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Griechenland Zahlungsausfall unausweichlich


19.05.11 12:17
Investec Asset Management

London (aktiencheck.de AG) - Griechenland macht aller Orten Schlagzeilen, denn der Sisyphos-Kampf der Republik gegen ihre Schulden eskaliert, so Carmen Reinhart und Ken Rogoff von Investec Asset Management.

Neu sei an dieser Aufmerksamkeit allerdings nichts, wenn man nur einen ausreichend langen Zeitraum betrachte. Wie die Autoren Carmen Reinhart und Ken Rogoff festgestellt hätten, habe sich Griechenland seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1829 genau 50,6 Prozent der Zeit entweder in Zahlungsunfähigkeit befunden oder habe gerade umgeschuldet.

Und auch diesmal ist ein Zahlungsausfall nach dem Dafürhalten der Experten unausweichlich. Die Frage sei lediglich, welche Form er annehme - zur Auswahl stünden eine Verlängerung der Laufzeiten oder Forderungsverluste der Gläubiger (so genannte Haircuts). Der Grund hierfür sei simpel: laut dem jüngsten Finanzbericht des IWF müsste Griechenland einen zyklisch bereinigten Primärhaushalts-Überschuss von 6 Prozent erreichen, habe es lediglich seine Schulden bei 145 Prozent des BIP stabilisieren wollen. Anders gesagt brauche die Staatskasse über mehrere Jahre hinweg Einkünfte, die die Ausgaben übersteigen würden, nur um zu erreichen, dass die Schulden nicht noch weiter steigen würden. Die griechische Öffentlichkeit sei ganz offensichtlich nicht bereit, dies zu akzeptieren, wie der Generalstreik der vergangenen Woche gezeigt habe.

Mit ausstehenden Schulden in Höhe von EUR 262 Milliarden (Quelle: Bloomberg) und keinem Zugang zu Marktfinanzierungen sei das Land zur Begleichung fälliger Schulden von weiteren Darlehen des IWF, der EU und der EZB abhängig. Die europäischen Behörden würden jedoch befürchten, dass ein griechischer Zahlungsausfall wegen der Kernschmelze des griechischen Bankensektors eine Kettenreaktion auslösen könnte (wie wir sie nach der Lehman-Insolvenz erlebt hätten), und würden deshalb zögern, einer geordneten Umschuldung zuzustimmen.

Dieses Zögern sei vielleicht verständlich, fände damit doch der erste Zahlungsausfall eines entwickelten Landes seit Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Doch angesichts des riesigen Schuldenbergs und der taumelnden Wirtschaft scheine der Versuch wenig sinnvoll, das Problem mit zusätzlichen Darlehen und Sparmaßnahmen doch noch in den Griff zu bekommen. (19.05.2011/fc/a/m)