Rohstoff-ETCs: Palladium immer teurer


16.06.17 12:20
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Weder Goldoptimisten noch -pessimisten können derzeit triumphieren: Die Notierungen bleiben in einer Seitwärtsspanne um 1.200 US-Dollar je Feinunze gefangen, so die Deutsche Börse AG.

Im Mai habe sich Gold wieder etwas verteuert, vergangene Woche sei der Preis auf knapp unter 1.300 US-Dollar geklettert, auch aufgrund der jüngsten US-Dollar-Schwäche, die den Golderwerb für Euro-Anleger verbillige. Seitdem gehe es aber wieder nach unten: Am Mittwochmorgen habe die Notierung bei 1.267 US-Dollar gelegen. Seit Jahresanfang ergebe sich damit aber immer noch ein Plus von 11 Prozent.

"Die grundsätzlich anhaltenden geopolitischen Risiken rund um den Globus bilden weiterhin ein gutes Fundament für die Goldpreisentwicklung", meine Dominik Sperzel von Heraeus Precious Metals. Die physische Goldnachfrage werde vor allen Dingen durch steigende indische, chinesische und türkische Goldimporte gestützt. Zudem gehe er davon aus, dass die geplante Steuervereinfachung in Indien die Nachfrage weiter ankurbeln werde. Laut Gabor Vogel von der DZ BANK sei der Goldpreisanstieg Folge der innenpolitischen Risiken in den USA und des schwächeren Greenbacks gewesen. Nun werde sich der Markt aber wieder auf die rückläufige Goldnachfrage und die stagnierenden Zentralbankkäufe konzentrieren - und vor allem den Zinsanstieg in den USA. Für Mitte 2018 rechne die Bank nur mit 1.150 US-Dollar.

Gold-ETCs hätten zuletzt Abflüsse verzeichnet, wie Jan-Hendrik Hein von ETF Securities melde. Auf den Verkaufszetteln habe etwa der Gold Bullion Securities gestanden. "Auch die nach den Parlamentswahlen in Großbritannien erhöhte Instabilität der britischen Politik machte sich nicht bemerkbar." Die Umsatzliste der Börse Frankfurt der vergangenen zwei Wochen würden Gold-ETCs anführen, allen voran Xetra-Gold, gefolgt vom Source Physical Gold, db Physical Gold Euro Hedged, Gold Bullion Securities und ETFS Physical Gold. Viel gehandelt worden seien aber auch Öl-ETCs wie der ETFS Brent 1mth und der ETFS WTI Crude.

Sehr unterschiedlich entwickelt hätten sich Platin und Palladium: Während der Platinpreis seit vergangenem Sommer schwächle bzw. seitwärts tendiere, sei der Palladiumpreis auf ein Sechzehnjahreshoch von 925 US-Dollar je Feinunze geklettert. Aktuell koste Palladium 886 US-Dollar, Platin 928 US-Dollar. "Aus unserer Sicht ist diese Entkoppelung der beiden häufig zusammen abgebauten Metalle übertrieben", meine Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Da die Nachfrage nach Palladium noch viel stärker als Platin von der Automobilkonjunktur abhänge, könne der Preis wegen des Abflauens des Autobooms in den USA und der geringeren Dynamik in China unter Druck geraten. "Zwar dürfte dies auch die Platinnachfrage bremsen; diese sollte aber stärker von den besseren Aussichten für den europäischen Markt profitieren, auf dem Autos mit Dieselantrieb immer noch einen wesentlich größeren Anteil haben." Zudem mache der nur geringe Preisabschlag den Ersatz von Platin durch Palladium unattraktiver.

Sperzel erwarte nach dem starken Preisanstieg eine kurzfristige Beruhigung auf hohem Niveau. "Wir schließen auch nicht aus, dass ETC-Investoren, die in großem Maße in Palladium investiert sind, Gewinne mitnehmen." Mit einer dauerhaften Entspannung sei aber noch nicht zu rechnen. Anleger würden auf die Entwicklung des Palladiumpreises mit dem ETFS Physical Palladium setzen.

Öl sei unterdessen wieder deutlich billiger geworden, der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sei vergangene Woche sogar unter 48 US-Dollar gefallen und damit den Stand vor der Einigung der OPEC-Länder auf eine Produktionskürzung Ende November 2016. Aktuell seien es 48,23 US-Dollar. Auslöser für Preisrücksetzer seien immer wieder die US-Lagerbestände. Zudem seien die Zweifel an der Kürzungsstrategie der OPEC hoch.

"Das Minimalergebnis auf dem jüngsten OPEC-Treffen hat gezeigt, dass wichtige Produzenten nicht wirklich bereit sind, größere Marktanteilsverluste zwischenzeitlich in Kauf zu nehmen, um einer Marktbereinigung und damit wieder spürbar steigenden Preisen näher zu kommen", kommentiere Heinrich Peters von der Helaba. Die Commerzbank gehe davon aus, dass sich die Ölpreise im Laufe der nächsten Woche erholen würden. "Schließlich werden OPEC und die Internationale Energieagentur für die zweite Jahreshälfte ein massives Angebotsdefizit prognostizieren", erkläre Lambrecht.

ETF Securities berichte von Zuflüssen in Öl-ETCs wie den ETFS Brent Crude und den ETFS WTI Crude (ISIN DE000A0KRJX4 / WKN A0KRJX). "Mit der Blockade von Katar hat das wenig zu tun, Katar ist nur ein sehr kleiner Rohölproduzent", stelle Hein fest. Das Interesse der Anleger sei vor allem auf den niedrigen Preis zurückzuführen.

Die meisten Industriemetallpreise würden unter Druck bleiben. "Einerseits belasten Wachstumsunsicherheiten im Verarbeitenden Gewerbe in China und in den USA. Andererseits dürften die Rahmenbedingungen gerade auch für spekulative Engagements im Rohstoffsektor immer ungünstiger werden", erläutere Peters. Mit Blick auf die Finanzstabilität könne Peking stark gehebelte Investments eindämmen und auch den Kapitalverkehr gezielter steuern.

Zink habe sich in den vergangenen Wochen weiter verbilligt: Der Preis notiere am Mittwochmorgen bei 2.496 US-Dollar nach 2.568 US-Dollar vor einem Monat und über 2.900 US-Dollar im Februar. Nickel setze seine Talfahrt nach dem Hoch im Februar bei über 11.000 US-Dollar fort, aktuell liege der Preis bei 8.934 US-Dollar. Der Kupferpreis sei hingegen gegenüber dem Vormonat wieder etwas gestiegen: So liege die Notierung aktuell bei 5.720 US-Dollar nach 5.612 US-Dollar je Tonne vor einem Monat. Im Februar seien es allerdings noch über 6.100 US-Dollar gewesen.

Industriemetall-ETCs wie der ETFS Longer Dated Industrial Metals hätten Hein zufolge nach der Herabstufung des Kreditratings Chinas und der Verlangsamung des chinesischen Metallverbrauchs erneut Abflüsse verzeichnet. "Das Anlageargument für Industriemetalle bleibt jedoch intakt, da sich die chinesische Wirtschaft stabilisiert und das interne Angebotsdefizit unverändert bleibt." (Ausgabe vom 14.06.2017) (16.06.2017/fc/a/e)





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