Janus Henderson Horizon Euro High Yield Bond Fund: Europäische Hochzinsanleihen - Die letzte Ertrags-Bastion


22.03.19 11:00
Janus Henderson Investors

London (www.fondscheck.de) - Tom Ross, Portfoliomanager im Bereich Unternehmensanleihen und Manager des Janus Henderson Horizon Euro High Yield Bond Fund, beleuchtet die Besonderheiten des europäischen Hochzinsmarktes, einer der letzten Ertrags-Bastionen in einer renditehungrigen Welt.

"Es ist besser, ein stetiges Einkommen zu haben, als faszinierend zu sein", habe schon im 19. Jahrhundert der gefeierte Schriftsteller und Dramatiker Oscar Wilde behauptet. Als Rentenanleger, die wir von unseren Aktien-Kollegen oft zu Unrecht als langweilig und konservativ abgestempelt werden, könnten wir den letzten Teil von Wildes Ausspruch übel nehmen, das mit dem zuverlässigen Einkommen unterstützen wir aber ohne Wenn und Aber, so die Experten von Janus Henderson Investors.

Für Anleger in Europa werde es immer schwieriger, attraktive laufende Erträge zu erzielen. Bitter enttäuscht worden seien ihre Erwartungen, die Europäische Zentralbank (EZB) würde der US-Notenbank folgen und die Zinsen erhöhen. Nicht zuletzt durch die US-Notenbank selbst, die mit ihrer Abkehr von weiteren Zinserhöhungen den Druck von anderen Zentralbanken genommen habe. Vor allem aber würden die Zentralbanken auf die allgemeine Konjunkturabschwächung reagieren und mit weiteren Straffungsmaßnahmen aus Angst zögern, das Wirtschaftswachstum im Keim zu ersticken.

Derzeit werde erwartet, dass der Leitzins in der Eurozone nahe Null bleiben werde, so wie er sich seit März 2016 bewege. Tatsächlich habe die EZB auf ihrer Sitzung im März 2019 verlauten lassen, dass die Zinsen bis zum Jahresende auf dem aktuellen Stand verharren würden. Mangels höheren Preisauftriebs oder eines Wachstumsschubs dürfte das die Renditen von Staatsanleihen auf niedrigem Niveau verankern. Für Anleger auf der Suche nach laufenden Erträgen würden damit nur die spärlichen Reste am sichersten Ende des Kreditspektrums bleiben: Deutsche Bundesanleihen mit drei Monaten Laufzeit hätten Anfang März Minusrenditen abgeworfen, und selbst zehnjährige Bunds hätten es mit weniger als 0,1 Prozent nur knapp ins Plus geschafft. Bei einer Inflationsrate in der Eurozone von 1,5 Prozent per Ende Februar müssten Anleger in Bundesanleihen Einbußen bei ihrer realen Kaufkraft als Gegenleistung für den Schutz ihres Kapitals durch den deutschen Staat hinnehmen.

Wer sich im Kreditspektrum hin zu Investment-Grade-Unternehmensanleihen bewege, könne bei diesen Schuldtiteln von Unternehmen mit Ratings von AAA+ bis BBB- höhere Erträge einstreichen. Der ICE BofAML Euro Corporate Index etwa liefere eine Rendite von 1,0 Prozent. Doch erst unterhalb des Investment-Grade-Spektrums bei Hochzinsanleihen werde die Rendite wirklich faszinierend: Der ICE BofAML European Currency High Yield Index locke Anleger mit ganzen 4,1 Prozent.

Diese Rendite beinhalte eine Prämie für das sehr reale Risiko, dass ein Unternehmen zahlungsunfähig werde und seinen Verpflichtungen zur Zahlung des Zinskupons (regelmäßige Zinszahlungen) oder Rückzahlung des Kapitals an die Anleger nicht nachkomme. Laut Ratingagentur Moody's hätten sich die Ausfälle bei Hochzinsanleihen in Europa in den letzten zwölf Monaten bis Februar 2019 mit nur 0,9 Prozent sehr in Grenzen gehalten. Den Erwartungen zufolge würden sie zwar nicht so niedrig bleiben, aber in den kommenden zwölf Monaten unter dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre von 2,7 Prozent verharren, da Refinanzierungen auch weiter verfügbar sein und die Zinsen niedrig bleiben dürften.

Unternehmen auf der Suche nach Kapital sollten in der Lage sein, Anleger zu finden, die ihnen ihre Anleihen bereitwillig abnähmen, solange sich die wirtschaftlichen Aussichten nicht zu sehr eintrüben würden. Angesichts der besonderen Risiken von Hochzinsanleihen lohne es sich, die Fundamentaldaten der Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen. Als Anlageklasse würden Hochzinsanleihen ein breites Spektrum von Unternehmensemittenten mit sehr unterschiedlicher Bonität beinhalten. Zwischen einer Hochzinsanleihe, die im Ratingspektrum B- eingestuft sei, und einer Anleihe der höchsten Qualität BB+ lägen Welten. So habe die Ratingagentur Standard & Poor's zwischen 1981 und 2017 Daten über europäische Hochzinsanleihen gesammelt, die zeigen würden, dass über einen Zeitraum von fünf Jahren 23,99 Prozent der Anleihen mit Rating B- ausgefallen seien. Bei denen mit Rating BB+ seien es nur 0,56 Prozent gewesen. Zweifellos gebe es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Erzielen einer höheren Rendite und der Übernahme eines höheren Ausfallrisikos.

Wichtiger aber als die Bonität sei vermutlich, in welche Richtung die Reise bei einem Unternehmen gehe. Mit einem Rating von BB-, aber sich verbessernden Fundamentaldaten sei ein Unternehmen möglicherweise attraktiver als eines, das mit BB+ geratet, dessen Ausblick aber wenig rosig sei. Dies gelte besonders in der heutigen Zeit, in der die Disruption das Geschäftsmodell eines Unternehmens über den Haufen werfen und seinen Cashflow untergraben könne. Jüngste Zahlungsausfälle seien symptomatisch für diese disruptiven Veränderungen: So sei beispielsweise das italienische Bauunternehmen Astaldi Opfer der schwachen Wirtschaft Italiens geworden, die seinen Schuldendienst enorm verteuert habe. Hinzugekommen seien die politischen Turbulenzen in der Türkei, die seinen Bemühungen, sich Kapital aus Anlagenverkäufen zu beschaffen, einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Beim britischen Regionalzeitungsverlag Johnston Press sei der Trend zur Nutzung von Online-Medien und zur digitalen Werbung die Gründe für massive Umsatzverluste gewesen.

In die andere Richtung würden sich Unternehmen entwickeln, die von verbesserten Rahmenbedingungen oder Selbsthilfemaßnahmen profitieren würden. Bei solchen Firmen dürften die Anleihekurse steigen oder zumindest stabil bleiben, da Anleger mehr Vertrauen in ihre Schuldendienstfähigkeit hätten. In Großbritannien arbeite die Supermarktkette Tesco daran, ihre Nettoverschuldung zu reduzieren, und habe Discountern den Kampf angesagt. Das habe die Ratingagentur Fitch bereits mit einem Investment-Grade-Rating belohnt. Schon bald könnte Tesco den vollen Investment-Grade-Status erhalten, wenn eine der beiden anderen Ratingagenturen nachziehe. Zu den Unternehmen, die 2018 in die Investment-Grade-Kategorie hochgestuft worden seien, würden der finnische Zellstoff- und Papierkonzern Stora Enso und das globale Stahlunternehmen ArcelorMittal mit Sitz in Luxemburg gehören.

Nun könnte man vermuten, dass die makroökonomischen Rahmenbedingungen bestimmen würden, wann Unternehmen auf Hochzinsniveau zurück- (gefallene Engel) und wann sie auf Investment-Grade-Niveau hochgestuft würden (aufgehende Sterne). Die Realität sei jedoch etwas vielschichtiger. Häufig dauere es eine ganze Weile, bis sich eine Konjunkturflaute bei den Unternehmen niederschlage. In den Jahren 2008/09 habe es nur wenige gefallene Engel gegeben. Anders als in den Jahren 2015/16, als der rasante Ölpreisverfall die Ratings einer ganzen Branche auf Talfahrt geschickt habe. Man sehe also: Hohe Renditen seien wirklich faszinierend. (Ausgabe vom 21.03.2019) (22.03.2019/fc/a/f)






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