Rohstoff-ETCs: Nur Öl wird immer teurer


21.09.18 13:39
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die schwache Entwicklung der meisten Rohstoffe hat sich auch in den vergangenen Wochen fortgesetzt, so die Deutsche Börse AG.

Die große Ausnahme sei Öl. "Währungsturbulenzen und eingetrübte Wachstumsaussichten wichtiger Schwellenländer bergen Ansteckungsgefahren, so dass viele Investoren vorerst wohl gegenüber einem breiten Engagement in Rohstoffen zurückhaltend bleiben", kommentiere Heinrich Peters von der Helaba. Der Bloomberg Commodity Index, der Anfang Juni noch bei über 90 Punkten gestanden habe, liege am Mittwochmorgen bei 83 Punkten.

Nur der Ölpreis sei zuletzt wieder kräftig gestiegen, vergangene Woche habe ein Barrel der Nordseesorte Brent kurzzeitig wieder mehr als 80 US-Dollar gekostet, aktuell seien es 79,04 US-Dollar. Auslöser für den Preisanstieg seien unter anderem die neuen Iran-Sanktionen der USA und Ausfälle durch die Krise in Venezuela. Noch im Sommer 2017 habe der Preis bei 45 US-Dollar gelegen.

"Die Marktteilnehmer fürchten weiter, dass die US-Sanktionen ab November den Iran vom Markt abschneiden und die Versorgungslage merklich verschlechtern werden", bemerke Daniel Briesemann von der Commerzbank. Auftrieb erhalte der Preis zusätzlich vom hohen spekulativen Kaufinteresse.

ETC-Anleger seien allerdings skeptischer: Öl-ETCs seien Wisdom Tree zufolge in den vergangenen vier Wochen verkauft worden, auch seit Jahresanfang würden ganz klar die Abflüsse dominieren.

Kaum bewegt habe sich unterdessen der Goldpreis. Die Feinunze koste aktuell 1.202 US-Dollar und damit in etwa so viel wie vor vier Wochen. Am Markt sei die große Frage, warum Gold nicht auf die Währungskrise in einigen Schwellenländern reagiert habe.

Die DekaBank rechne auch weiterhin nicht mit anziehenden Notierungen: "Mit leicht steigenden Zinsen werden die Opportunitätskosten der Goldhaltung höher, Gold wird also in Relation zu anderen Anlageklassen unattraktiver", stelle Dora Borbély fest. Zugleich sei aber die politische Unsicherheit weiterhin recht hoch. "Am Ende wird man am Goldmarkt all diese Faktoren gegeneinander abwägen. Aus unserer Sicht erscheint es am wahrscheinlichsten, dass der Goldpreis moderat fallen wird." Auf lange Sicht traue die Bank Gold nicht viel mehr als einen Inflationsausgleich zu.

"Gold dürfte den Boden weitgehend ausgelotet haben", meine hingegen Peters von der Helaba. Nicht nur die Marktpsychologie, sondern auch die fundamentalen Bedingungen sprächen für eine baldige Erholung des Goldpreises. Vor allem dürften sich die Währungen der Länder, die in den letzten Jahren viel Gold gekauft hätten, allmählich stabilisieren und die Nachfrage wieder steigen lassen. Für das erste Quartal 2019 prognostiziere die Bank 1.420 US-Dollar. Wisdom Tree melde für die vergangenen Wochen für Gold-ETCs (ISIN DE000A0S9GB0 / WKN A0S9GB, ISIN DE000A0N62G0 / WKN A0N62G, ISIN DE000A1MECS1 / WKN A1MECS) Zuflüsse, seit Jahresanfang seien allerdings deutliche Abflüsse zu verzeichnen. Der Goldbestand von Xetra-Gold liege derweil aktuell bei 179 Tonnen und damit nur knapp unter dem Rekordhoch.

Silber habe seinen Abwärtstrend fortgesetzt, der Preis liege aktuell bei 14,22 nach 14,74 US-Dollar vor vier Wochen. Das sei der tiefste Stand seit Anfang 2016. Auch Platin, wie Silber wichtig für die Industrie, schwächele. Mit aktuell 818 US-Dollar bewege sich der Preis weiter auf dem Niveau des Zehnjahrestiefs. Palladium habe sich hingegen von seinem Tief Mitte August bei 846 US-Dollar deutlich erholt und koste wieder 1.016 US-Dollar die Feinunze. Anleger hätten sich laut Wisdom Tree von Platin-ETCs (ISIN DE000A0N62D7 / WKN A0N62D) getrennt, hätten aber wieder auf Silber-Produkte (ISIN DE000A0N62F2 / WKN A0N62F) gesetzt.

Die Industriemetallpreise würden wegen des Handelsstreits unter Druck bleiben. Anfang dieser Woche habe US-Präsident Trump angekündigt, ab dem 24. September chinesische Einfuhren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar mit einem Zollsatz von 10 Prozent zu belegen. Sollte es keine Lösung in den kommenden Monaten geben, könnten die Zölle ab Januar sogar auf 25 Prozent steigen.

"Die chinesische Wirtschaft, Währungsturbulenzen, der Handelskonflikt und die Russland- Sanktionen lassen neben dem US-Dollar und der weiteren Entwicklung diverser anderer Schwellenländer die Aussichten von Industrierohstoffen wenig berechenbar erscheinen", meine Peters. So würden von einigen Marktteilnehmern erneute Preissprünge bei Aluminium erwartet, da die US-Sanktionen gegen russische Unternehmen und Personen beim weltweit größten Aluminiumproduzenten Rusal zu erheblichen Lieferausfällen führen könnten. "Andererseits gibt es größere Fragezeichen bei einem wichtigen Treiber der Nachfrage von Primärmetallen, der Pkw-Nachfrage in China." Mit Ausnahme von Zink hätten überdies zur Jahresmitte alle Industriemetalle erstmals wieder sichtbare Produktionsüberschüsse aufgewiesen.

Bei Industriemetallkorb-ETCs sei es zu den höchsten Abflüssen seit Februar dieses Jahres gekommen, wie Wisdom Tree melde. "Die Anleger scheinen nach wie vor einen Nachfrageeinbruch infolge des schwelenden Handelskrieges zu befürchten", bemerke Nitesh Shah. (Ausgabe vom 19.09.2018) (21.09.2018/fc/a/e)





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