Wöchentlicher Markt- und Flowbericht: Anleger befürchten neuerliche Zölle auf chinesische Güter


18.09.18 15:29
ETF Securities

London (www.fondscheck.de) - Gold-ETPs verzeichnen erstmals seit fünf Wochen wieder Abflüsse, so die Experten von ETF Securities by WisdomTree.

In der letzten Woche sei es bei Long-Gold-ETPs zu Abflüssen in Höhe von 44,8 Mio. USD gekommen. Die Stabilisierung des Goldpreises könnte einige Anleger dazu veranlasst haben, Gewinne mitzunehmen. Gold habe vergangene Woche um 0,2 Prozent (2,0 Prozent im letzten Monat) zugelegt, da der US-Dollar abgewertet habe. Die spekulative Positionierung bei Gold-Futures, die sich auf dem niedrigsten Stand seit 2001 bewege, scheine übertrieben pessimistisch. Grund hierfür könnte der Unmut darüber sein, dass der Goldpreis nicht auf die Verkaufswelle in den Schwellenländern reagiert habe.

Während Schwellenmarktaktien in den letzten Monaten von Turbulenzen betroffen gewesen seien, hätten sich ihre Pendants aus den Industrieländern gut entwickelt. Die ausbleibende Reaktion der Goldpreise auf den Marktstress in den Schwellenländern lasse sich somit dadurch erklären, dass es bislang noch nicht zu Ansteckungsgefahren in den Industrieländern gekommen sei. Sollten die spekulativen Short-Positionen am Futures-Markt gedeckt werden, könnte dies dem Goldpreis Auftrieb verleihen.

Bei Industriemetallkorb-ETPs (ISIN DE000A0SVX75 / WKN A0SVX7) sei es zu den höchsten Abflüssen seit Februar 2018 gekommen. Diese hätten sich in der vergangenen Woche auf 71,4 Mio. USD belaufen. Die Anleger scheinen nach wie vor einen Nachfrageeinbruch infolge des schwelenden Handelskrieges zu befürchten, so die Experten von ETF Securities. Pressequellen zufolge plane Präsident Trump, neuerliche Zölle auf chinesische Güter im Wert von 200 Mrd. USD zu verhängen. Derzeit seien bereits Güter im Wert von 50 Mrd. USD mit Zöllen belegt. Eine entsprechende Ankündigung könnte laut Presseangaben heute erfolgen. Eine derartige Ankündigung könnte die Chancen des US-Finanzministers Steven Mnuchin, die Handelsgespräche mit China wieder aufzunehmen, gänzlich zunichtemachen.

Die Anleger würden befürchten, dass sich ein Handelskrieg, bei dem Gleiches mit Gleichem vergolten werde, auf die globale Nachfrage in der Wirtschaft auswirken könnte. Ende der Woche lege die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum vor. In ihrem im Mai 2018 veröffentlichten Zwischenbericht habe die Gruppe an Industrieländern ein stärkeres Wirtschaftswachstum in diesem Jahr in Aussicht gestellt, habe aber auch vor Risiken gewarnt, darunter ein Handelskrieg. Es werde interessant sein, zu erfahren, ob die Organisation diesen Risiken mittlerweile eine höhere Wahrscheinlichkeit beimesse.

Bei Kaffee-ETPs (ISIN DE000A0KRJT2 / WKN A0KRJT) hätten die Zuflüsse die siebte Woche in Folge angehalten. Die Kaffeepreise hätten vergangene Woche um 2,7 Prozent (27 Prozent seit Jahresbeginn) nachgegeben. Die Zuflüsse in Höhe von 3,8 Mio. USD scheinen auf eine Schnäppchenjagd seitens der Anleger zurückzuführen zu sein. Verantwortlich für den Preisrückgang scheinen die umfangreiche Produktion und die Abwertung des brasilianischen Real (die Verkäufe von brasilianischem Kaffee an einem globalen in US-Dollar denominierten Markt begünstigt), so die Experten von ETF Securities.

Zahlreiche Anleger seien allerdings der Auffassung, dass Kaffee überverkauft sei. Das letzte Mal hätten die Preise 2013 auf ein derart niedriges Niveau nachgegeben. Damals sei es kurz darauf zu einer deutlichen Preisrally gekommen (115 Prozent zwischen November 2013 und Oktober 2014). Da die Positionierung am Futures-Markt heute deutlich negativer ausfalle als noch 2013, bestehe ein erhebliches Risiko einer durch Deckung von Short-Positionen ausgelösten Rally. Zwar würden die Renditen dieses Jahr stark ausfallen. Die Lagerbestände seien nach den Produktionsdefiziten im letzten Jahr heute allerdings niedriger als 2013.

Energiekorb-ETPs (ISIN DE000A0KRKD4 / WKN A0KRKD) würden Zuflüsse in Höhe von 7,6 Mio. USD verzeichnen. Die Sorgen in Bezug auf Hurricane Florence hätten die Energiepreise in der vergangenen Woche in die Höhe getrieben. Die Experten würden die Zugewinne der Benzinpreise angesichts der höheren Kraftstoffnachfrage zwar für gerechtfertigt halten. Der geringere Stromverbrauch der Haushalte (in evakuierten Häusern und Unternehmen) dürfte einen Teil der Gewinne bei Erdgas und WTI-Öl wieder umkehren. (18.09.2018/fc/a/e)





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