Erweiterte Funktionen

Peru: Breit diversifiziert und mit Wachstumspotenzial


25.08.16 12:14
T. Rowe Price

Baltimore (www.fondscheck.de) - Perus droht die Abstufung von einem "Emerging" zum "Frontier Market" durch den Indexanbieter MSCI, so Oliver Bell, leitender Portfolio Manager und Vorsitzender des Advisory Committee für die Frontier Markets Equity Strategy bei T. Rowe Price.

Das lateinamerikanische Land stehe aktuell auf der "Watchlist", denn lediglich drei peruanische Aktien würden die Liquiditäts-Voraussetzungen für den MSCI Emerging Market-Index erfüllen - was gerade einmal der absoluten Mindestanforderung dieses Indices entspreche. Oliver Bell habe Peru besucht, und sich dabei mit verschiedenen Vertretern aus der Wirtschaft getroffen und sich einen persönlichen Einblick der wirtschaftlichen und politischen Lage verschafft.

Perus Wirtschaft sei aufgrund seiner einzigartigen geographischen Lage traditionell breit aufgestellt. "Auch wenn Peru, wie die meisten lateinamerikanischen Länder, abhängig von seinen Rohstoffexporten ist: Das Spektrum an Bodenschätzen ist breit, was zu einer höheren Balance in der Wirtschaft beiträgt", so Bell. Im Süden am pazifischen Ozean boome die Fischerei. Und das Landesinnere sei reich an Rohstoffen wie Kupfer, Gold, Silber, Eisenerz, Erdöl, Holz und Kohle. Da Kupfer Perus wichtigstes Exportgut sei, habe sich Bell mit großen Kupferproduzenten getroffen. "Wir haben uns mit einem der größten Kupferproduzenten des Landes zusammengesetzt und dabei erfahren, dass das Unternehmen einen beachtlichen Start in das Jahr 2016 hingelegt hat. Dabei spielte vor allem das Thema Expansion eine Rolle. Die Kapazität am unteren Ende der Kostenkurve wurde angezogen."

Bis vor kurzem habe Perus Einzelhandel als der am wenigsten ausgereifte in Lateinamerika gegolten. "Der Grad der Marktdurchdringung ist zwar noch immer gering, allerdings nimmt das Wachstum an Fahrt auf", erkläre Bell. "Der Sektor profitiert von Kapitalzuflüssen durch Auslandsinvestitionen - vor allem durch internationale Bekleidungshersteller." Vor dem Hintergrund von steigenden Löhnen und einer zunehmend konsumfreudigen Mittelschicht gehe der Experte davon aus, dass das Wachstum in diesem Sektor nachhaltig hoch bleiben dürfte.

Bell äußere seine Besorgnis über die bestehende Währungsinkongruenz im peruanischen Bankensektor. "Es gab einen starken Run auf den US-Dollar. Das Kredit-Einlagen-Verhältnis liegt in der Lokalwährung bei fast 150 Prozent", berichte Bell. Allerdings habe ihn zuletzt ein Treffen mit Repräsentanten der Peruanischen Zentralbank etwas beruhigt. Es hätte sich dabei um einen isolierten Einzelfall gehandelt, bei dem lokale Institutionen Sorge um eine Abwertung des Peruanischen Sol gehabt hätten. Die Zentralbank hätte dieses Risiko abgeschwächt, indem sie Banken kurzfristig Repo-Geschäfte angeboten habe, um diese Lücke zu schließen.

Abgesehen von diesem Risiko sei Perus Bankensektor aber einer der strukturell attraktivsten in der Region und, ähnlich wie der Einzelhandel, bislang kaum durchdrungen. "Wir sehen großes Potenzial für Wachstum am Kreditmarkt", so Bell. Das gelte insbesondere für Perus größten Finanzdienstleister, der mehr als ein Drittel des Marktes ausmache. Die breit diversifizierte Gruppe, zu der auch das zweitgrößte Versicherungsunternehmen des Landes zähle, operiere mit einer soliden Kapitalbasis. "Zudem konnte die Bank zuletzt erfolgreich ihr Kreditportfolio und ihre Einlagen steigern", so Bell. (25.08.2016/fc/a/m)