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Viva España? Chancen für mutige Anleger


17.11.17 11:16
Lyxor Asset Management

Paris (www.fondscheck.de) - Spanien beherrschte in diesem Jahr die ökonomischen wie die politischen Schlagzeilen gleichermaßen, so die Experten von Lyxor Asset Management.

Bis in den Sommer hätten vor allem die Wirtschaftsmeldungen für Aufsehen gesorgt. Denn ausgerechnet das einstige Sorgenkind Spanien habe sich in diesem Jahr gemeinsam mit Deutschland als der Wirtschaftsmotor für die Eurozone erwiesen. Angesichts der guten Entwicklung habe die spanische Regierung noch im Juli ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 3 Prozent erhöht.

Dann aber seien mit dem katalonischen Unabhängigkeitsreferendum politische Schlagzeilen in den Vordergrund gerückt. Am 1. Oktober hätten 90 Prozent der zur Wahl gegangenen Katalanen für die Unabhängigkeit von Spanien gestimmt. Nach mehrtägiger Hängepartie seien die katalonischen Regierungsvertreter von Madrid entmachtet und Neuwahlen für den 21. Dezember angekündigt worden. Dies habe nicht ohne Folgen für die Wirtschaft bleiben können. Die Regierung in Madrid habe ihre Wachstumserwartung für das kommende Jahr von 2,6 auf 2,3 Prozent korrigiert. Bereits zuvor sei es an den Börsen nach unten gegangen. Habe der IBEX 35 noch zur Mitte des Jahres einen 2-Jahres-Höchstand erreicht, so sei es danach kontinuierlich bergab gegangen. Direkt nach dem Referendum habe der Index insgesamt 10 Prozent unter dem Spitzenwert aus dem Sommer gelegen. Ganz ähnlich sei die Entwicklung bei anderen Indices wie etwa dem Dow Jones Spain verlaufen.

"Die aktuelle Situation bietet risikobewussten Anlegern die Chance, mit taktischen Investments am spanischen Aktienmarkt von der aktuellen Unsicherheit zu profitieren", finde Heike Fürpaß-Peter, ETF-Expertin beim französischen Asset Manager Lyxor. Unterstützt durch die synchrone Erholung der Weltwirtschaft und Europas sowie durch die weiterhin lockere Geldpolitik der EZB sei das spanische Wirtschaftswachstum weiterhin robust. "Hinzu kommt, dass die katalanische Wirtschaft nur 20 Prozent der spanischen Wirtschaftskraft ausmacht und dass zwei Drittel der Erträge der im IBEX enthaltenen Unternehmen im Ausland erwirtschaftet werden", so Fürpaß-Peter.

Ein Blick auf erste Frühindikatoren aus dem vierten Quartal deute in der Tat darauf hin, das sich die Störfaktoren bisher allenfalls begrenzt auf die konjunkturelle Erholungsphase in Spanien auswirken würden. So habe der von der EU-Kommission erstellte Economic Sentiment Indicator (ESI) Anfang Oktober statt einer Eintrübung einen weiteren Stimmungszuwachs gezeigt und sei auf dem stärksten Wert seit beinahe zwei Jahren gelandet.

"Risiken sind in Spanien natürlich weiterhin vorhanden", erkläre Heike Fürpaß-Peter, und verweise dabei u.a. auf die zweithöchste Arbeitslosenquote im Euroraum, die starke Abhängigkeit vom Tourismus oder die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Diese Risikofaktoren seien primär jedoch nicht mit der aktuellen Katalonien-Krise verbunden, sondern stellten grundsätzliche Herausforderungen dar, denen sich die spanische Regierung ohnehin zu stellen habe.

Insofern öffne sich für mutige Anleger an Spaniens Märkten derzeit ein Zeitfenster für Risikoinvestments, die über ETFs kostengünstig und effizient umgesetzt werden könnten. Gerade ETFs würden in der letzten Zeit nicht mehr nur als sicherheitsorientierte Core-Investments, sondern verstärkt auch als risikoreichere Satelliteninvestments genutzt. (17.11.2017/fc/a/e)