globale Wachstum leidet, schützten, so die Experten von WisdomTree Europe. Trotz der höheren Prämie, mit der sie gehandelt würden, würden Small-Caps historisch gesehen den zusätzlichen Vorteil einer höheren Anlagerendite bieten, unabhängig vom weiteren wirtschaftlichen Hintergrund.

Im Technologiesektor hätten mit Netzsicherheit verbundene ETPs im Juni interessanterweise die höchsten Zuflüsse angezogen. Damit hätten sie mit Robotertechnik verbundene ETPs überholt und den defensiven Charakter der aktuellen Investitionsbereitschaft unterstrichen. Zudem seien die Zuflüsse in mit Basiskonsumgütern verbundene Aktien-ETPs im Juni am höchsten gewesen, was eine zunehmende Vorsicht unter den Investoren beweise. Mit Aktien aus Schwellenmärkten verbundene ETPs hätten im Juni hingegen die stärksten Abflüsse verzeichnet. Der Anteil am Kapitalfluss für ein einzelnes Land sei für China im Juni um 9% gestiegen. Dieser Anstieg bei den Zuflüssen für China stehe in engem Zusammenhang mit der Öffnung des chinesischen Markts für A-Aktien und der damit einhergehenden Aufnahme in den MSCI Emerging Markets Index. Da der Anteil Chinas in breiten Schwellenmarkt-Indices langsam zunehme, ermögliche dies den Investoren, sich in China und in Schwellenmärkten ohne China zu engagieren. Die aktuellen ETP-Kapitalflüsse würden zeigen, dass die Investoren beginnen würden, genau das zu tun.

Um das Durationsrisiko im aktuellen Umfeld steigender Zinsen zu senken, hätten die Investoren am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve Zuflucht gesucht, da die Kapitalflüsse in ETPs mit niedriger Duration im Juni am meisten angestiegen seien. ETPs für Hochzinsanleihen seien von den Investoren weiterhin gemieden worden. Die Kapitalflüsse für Hochzinsanleihen-ETPs seien in fünf der sechs Monate im Jahr 2018 negativ gewesen. Die Performance unter den Hochzins-Unternehmensanleihen schneide in diesem Jahr weiterhin besser ab und die Abweichung zwischen Performance und Kapitalflüssen für Hochzins-Unternehmensanleihen scheine eine Anomalie zu sein, die sich in der zweiten Hälfte des Jahres wahrscheinlich korrigieren werde. Wie bei Aktien-ETPs sei es auch bei ETPs für Anleihen aus Schwellenmärkten zu den stärksten Abflüssen gekommen - minus 8% im Juni -, da die Währungsvolatilität im Bereich Fixed Income für eine risikoaverse Stimmung gesorgt habe. (03.08.2018/fc/a/e)