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Weltwirtschaft im Sog der Immobilienkrise


20.12.07 15:31
SEB Asset Management AG

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Weltwirtschaft, bisher mit robustem Wachstum glänzend, wird zunehmend durch die vom US-Wohnimmobilienmarkt ausgelöste Kreditkrise betroffen, so die Analysten von SEB Asset Management.

Jedoch bestehe immer noch Unsicherheit über das Ausmaß der Beeinträchtigung. Das Basisszenario der Analysten gehe von einer gegenüber dem Konsens stärkeren Abkühlung in den Industrieländern aus. Eine Verschärfung der Abwärtsspirale aus restriktiveren Finanzierungsbedingungen und erhöhtem Abschreibungsbedarf der Banken berge für die USA das Risiko einer Rezession. Die positiven Wirkungen der Globalisierung, das weiterhin robuste Wachstum in den Emerging Markets und die gesunde Verfassung der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors würden die Belastungsfaktoren aber abfedern. In den USA rechne man 2008 mit einem nur schwachen Wirtschaftswachstum. Auch in der Eurozone werde die Expansionsrate aufgrund der Kreditkrise und der Kombination aus moderater Exportnachfrage und der Aufwertung des Euros an Schwung verlieren.

Da in Asien trotz einer geringeren Schlagzahl der Konjunktur das Wachstum weiterhin recht robust bleiben werde, bleibe auch das Ausmaß der globalen Abschwächung begrenzt. Der Prozess der Abwärtskorrektur der Wachstumsprognosen dürfte aber noch einige Zeit anhalten.

Im Gegensatz zur Eintrübung der Konjunktur nehme der Inflationsdruck weltweit kräftig zu. Hierzu würden höhere Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise, teilweise verstärkt durch Währungsabwertungen, ebenso wie ein verstärkter Kostendruck durch eine hohe Ressourcenauslastung beisteuern. Erst im Verlauf des nächsten Jahres sei ein Rückgang der Inflationsraten zu erwarten.

Die Zentralbanken würden sich angesichts der Abkühlung der Konjunktur und des erhöhten Inflationsdrucks in einem Dilemma befinden. Aufgrund der zurückliegenden Anhebung der Leitzinsen würden sie aber Spielraum für Zinssenkungen besitzen. Bis Mitte 2008 würden die Analysten in den USA weitere Zinssenkungen in Richtung 3,5 Prozent erwarten. Die EZB werde sich dagegen aufgrund der gestiegenen Inflationserwartungen zunächst zurückhalten. Markterwartungen hinsichtlich einer Zinssenkung werde sie erst bei einer klarer zutage tretenden Konjunkturschwäche nachkommen. Die japanische Notenbank werde wegen der moderateren Konjunktur und der anhaltenden Deflationsrisiken ebenfalls nur zögerlich agieren.

Nach der scharfen Aufwärtsbewegung des Euros sei das Risiko einer Korrektur kurzfristig recht hoch. Aus charttechnischen, aber auch fundamentalen Gründen erwarte man bis zum Frühjahr eine Fortsetzung der Eurostärke gegenüber dem US-Dollar. Bereits in die Kurse "eingearbeitete" Erwartungen und das Risiko von Zinssenkungen in der Eurozone dürften das Aufwertungspotenzial jedoch begrenzen. Der Japanische Yen, bisher aufgrund des niedrigen Zinsniveaus in Japan bevorzugte Finanzierungswährung von "Carry Trades", dürfte wegen seiner Abhängigkeit von der schwankenden Risikoneigung der Investoren volatil bleiben.

Angesichts der eingetrübten konjunkturellen Erwartungen und der (erwarteten) geldpolitischen Lockerungen bleibe das Umfeld für die Rentenmärkte kurzfristig positiv. Man halte daher nochmals einen leichten Renditerückgang für möglich. Ein stärkeres Abrutschen der Konjunktur berge weiteres Potenzial für rückläufige Zinsen. Sollte sich die konjunkturelle Lage tatsächlich, wie von den meisten Konjunkturbeobachtern im Laufe des nächsten Jahres erwartet, stabilisieren, werde sich die Abwärtsbewegung der Renditen wieder umkehren.

Solange die Unsicherheit über das Ausmaß der Kreditkrise anhalte, sei an den Aktienmärkten mit einer volatilen Entwicklung zu rechnen. Zudem dürften Abwärtsrevisionen das erwartete Gewinnwachstum belasten. Dennoch würden Dividendentitel aus fundamentaler Sicht weiterhin attraktiv bleiben. Gemessen am derzeit erwarteten Gewinnwachstum (10 bis 12 Prozent) seien die entwickelten Aktienmärkte (KGV 12 bis 14) moderat bewertet. Im Vergleich zu Renten mit einem KGV von etwa 25 seien sie günstig. Europäische Aktien sollten vom relativ günstigeren ökonomischen Umfeld profitieren. Nord- und Osteuropa würden ein überdurchschnittliches Wachstum zeigen, was teilweise bereits in den Bewertungen berücksichtigt sei.

Die Marktbewertung vieler Immobilienaktien sei im Vergleich zu ihren fundamentalen Daten weiterhin sehr attraktiv. Einige Unternehmen würden eigene Aktien zurückkaufen und die Bewertungen würden Potenzial für Unternehmensübernahmen bieten, was sich positiv auf die Kursentwicklung auswirken sollte. Zudem seien die Dividendenrenditen vergleichsweise günstig. Ein möglicher Anstieg der Anfangsrenditen auf manchen Immobilienmärkten sei nach Erachten der Analysten bereits in den Aktienkursen berücksichtigt. Die Assetklasse habe bei allen regionalen Unterschieden das stärkste Aufwärtspotenzial. (20.12.2007/ac/a/m)