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Die Vorzüge des aktiven Asset Managements - ein Ausblick auf 2018


14.12.17 12:18
GAM

Berlin (www.fondscheck.de) - In einem Jahr, in dem die Debatte um aktives versus passives Investieren so intensiv geführt wurde wie selten zuvor, schauen die Anlageexperten von GAM auf 2018: Wie werden die im kommenden Jahr zu erwartenden Entwicklungen die Märkte und das Asset Management beeinflussen? Welche Potenziale kann ein aktives Management nutzen, die passiven Anlegern verborgen bleiben? Und in welchen Bereichen ist aktives Investieren besonders interessant?

Aktives oder Passives Asset Management? Die Diskussion um diese Frage wird intensiv geführt, so Larry Hatheway, Group Head Investment Solutions und Chefökonom bei GAM. Dabei werde die Debatte weitgehend missverstanden, weil sie falsch dargestellt werde, sei Hathaway überzeugt. Der Abstand zwischen Aktien mit guter und schlechter Entwicklung werde immer größer. In diesem Umfeld mache "Alpha" (Wertpapierselektion) einen größeren Anteil an der Gesamtrendite aus, der bisher von Beta (leicht zu replizieren durch günstige ETFs) dominiert worden sei. "Der grundlegende Makel passiver Anlageinstrumente besteht jedoch darin, dass sie allein nicht die echte Diversifizierung bieten können, die das Herzstück effektiver Anlagen ist."

In den vergangenen acht Jahren seien Anleger dazu verleitet worden, zu glauben, dass ein "ausgewogenes Portfolio" aus Aktien- und Renten-ETFs eine Diversifikation biete. "Stattdessen hat das herkömmliche 60-40-Portfolio außergewöhnliche Renditen erzielt, aufgrund der gleichzeitigen Hausse an Aktien- und Anleihemärkten", so Hatheway. "Aber dieser glückliche Zustand wird wohl nicht von Dauer sein." Die Produktionslücke werde kleiner und die Zentralbanken normalisierten ihre Geldpolitik. "Damit geht die Hausse bei Anleihen allmählich zu Ende." Sollte sich die Anpassung an die neuen Gegebenheiten volatil gestalten, dürften Anleger den Wert von Niedrigpreisinstrumenten infrage stellen. Denn diese seien eigentlich nur Ergänzungen eines gut diversifizierten Portfolios. "Wenn die Zinsen steigen und die Aktienkurse schwanken, wird sich der Wert eines aktiven Ansatzes bei der Vermögenserhaltung zeigen", so Hatheway. "Denn diese erfordert eine aktive Vermögensallokation sowie marktunabhängige Renditequellen. Kurz gesagt, die Vorzüge des aktiven Managements liegen nicht nur darin, dass wir die Märkte mit steigender Tendenz schlagen, sondern noch mehr in der Konstruktion und Generierung von Portfolioergebnissen."

Fast sieben von zehn europäischen Aktienmanagern haben es in den vergangenen fünf Jahren nicht geschafft, den MSCI Europe Index zu übertreffen, so Niall Gallagher, Portfoliomanager für europäische Aktien. "Es ist daher nicht verwunderlich, dass Anleger Bedenken haben, in relativ teure aktiv verwaltete Fonds mit unterdurchschnittlicher Performance zu investieren", so Gallagher. "Vor allem, wenn sie stattdessen auf günstigere Index-Tracker oder sogenannte Smart Beta-ETFs setzen können." Es gebe aber auch einige gute europäische Aktienmanager und viele schafften es, den Markt über ein Jahr zu schlagen. Die meisten seien jedoch daran gescheitert, diesen Erfolg langfristig zu etablieren. "Wir sind der Meinung, dass dies zum Teil auf mangelndes Verständnis für die verschiedenen Risikofaktoren und ihre Auswirkungen innerhalb aktiv verwalteter Aktienportfolios zurückzuführen ist", so Gallagher.

"Mit unserem aktiven "High Conviction"-Ansatz konstruieren wir unsere Portfolios in einem ausgeklügelten, risikobasierten Prozess, um sicherzustellen, dass die intensive, wertschöpfende Aktienanalyse unseres Teams unser Rendite- und Risikoprofil bestimmt", so Gallagher. Dadurch solle verhindert werden, dass die Entwicklung des Portfolios abhängig sei von einigen überdimensionalen Faktorwetten. "Schließlich ist es das, wofür die Anleger bereit sind, extra zu bezahlen: das Alpha, das weder ein Index noch Smart Beta replizieren kann."

Der Schweizer Aktienmarkt zeichnet sich durch eine einzigartige Konzentration von Unternehmen aus, die sich zu Marktführer-Positionen entwickelt haben, so Thomas Funk, Portfoliomanager für Schweizer Aktien bei GAM. Sie seien zu starken Akteuren auf der internationalen Bühne geworden, unabhängig von ihrer Größe. "Aber selbst die besten Schweizer Unternehmen litten unter ungünstigen Wechselkursschwankungen wie der Stärke des Frankens und dem Zusammenbruch der Währungen in den Schwellenländern seit nunmehr fast zehn Jahren", so Funk. "Wir betrachten 2017 als das erste "normale" Jahr für Schweizer Aktien seit der Finanzkrise." Der Schweizer Franken habe sich auf höherem Niveau wieder stabilisiert, was den besten und am schnellsten wachsenden Unternehmen zugutekomme. "Wir investieren in die interessantesten dieser Unternehmen und dieser Ansatz wurde großzügig belohnt." Der Markt differenziere zunehmend zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Unternehmen, was aktiven Investoren wie GAM nütze. "Den Marktmultiplikator nach oben zu treiben, ist schlicht und einfach keine praktikable Strategie mehr."

Die Kombination aus einem gründlichen Verständnis für Krankheitsverläufe und der Entwicklung neuer Technologien zur Entwicklung von Arzneimitteln hat das Innovationspotenzial in der gesamten Gesundheitsbranche auf ein beispielloses Niveau gehoben, so Christophe Eggmann, Portfoliomanager für Aktien im Gesundheitssektor bei GAM. "Dieses rasante Innovationstempo beginnt bereits, die Therapien für Krebs oder Erbkrankheiten zu revolutionieren", so Eggmann. Für Anleger im Gesundheitssektor gehe es primär darum, diese aufregenden Entwicklungen zu nutzen. "Darum stellen wir bei jeder einzelnen Investitionsentscheidung die Innovationskraft in den Mittelpunkt", so Eggmann. "Wir identifizieren Bereiche mit hohem medizinischem Bedarf und investieren in Unternehmen, die wissenschaftlich fundierte Argumente in ihre Geschäftsmodelle einfließen lassen und Best-in-Class-Produkte entwickeln." Dadurch lasse sich ein Mehrwert erzielen, der über die Rendite hinausgeht, die allenfalls durch einen passiven Ansatz erzielt werden könne.

Die kollektive Performance der japanischen Aktienindizes während der vergangenen drei Jahrzehnte deutet darauf hin, dass die Entwicklung der Unternehmensgewinne kraftlos ist Ernst Glanzmann, Portfoliomanager für japanische Aktien. "Unserer Erfahrung nach ist die mikroökonomische Situation in Japan jedoch sowohl innovativ als auch dynamisch", so Glanzmann. Der Anlageschwerpunkt liege auf führenden Unternehmen mit nachhaltigem, überdurchschnittlichem Wachstum und solidem Management. "Darüber hinaus sind wir nicht bereit, überhöhte Preise zu bezahlen, wenn wir eine neue Aktie hinzufügen", so Glanzmann. "Wir halten an unseren sorgfältig ausgewählten 20 bis 30 Positionen fest, solange die Fundamentaldaten dies zulassen und/oder die Bewertungen attraktiv bleiben." Diese Strategie, die sich durch große Geduld und geringe Fluktuation auszeichne, habe sich in den vergangenen neun Jahren bewährt. "Das kann als Bestätigung dafür gesehen werden, dass ein aktives Management an einem der größten Börsenplätze der Welt einen signifikanten Mehrwert schaffen kann."

Die asiatischen Aktienmärkte, ausgenommen Japan, sind im Vergleich zu ihren US-amerikanischen und europäischen Pendants im Allgemeinen immer noch deutlich weniger effizient, so Jian Shi Cortesi, Portfoliomanagerin für chinesische und asiatische Aktienstrategien. "Einige dieser Märkte werden nach wie vor weitgehend von Privatanlegern getrieben, die vor allem basierend auf Gerüchten und Geschichten handeln und dabei die Fundamentaldaten und Aktienbewertungen außer Acht lassen". "Auch die Qualität beim Broker Research ist tendenziell geringer und weniger umfassend als in den großen, entwickelten Aktienmärkten." Dies führe dazu, dass aktive Manager vermehrt von falsch bewerteten Aktienangeboten profitieren könnten. "Indem wir disziplinierte und bewährte Investmentansätze verfolgen, sind wir in der Lage, in diesen noch wenig erforschten Märkten ein großes konsistentes Alpha zu generieren."

Unter gewissen Umständen, wie beispielsweise im derzeitigen Umfeld der straffer werdenden Geldpolitik, kann es sich lohnen, eine niedrige Sensitivität für Zinsbewegungen zu haben, so Anthony Smouha und Grégoire Mivelaz, Co-Fondsmanager für Kreditstrategien (Atlanticomnium SA.). "Für passive Anlagestrategien ist dies aufgrund ihrer Neigung zu Wertpapieren mit den höchsten Marktbewertungen allerdings nicht möglich". "Anleiheindices können durch steigende Zinsen negativ beeinflusst werden. Daher haben wir unser Portfolio so aufgebaut, dass wir unsere Anleger vor dem Zinsanstieg schützen können, den die meisten Marktteilnehmer 2018 erwarten. Unser Ziel ist es, den positiven Ertragsfluss aus Coupons zu erfassen und gleichzeitig ein potentiell negatives Durationsrisiko zu vermeiden." Dies lasse sich erreichen, indem etwa die Hälfte des Portfolios in festverzinsliche Wertpapiere und der Rest in festverzinsliche und variabel verzinsliche Schuldverschreibungen investiert sei. "Auf dieser Basis unterscheiden wir uns von den meisten passiven Indizes und bieten unseren Anlegern dadurch ein Outperformance-Potenzial."

Es gibt eine breite Palette an Möglichkeiten mit beträchtlichem Potential, wie festverzinsliche Anlagen in den Schwellenländern genutzt werden können", sagt Enzo Puntillo, Head of Fixed Income/EM Fixed Income. Indexfonds müssten typischerweise kleinere Länder aus Liquiditätsgründen ausschließen. Die könne dazu führen, dass ihnen interessante Anlagemöglichkeiten entgehen würden. "Die höchsten Kosten in unserem Segment sind die Kosten für die Umsetzung der Strategie, die bei Indexfonds weitgehend gleich hoch sind", so Puntillo. "Wir sind der Meinung, dass die insgesamt schwache Performance passiver Fonds im Emerging Markets Fixed Income-Bereich auf die oben genannten Faktoren zurückzuführen ist." Daher hätten aktive Strategien im Allgemeinen das Potenzial, Benchmark-Indices in diesem Bereich zu übertreffen, wohingegen passive Strategien insgesamt Mühe hätten, mit ihnen Schritt zu halten.

Im Gegensatz zu Index-Tracking-Strategien bietet ein Absolute-Return-Ansatz ein aktives, dynamisches Engagement an den globalen Rentenmärkten über eine Vielzahl von Vermögenswerten, so Tim Haywood, Investment Director für Absolute Return Fixed Income Strategien. Um absolute Renditen zu erzielen, müsse der Ansatz flexibel und anpassungsfähig sein und sich auf die Erfahrung der Lead-Manager und ihres Teams stützen. Absolute Return Fixed-Income-Fonds würden darauf abzielen, Kapital zu erhalten und unabhängig von den Marktbedingungen konstant positive Renditen zu erwirtschaften. "Indem wir zu unterschiedlichen Zeitpunkten sowohl auf lange als auch auf kurze Sicht in verschiedenen Sektoren investieren, können wir ein breites Spektrum an Möglichkeiten nutzen, um auf mehrere und divergierende Renditequellen zuzugreifen", so Haywood. "Diese inhärente Flexibilität ist für den Kapitalerhalt von entscheidender Bedeutung, zusätzlich zu dem Potential, überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften, wie sie mit Plain-Vanilla-Index-Exposure verbunden sind."

Angesichts der Komplexität von M&A-Transaktionen ist ein aktiver Ansatz im Bereich der Risikoarbitrage von entscheidender Bedeutung, so Roberto Bottoli, Portfoliomanager für Merger-Arbitrage-Strategien. "Aktives Management bedeutet in diesem Zusammenhang, die spezifischen Risikotreiber eines M&A-Deals zu verstehen und zu beurteilen, wie attraktiv die dahinter stehende Arbitragechance ist." Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Merger Arbitrage müssten in der Phase des Portfolioaufbaus berücksichtigt werden, was zuweilen ein schnelles und entschlossenes Handeln beim Auf- und Abbau einer Position erfordere. (14.12.2017/fc/a/m)