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Schwellenländeraktien befinden sich aktuell im Aufwind


26.07.16 11:32
T. Rowe Price

Baltimore (www.fondscheck.de) - In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres haben viele Schwellenländeraktien bessere Renditen geliefert als Aktien an den etablierten Märkten, so die Experten von T. Rowe Price.

Für viele Investoren stelle sich daher die Frage, ob der aktuelle Aufschwung an den Emerging Markets der Beginn einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung oder nur ein kurzfristiges Phänomen sei. Gonzalo Pángaro, Portfoliomanager Global Emerging Market Equities bei T. Rowe Price, sei der Meinung, dass Investoren ihren Blick verstärkt auf die Schwellenländer richten sollten.

"Es sieht ganz danach aus, dass die Unternehmensgewinne in Schwellenländern eine positive Entwicklung nehmen. Die Erholung ihrer Volkswirtschaften und Währungen hat sicherlich dazu beigetragen. Erfreulicherweise sehen wir aber auch, dass immer mehr Managementteams Wert darauf legen, die Gewinnmargen ihrer Unternehmen zu steigern", erkläre Pángaro.

Auch wenn die Aktien seit Jahresbeginn gestiegen seien, seien die relativen Bewertungen im Vergleich zu Aktienbewertungen an den etablierten Märkten günstig. Das treffe vor allem in Hinsicht auf das Kurs/Buchwert-Verhältnis zu. Die Bewertungen auf Basis des Kurs/Gewinn-Verhältnis seien hingegen unterschiedlicher ausgefallen. Einige Sektoren wie die Basiskonsumgüter- und Pharmaindustrie hätten sich leicht besser als ihr Langzeit-Durchschnitt entwickelt.

Das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer scheine sich allmählich zu stabilisieren. Die brasilianische und russische Wirtschaft sei immer noch verhältnismäßig schwach, bis zum Jahresende sei hier jedoch ein Umschwung zu erwarten. "Indiens Wachstumsaussichten für die zweite Jahreshälfte sind sehr gut, sofern die Monsun-Zeit normal ausfällt. Auch die Philippinen zeigen ein gesundes Wachstum, während Indonesien und Thailand zumindest Anzeichen für ein erstarken der Wirtschaft liefern", so der Experte.

Weiter führe Pángaro aus: "Dieses verbesserte ökonomische Umfeld sollte auch den Unternehmensgewinnen in den Schwellenländern zuträglich sein, insbesondere wenn sich die Gewinnmargen wie von uns erwartet erhöhen. Gerade die gut geführten Unternehmen sind mehr denn je darauf fokussiert, die Kosten zu reduzieren und die Erträge zu steigern." China sei die einzige Ausnahme, da sich das dortige Wirtschaftswachstum weiter verlangsame.

Deshalb stelle China weiterhin ein Risiko für Investoren dar. Zwei Hauptrisiken seien die Währung und die Höhe der Verschuldung im Finanzsystem gewesen. Die bestehende Möglichkeit einer drastischen Abwertung des Renminbi könnte dazu führen, dass die Kapitalausflüsse zunehmen würden und die gesamte chinesische Wirtschaft unter Druck gesetzt würde. "Wir gehen allerdings davon aus, dass der Renminbi im Jahresverlauf nur mäßig abwerten wird. Dennoch wird es eine Herausforderung sein, diesen Abwertungsprozess zu bewältigen.

Die chinesische Regierung könnte gezwungen sein, weiterhin auf ihre enormen Fremdwährungsreserven zurückzugreifen, um die eigene Währung zu stützen", so Pángaro. Momentan könne sich China dieses Vorgehen noch leisten, dies sei aber nicht auf unbestimmte Zeit möglich. Daher dürften sich die derzeit mäßigen Kapitalabflüsse in den kommenden Monaten nicht erhöhen.

Seit der Finanzkrise 2008 habe China beträchtliche Schulden angehäuft, ein erheblicher Teil davon werde von Unternehmen gehalten, die derzeit Probleme hätten. Dies führe zu einer zunehmenden Zahl an notleidenden Krediten. Unglücklicherweise hätten viele Banken zu spät reagiert und diese Kredite nicht zusätzlich gestützt. Das wiederum habe Investoren verunsichert.

"Wenn China plötzlich alle diese schlechten Kredite wahrnimmt, könnte das die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig stören und sogar zu einer finanziellen Krise führen. Wir halten dies aber für höchstunwahrscheinlich angesichts der Kontrolle, die die chinesische Regierung über den Bankensektor und im weiteren Sinn über das gesamte Finanzsystem hat", sage Pángaro. Viel wahrscheinlicher sei ein schrittweiser Prozess, bei dem Schulden eher refinanziert oder restrukturiert würden.

Die Investmentmöglichkeiten für Schwellenländer schätze Gonzalo Pángaro folgendermaßen ein: "Wir sind der Meinung, dass Anleger an den Emerging Markets im Hinblick auf die Wachstumschancen unterinvestiert sind. Die Bewertungen sind im Vergleich zu zurückliegenden Perioden und entwickelten Märkten attraktiv. Da sowohl Volkswirtschaften als auch Unternehmensgewinne am Beginn einer Erholungsphase zu stehen scheinen, sollten die Investments hier eigentlich wieder steigen. Dennoch wird es hinsichtlich einzelner Länder und Sektoren große Unterscheide geben. In diesen dynamischen Märkten die richtigen Unternehmen zu identifizieren, wird für den Anlageerfolg entscheidend sein. Für erfahrene Investoren, die einen Fokus auf die zugrunde liegenden Fundamentaldaten legen, bieten sich reichlich Chancen." (26.07.2016/fc/a/m)