Rohstoffmarkt gezielte Nachfrage
04.01.12 12:21
Deutsche Börse AG
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Mit saisonal bedingt schwachen Umsätzen starte der ETC-Handel ins neue Jahr, so die Deutsche Börse AG.
"Einige Anleger, die zum Jahresende noch Gewinne mitgenommen haben, greifen derzeit wieder bei Gold zu", melde Florian Perini von Flow Traders.
Dem Ölpreis hätten zuletzt überraschend positive Konjunkturdaten aus Asien auf die Beine geholfen und die Drohung Irans, Öltransporte durch die strategisch wichtige Straße von Hormus zu blockieren. "Anleger nahmen dies zum Anlass, sich in Öl-ETCs zu positionieren", glaube Perini. Kaum Bewegung erkenne der Händler im Handel mit Soft Commodities, Industriemetallen und marktbreiten Rohstoffkörben.
Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsdeutung stehe zu Beginn eines jedes Jahres auf der Agenda vieler Rohstoffanalysten. Bei der Rückschau 2011 helfe ein Blick auf die großen Rohstoffindices und der sorge zunächst für Ernüchterung, wie Ole Hansen von der Saxo Bank analysiere. Der S&P GSCI als Börsenbarometer für Rohstoff-Futures etwa sei um ein Prozent gefallen. Der Index bestehe aus 24 einzelnen Rohstoffen und biete einen Überblick über die gesamte Rohstoffpalette.
Der Dow Jones-UBS Commodity Index mit 19 verschiedenen Rohstoffen, der neben Energie viele Industriemetalle und Agrarwerte enthalte, sei beispielsweise um mehr als 13 Prozent eingebrochen. Der CRB-Rohstoffindex mit 19 Rohstoff-Futures, die an den Terminbörsen gehandelt würden, habe ebenfalls rund 8 Prozent verloren. "Besonders hart abgestraft worden seien Industriemetalle und Agrarrohstoffe, während Energiewerte und Edelmetalle noch ein Plus verzeichneten", resümiere Hansen. Entsprechend hätten insbesondere Rohstoff-Indices gelitten, bei denen der Anteil an Metallen und Soft Commodities besonders hoch sei.
Bei der Frage, wie sich etwa der Ölpreis in diesem Jahr entwickeln werde, gebe es Antworten zwischen 60 und 200 US-Dollar. "Ausschlaggebend sind die geopolitische Lage, die konjunkturellen Entwicklungen in den großen Industrieländern sowie das Angebot", erkläre Heinrich Peters von der Helaba. "Wir gehen von einer anhaltenden Unsicherheit bezogen auf das Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr aus, verbunden mit einer entspannten Angebotssituation." Energiesparprogramme in den USA und ein Trend zur Substitution von Öl mit Erdgas trügen zudem zu einer geringeren Öl-Nachfrage bei.
Auch die chinesische Industrie ersetze Öl zunehmend mit dem derzeit billigeren Erdgas. Einen Preiseinbruch bei Öl erwarte der Rohstoffanalyst dennoch nicht. "Die Öl-fördernden Länder würden ihr Angebot flexibel entsprechend der Nachfragesituation anpassen." Bei diesem Szenario werde der Ölpreis zunächst etwas nachgeben und sich im zweiten Halbjahr bis oberhalb des aktuellen Kurses erholen.
Anleger würden zumindest kurzfristig einen steigenden Ölpreis erwarten, denn Perinie zufolge würden sie sich etwa mit dem ETFS Crude Oil und dem ETFS WTI Oil eindecken. Zuletzt habe die Nordseesorte Brent mit einem Plus von vier US-Dollar auf 112 US-Dollar pro Fass den höchsten Stand seit Mitte November markiert. Bei der US-Sorte WTI sei der Preis auf 103 US-Dollar pro Barrel gestiegen.
Mit Blick auf den Goldpreis rechne Peters eher mit einem anziehenden Preis. "Entscheidend sind die nächsten Schritte der Notenbanken", glaube der Rohstoff-Analyst. Bleibe es bei der ultralockeren Geldpolitik, gebe dies dem Goldpreis Schub nach oben. Ein großes Fragezeichen bestehe bei Edelmetallen, die gleichzeitig in der Industrie verwendet würden. "Die Nachfrage insbesondere in der Automobilbranche ist nicht mehr ganz so dynamisch wie im vergangenen Jahr", erkläre der Analyst.
Mit den aktuell steigenden Aktiennotierungen sei Gold indes mitgezogen worden und habe im gestrigen Handel um fast 2,5 Prozent auf über 1.600 US-Dollar pro Feinunze zugelegt. Zur Entwicklung würden nach Händlermeinung insbesondere Investoren beitragen, die sich im neuen Jahr für ETCs mit physisch hinterlegtem Gold entschieden hätten.
Auf Sicht der vergangenen zwei Wochen spreche Perini dennoch von einem eher ausgeglichenen Verhältnis zwischen Verkäufen und Käufen etwa beim db Physical Gold Euro Hedged, beim ETFS Physical Gold und bei Xetra Gold. Zu- und Abflüsse hätten sich auch bei Fonds mit physisch hinterlegtem Silber wie dem ETFS Physical Silver (ISIN DE000A0N62F2 / WKN A0N62F) und dem ETFS Physical Silver Euro Hedged die Waage gehalten.
Nicht Fisch, nicht Fleisch - so beschreibe Peters die derzeitige Situation der Industriemetalle. Ob die Talsohle bereits ausgelotet sei, bleibe aber offen. Genauso gut könne es weitere 5 Prozent gen Süden gehen. "Mit ihren Industrieproduktionen spielen Deutschland, Japan und China die Hauptrollen bei der Nachfrage nach Basismetallen", meine Peters. Davon sei zumindest Japan, derzeit auch wegen des starken Yen, als schwach einzustufen. Und hinter der deutschen und chinesischen Industrieproduktion stehe ein großes Fragezeichen. "Eine bestandene Bewährungsprobe im ersten Halbjahr kann die Industriemetallpreise stabilisieren", meine Peters. Per saldo prognostizierte der Helaba-Analyst auf Jahressicht keine großen Bewegungen bei den Metallen.
Aktuell berichte Eugen Weinberg von der Commerzbank etwa von einer auffallend trüben Anlegerstimmung in China. Entgegen den freundlichen Tendenzen an anderen Börsen markiere der chinesische Aktienmarkt mit einem Verlust von zwei Prozent am heutigen Mittwoch den tiefsten Stand seit März 2009.
Anleger würden die Industriemetalle laut Perini größtenteils links liegen lassen. Auf niedrigem Niveau hätten sie sich tendenziell Kupfer mit dem Kauf beispielsweise des ETFS Copper ins Depot gelegt. Von einem leichten Kaufüberhang auf Sparflamme spreche der Händler zudem bei breiter aufgestellten Rohstoffportfolios wie dem Lyxor ETF Commodities (ISIN FR0010270033 / WKN A0JC8F) und dem iShares Dow Jones-UBS Commodity Swap. (04.01.2012/fc/a/e)
"Einige Anleger, die zum Jahresende noch Gewinne mitgenommen haben, greifen derzeit wieder bei Gold zu", melde Florian Perini von Flow Traders.
Dem Ölpreis hätten zuletzt überraschend positive Konjunkturdaten aus Asien auf die Beine geholfen und die Drohung Irans, Öltransporte durch die strategisch wichtige Straße von Hormus zu blockieren. "Anleger nahmen dies zum Anlass, sich in Öl-ETCs zu positionieren", glaube Perini. Kaum Bewegung erkenne der Händler im Handel mit Soft Commodities, Industriemetallen und marktbreiten Rohstoffkörben.
Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsdeutung stehe zu Beginn eines jedes Jahres auf der Agenda vieler Rohstoffanalysten. Bei der Rückschau 2011 helfe ein Blick auf die großen Rohstoffindices und der sorge zunächst für Ernüchterung, wie Ole Hansen von der Saxo Bank analysiere. Der S&P GSCI als Börsenbarometer für Rohstoff-Futures etwa sei um ein Prozent gefallen. Der Index bestehe aus 24 einzelnen Rohstoffen und biete einen Überblick über die gesamte Rohstoffpalette.
Der Dow Jones-UBS Commodity Index mit 19 verschiedenen Rohstoffen, der neben Energie viele Industriemetalle und Agrarwerte enthalte, sei beispielsweise um mehr als 13 Prozent eingebrochen. Der CRB-Rohstoffindex mit 19 Rohstoff-Futures, die an den Terminbörsen gehandelt würden, habe ebenfalls rund 8 Prozent verloren. "Besonders hart abgestraft worden seien Industriemetalle und Agrarrohstoffe, während Energiewerte und Edelmetalle noch ein Plus verzeichneten", resümiere Hansen. Entsprechend hätten insbesondere Rohstoff-Indices gelitten, bei denen der Anteil an Metallen und Soft Commodities besonders hoch sei.
Bei der Frage, wie sich etwa der Ölpreis in diesem Jahr entwickeln werde, gebe es Antworten zwischen 60 und 200 US-Dollar. "Ausschlaggebend sind die geopolitische Lage, die konjunkturellen Entwicklungen in den großen Industrieländern sowie das Angebot", erkläre Heinrich Peters von der Helaba. "Wir gehen von einer anhaltenden Unsicherheit bezogen auf das Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr aus, verbunden mit einer entspannten Angebotssituation." Energiesparprogramme in den USA und ein Trend zur Substitution von Öl mit Erdgas trügen zudem zu einer geringeren Öl-Nachfrage bei.
Anleger würden zumindest kurzfristig einen steigenden Ölpreis erwarten, denn Perinie zufolge würden sie sich etwa mit dem ETFS Crude Oil und dem ETFS WTI Oil eindecken. Zuletzt habe die Nordseesorte Brent mit einem Plus von vier US-Dollar auf 112 US-Dollar pro Fass den höchsten Stand seit Mitte November markiert. Bei der US-Sorte WTI sei der Preis auf 103 US-Dollar pro Barrel gestiegen.
Mit Blick auf den Goldpreis rechne Peters eher mit einem anziehenden Preis. "Entscheidend sind die nächsten Schritte der Notenbanken", glaube der Rohstoff-Analyst. Bleibe es bei der ultralockeren Geldpolitik, gebe dies dem Goldpreis Schub nach oben. Ein großes Fragezeichen bestehe bei Edelmetallen, die gleichzeitig in der Industrie verwendet würden. "Die Nachfrage insbesondere in der Automobilbranche ist nicht mehr ganz so dynamisch wie im vergangenen Jahr", erkläre der Analyst.
Mit den aktuell steigenden Aktiennotierungen sei Gold indes mitgezogen worden und habe im gestrigen Handel um fast 2,5 Prozent auf über 1.600 US-Dollar pro Feinunze zugelegt. Zur Entwicklung würden nach Händlermeinung insbesondere Investoren beitragen, die sich im neuen Jahr für ETCs mit physisch hinterlegtem Gold entschieden hätten.
Auf Sicht der vergangenen zwei Wochen spreche Perini dennoch von einem eher ausgeglichenen Verhältnis zwischen Verkäufen und Käufen etwa beim db Physical Gold Euro Hedged, beim ETFS Physical Gold und bei Xetra Gold. Zu- und Abflüsse hätten sich auch bei Fonds mit physisch hinterlegtem Silber wie dem ETFS Physical Silver (ISIN DE000A0N62F2 / WKN A0N62F) und dem ETFS Physical Silver Euro Hedged die Waage gehalten.
Nicht Fisch, nicht Fleisch - so beschreibe Peters die derzeitige Situation der Industriemetalle. Ob die Talsohle bereits ausgelotet sei, bleibe aber offen. Genauso gut könne es weitere 5 Prozent gen Süden gehen. "Mit ihren Industrieproduktionen spielen Deutschland, Japan und China die Hauptrollen bei der Nachfrage nach Basismetallen", meine Peters. Davon sei zumindest Japan, derzeit auch wegen des starken Yen, als schwach einzustufen. Und hinter der deutschen und chinesischen Industrieproduktion stehe ein großes Fragezeichen. "Eine bestandene Bewährungsprobe im ersten Halbjahr kann die Industriemetallpreise stabilisieren", meine Peters. Per saldo prognostizierte der Helaba-Analyst auf Jahressicht keine großen Bewegungen bei den Metallen.
Aktuell berichte Eugen Weinberg von der Commerzbank etwa von einer auffallend trüben Anlegerstimmung in China. Entgegen den freundlichen Tendenzen an anderen Börsen markiere der chinesische Aktienmarkt mit einem Verlust von zwei Prozent am heutigen Mittwoch den tiefsten Stand seit März 2009.
Anleger würden die Industriemetalle laut Perini größtenteils links liegen lassen. Auf niedrigem Niveau hätten sie sich tendenziell Kupfer mit dem Kauf beispielsweise des ETFS Copper ins Depot gelegt. Von einem leichten Kaufüberhang auf Sparflamme spreche der Händler zudem bei breiter aufgestellten Rohstoffportfolios wie dem Lyxor ETF Commodities (ISIN FR0010270033 / WKN A0JC8F) und dem iShares Dow Jones-UBS Commodity Swap. (04.01.2012/fc/a/e)
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