Rohstoff-ETCs: Anleger vertrauen auf weiter steigende Öl-Notierungen


01.09.16 09:37
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Während Edelmetalle im August Verluste hinnehmen mussten, ging es mit Rohöl spürbar nach oben, so die Deutsche Börse AG.

Das Nordseeöl Brent und das amerikanische WTI hätten gut 6 US-Dollar pro Barrel gutgemacht, was einem Plus von jeweils über 15, bzw. 16 Prozent entspreche. Diese Entwicklung bewege Rohstoff-Indices nach oben, wie z.B. den mit 20 verschiedenen Rohstoffen sehr weit gefassten Bloomberg Commodity Index, der mit 0,7 Prozent auf 83,5 Punkte im Monatsvergleich immerhin leicht habe zulegen können.

Die niedrigeren Rohstoffpreise der vergangenen Woche führe Ole Hansen auf die Spannung vor dem Zusammenkommen der weltweiten Finanzelite in Jackson Hole zurück. Das Treffen sei von der Federal Reserve in der Vergangenheit häufig genutzt worden, um weitreichende Maßnahmen zu verkünden. Nachdem sich nun kein unmittelbarer zinspolitischer Strategiewechsel abzeichne, hätten Edelmetalle und Edelmetallaktien mit Kursgewinnen reagiert.

"Einige Rohstoffe befinden sich weiterhin in einer länger anhaltenden Bodenbildungsphase" beschreibe Dora Borbély von der DekaBank die allgemeine Marktsituation, wobei die Preisentwicklung von Rohstoffen langfristig vom Zusammenspiel zwischen physischem Angebot und Nachfrage bestimmt werde. Der starke Preisanstieg vor der Finanzkrise, ausgelöst unter anderem durch die hohe Rohstoffnachfrage in den Schwellenländern, habe damals eine Investitionswelle im Rohstoffsektor mit der Folge von Überkapazitäten in der Produktion losgetreten. Der seitdem herrschende Abwärtstrend neige sich nach Ansicht von Borbély nun dem Ende zu, da die Investitionstätigkeit stark abgebremst worden sei. "In Verbindung mit der anhaltenden Zunahme der globalen Rohstoffnachfrage dürften die Rohstoffpreise daher längerfristig wieder steigen."

Im Handel mit Rohstoffprodukten habe sich im zurückliegenden Monat unterdessen die Urlaubszeit bemerkbar gemacht. "Bei uns ist es insgesamt relativ ruhig", beschreibe Carsten Schröder. Mit rund 9 Prozent vom ETF-Handelsaufkommen bewege sich der Anteil von Exchange Traded Commodities im üblichen Rahmen, wobei Goldwerte auch im August die Liste der meist gehandelten Produkte angeführt hätten. Ein eindeutiger Trend sei für den Händler der Commerzbank nicht ersichtlich.

Über den Monat gesehen hätten sich die Goldpreis-Schwankungen in Schröders Büchern widerspiegelt. "Während Anfang August die Zuflüsse dominierten, standen Ende der ersten und im Verlauf der zweiten Augustwoche Gewinnmitnahmen im Vordergrund", bemerke der Händler der Commerzbank. "Mitte des Monats kam es wiederum zu vermehrten Käufen und gegen Ende des Monats trennten sich Anleger in Summe von ihren Goldengagements." Unterm Strich stehe ein ausgeglichenes Verhältnis von Käufen und Verkäufen bei Produkten wie dem hauseigenen Arca Gold Bugs ETF und dem Physical Gold Euro Hedged ETC der Deutschen Bank zu Buche.

"Obwohl der Goldpreis seinen im Juli erreichten Höchststand von 1.375 US-Dollar pro Feinunze nicht halten konnte, ist die Nachfrage nach Gold-ETCs weiterhin ungebrochen", berichte Marcel Sattler. Die Kunden der ICF Bank hätten Kurse um 1.305 US-Dollar für Zukäufe etwa beim ETFS Physical Gold ETC (SIN DE000A0N62G0/ WKN A0N62G), Gold Bullion Securities und Xetra Gold genutzt. Ein Goldpreis oberhalb von 1.329 US-Dollar würde die Goldbullen nach Auffassung Sattlers übrigens positiv stimmen. "Dann wäre der Weg frei für Goldkurse um 1.350 US-Dollar."

Für Hansen sei eine Goldverteuerung keineswegs ausgemachte Sache. Bei anhaltender Unterstützung der Fundamentaldaten in Form global niedriger Leitzinsen, hätten die Märkte zusehends nach Bestätigung gesucht, dass die diesjährige Goldrally weiter anhalte. Für die Saxo Bank werde es aber immer offensichtlicher, dass dem Edelmetallmarkt die Luft ausgehe.

Silber habe bei Investoren Sattler zufolge ebenfalls hoch im Kurs gestanden. Etwa verbuche der Händler überwiegende Käufe beim ETFS Physical Silver. Gleichzeitig hätten sich die Commerzbank-Kunden unterm Strich von Platin getrennt, wie Schröder melde. Unterm Strich aus den Depots rausgekommen sei beispielsweise der ETFS Physical Platinum.

Nach einer turbulenten Zeit sei in der vergangenen Woche bei Öl etwas mehr Ruhe eingekehrt. "Die Preise fielen infolge von Leerverkäufen zunächst um 20 Prozent, bevor sie im Anschluss umso schneller wieder um 24 Prozent gestiegen sind - dieses Mal aufgrund von noch aggressiveren Zukäufen", bemerke Hansen, der die anhaltende Überversorgung von Öl und die gewachsene Zahl an aktiven US-Bohrinseln als potenzielle Bremse für weitere nennenswerte Preissteigerungen werte. "All dies wird das Aufwärtspotenzial von Öl in den kommenden Monaten auf einen niedrigen Bereich über 50 US-Dollar pro Barrel begrenzen."

Sattler sehe die kurzfristige Überschreitung der 50 US-Dollar-Marke als Indiz dafür, dass sich Öl wieder im Bullenmarkt befinde. Kaufüberhänge bei WTI- (ISIN DE000A0KRJX4 / WKN A0KRJX, ISIN DE000A0KRKN3 / WKN A0KRKN) und Brent-ETCs (ISIN DE000A0KRKM5 / WKN A0KRKM, ISIN DE000A1N49P6 / WKN A1N49P) sprächen dafür, dass die Kunden der ICF Bank diese Ansicht teilen würden. Die höheren Ölpreis-Schwankungen hätten zudem zu mehr Nachfrage nach gehebelten Produkten sowohl auf Brent (ISIN DE000A2BGQZ2/ WKN, ISIN DE000A2BGQZ2 / WKN A2BGQZ, ISIN DE000A2BGQ05 / WKN A2BGQ0) als auch WTI (ISIN DE000A2BGQX7 / WKN A2BGQX, ISIN DE000A2BGQZ2 / WKN A2BGQZ) geführt. (Ausgabe vom 31.08.2016) (01.09.2016/fc/a/e)





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