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Investmentchancen in Zeiten des schnellen Wandels


23.08.16 11:05
T. Rowe Price

Baltimore (www.fondscheck.de) - Der Begriff Marktdisruption wird insbesondere mit Bezug zum Silicon Valley nahezu inflationär gebraucht, so David Eiswert, Portfoliomanager der Global Focused Growth Equity Strategie bei T. Rowe Price.

Dahinter verberge sich die Idee, dass sich Märkte im ständigen Wandel befinden würden, weil immer neue Technologien oder Geschäftsmodelle den Markt erobern und die alteingesessenen Unternehmen ständig neu herausfordern würden. Für Investoren habe dieser Begriff allerdings eine weitaus tiefere Bedeutung: Wenn man auf der richtigen Seite des Wandels stehe, könnten sich große Chancen eröffnen. Wer während Umbruchphasen allerdings auf die falsche Seite setze, könne schmerzhafte Fehlinvestments erleiden.

"Die sogenannte "kreative Zerstörung" ist wesentlicher Bestandteil des Wirtschaftswachstums", habe Eiswert gesagt. "Innovationen bringen immer Gewinner und Verlierer hervor. Es ist daher absolut essenziell, Kapital und andere Ressourcen schnell von schrumpfenden zu wachsenden Unternehmen zu verschieben. Nur so können möglichst viele Investoren von den Vorteilen der Innovation profitieren."

Noch nie sei es für Investoren deshalb wichtiger gewesen, auf der "kreativen" statt der "zerstörerischen" Seite dieses Prozesses zu sein, als in der heutigen Zeit des rasanten Wandels. Die Wellen der Disruption, die gegenwärtig durch die globale Wirtschaft und Gesellschaft schwappen würden, seien beispielslos in ihrem Ausmaß und ihrer Geschwindigkeit. Und sie würden verschiedenste Bereiche umfassen: Technologie, Pharma- und Gesundheitsbranche, Politik, Popkultur, Wirtschaftspolitik sowie Regulierung. Um erfolgreich zu investieren, müssten Anleger erkennen, wie diese Entwicklungen Gesellschaft und Wirtschaft verändern würden. Arbeitsplatzverlagerung, neue Energietechnologien und Verschiebungen in der Produktion seien nur einige Beispiele für wesentliche Veränderungen in der Industrie, die Investoren berücksichtigen sollten.

Je größer die Vorteile des Wandels für die Gewinner seien, desto stärker würden die negativen Auswirkungen auf die Verlierer ausfallen. "Proteste der Bevölkerung gegen den Wandel können kostspielige politische Konsequenzen nach sich ziehen - etwa die jüngste Entscheidung der britischen Wähler für den Austritt aus der Europäischen Union", so Eiswert. "Es ist wichtig zu verstehen, dass wirtschaftliche Disruption zu politischer Disruption führen kann und umgekehrt." Vor dem aktuellen wirtschaftlichen Hintergrund sei es daher nicht verwunderlich, dass geringes Wachstum und zunehmende Disruption Populismus und Protektionismus in vielen Ländern schüren würden. "Investoren sollten umfassend analysieren, wie Entscheidungsträger kurzfristig auf diese politischen Druckmittel reagieren könnten, und ebenso die langfristig anhaltenden Veränderungen erkennen."

Disruption verursache Eiswert zufolge eine "Winner-takes-all"-Dynamik: Häufig seien es nur eine Handvoll Vorreiter, die sich das größte Stück vom Kuchen gesichert hätten. Der Prozess könne sich aber auch explosionsartig ausbreiten, insbesondere dann, wenn Technologieinnovationen und steigende Verbrauchernachfrage den Weg für sogenannte "Blockbuster-Produkte" ebnen würden, die den bestehenden Markt schnell transformieren würden. Als klassisches Beispiel nenne David Eiswert die Zusammenführung von drahtlosen Breitbandverbindungen und Computer-Funktionalitäten, aus der letztlich die Smartphones hervorgegangen seien. "Das Gerät hat die mobile Kommunikation nahezu sofort revolutioniert - zunächst in der Arbeitswelt und dann für alle Konsumenten", erkläre der Portfoliomanager. "Die massenhafte Einführung von Smartphones hat es wiederum anderen Innovatoren ermöglicht, eine Vielzahl an Folgeprodukten und Services zu entwickeln - vom Tablet bis zur App."

Die grundlegende Lehre für Investoren sei laut Eiswert folgende: Disruption könne zu radikalem Wandel führen. Explosives Umsatz- und Gewinnwachstum, und zukünftiges Wachstumspotenzial könnten rasche Kursanstiege generieren. Bei einem Paradigmenwechsel hätten Märkte dazu tendiert, langfristige Ergebnisse zu unterschätzen. Stattdessen hätten sie sich zu stark auf kurzfristige Bewertungskennzahlen konzentriert. "In vielen Fällen verstehen Investoren einfach nicht, welche Bandbreite an Möglichkeiten Disruptionen schaffen können. Es bedarf harter Arbeit und genauer Kenntnisse, um künftige Entwicklungen korrekt einzuschätzen", so Eiswert.

Für Wachstums-Investoren würden die Tage der "One-Decision"-Investments nach Sicht des Experten der Vergangenheit angehören. Vielmehr müssten sie sich permanent komplexen Herausforderungen stellen. Dazu gehöre es, Faktoren zu identifizieren, die den Wandel beeinflussen würden, Gewinner und Verlierer zu ermitteln, zu erkennen, wann die Risiken gegenüber potenziellen Vorteilen überwögen. Um diese Strömungen erfolgreich durchschiffen zu können, erfordere es Überzeugung und Umsicht. Denn nur Investoren, die von ihren Investments wirklich überzeugt seien, seien bereit, auch größere Positionen einzugehen, um sich extreme Performanceergebnisse der Gewinner zu sichern. Umsicht, weil konzentrierte Positionen auch Risiken bedeuten würden, auf die mit sorgfältigem Risiko-Management reagiert werden müsse.

"Wir glauben, dass das hohe Veränderungstempo ein guter Grund ist, wirklich globale Investments einzugehen", so Eiswert. Einige Auslöser für Disruption, wie technologische Neuerungen, würden keinen Halt vor Grenzen machen, während sich andere eher national oder sogar nur regional ausgewirkt hätten. "Der Vergleich von Unternehmen über geografische Regionen hinaus, kann versteckte Chancen eröffnen und Zugang zu segmentierten Märkten wie beispielsweise dem chinesischen Internetsektor schaffen."

Wandel könne kreativ oder zerstörerisch sein, in der Marktwirtschaft sei sogar beides zugleich möglich. Unternehmen der gleichen Branche, sogar Abteilungen im selben Konzern, könnten sich auf unterschiedlichen Seiten des Wandels befinden - im guten wie im schlechten Sinne, meine Eiswert. Was intelligente Investments in diesem Umfeld von Story Stocks, also Aktien, deren Bewertung eher auf hypothetischen Gewinnaussichten oder Medienhype beruhe, unterscheide, sei ein tiefgehendes Research. "Ein fundamentales Verständnis für die einzelnen Unternehmen mit ihren Geschäftsmodellen, Strategiezielen, Management-Teams und einer Vielzahl anderer Faktoren ist hierfür unabdingbar. Nur so ist es möglich, den Wandel zu bewerten und die Werte auszuwählen, die von diesem Wandel profitieren dürften", habe Eiswert gesagt.
(23.08.2016/fc/a/m)