Franklin Diversified Fonds: Der Handelskonflikt und seine Folgen


07.06.19 13:30
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Matthias Hoppe, Portfolio Manager der Franklin Diversified Fonds - Franklin Diversified Conservative Fund, Franklin Diversified Balanced Fund, Franklin Diversified Dynamic Fund - von Franklin Templeton, kommentiert den sich verschärfenden Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die möglichen Auswirkungen.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China scheine sich zu einem Handelskrieg auszuweiten. Dabei gehe es um mehr als nur Zölle. Das zeige die letzte Stufe der Eskalation, die den bisherigen Höhepunkt des Konflikts markiere: Dem chinesischen Telekomkonzern Huawei werde der Zugang zu US-Technologie erschwert.

Bis Anfang Mai hätten sich Marktbeobachter, Analysten und Investoren noch recht zuversichtlich gegeben, dass die USA und China einen Kompromiss im Handelsstreit finden würden. Dieser Optimismus, eine zurückhaltende US-Notenbank, das chinesische Konjunkturprogramm und eine Stabilisierung der Konjunkturdaten in Europa hätten den Aktienmärkten Auftrieb gegeben. Der US-Aktienindex S&P 500 habe Anfang Mai ein Allzeithoch erreicht.

Dann habe US-Präsident Donald Trump bewiesen, dass er immer wieder für Überraschungen gut sei. Über sein Lieblingsmedium Twitter habe er am 5. Mai angekündigt, höhere Zölle auf noch mehr chinesische Importe zu erheben. Wenige Tage später dann die Meldung, dass US-Unternehmen für den Verkauf kritischer Technologien an Huawei zukünftig eine Lizenz von der US-Regierung erwerben müssten.

Ob die beiden Länder einen Kompromiss finden würden, scheine mittlerweile fraglich. Je länger sich der Streit hinziehe, desto gewichtiger sei der negative Einfluss auf das weltweite Wirtschaftswachstum. Niedrigeres Wachstum und hohe politische Unsicherheit hätten negative Auswirkungen auf die Kapitalmärkte.

Verständlicherweise sei die Stimmung an den Märkten bereits angespannt. Allerdings sei die Kurskorrektur seit Anfang Mai noch moderat im Vergleich zur Korrektur im Oktober 2018, als die Unsicherheit über den Konflikt einen ersten Höhepunkt erreicht habe. Einige Beobachter seien der Ansicht, dass die Eskalation im Handelskrieg Trumps bekanntem Verhandlungsmuster folge: Erst provozieren und dann einen Kompromis eingehen, der als großer "Deal" verkauft werde. Sicherlich, eine Lösung könnte noch gefunden werden. Die Wahrscheinlichkeit sei aber deutlich geringer geworden.

Aggressive Außenpolitik sei möglicherweise auch eine Strategie, um von stagnierenden innenpolitischen Erfolgen abzulenken und die Wählerbasis zu erweitern, zumal Trump 2020 wiedergewählt werden möchte. Aber sie berge das Risiko einer höheren politischen Unsicherheit und negativer wirtschaftlicher Auswirkungen. Die bereits schwache Konjunktur und die lang anhaltende Rally am Aktienmarkt seien in Gefahr. Schaut man auf die gefallenen Renditen von US-Staats- und Bundesanleihen, scheinen im Moment die Anleihenmärkte das Risiko höher einzuschätzen als die Aktienmärkte, wo die Kurse noch immer relativ stabil sind, so die Experten von Franklin Templeton.

Anleger stünden vor der Frage, welches die Folgen eines anhaltenden Konflikts sein könnten:

1. Inflation: Würden die Verbraucher oder die Exporteure die höheren Kosten durch höhere Zölle tragen? Sei der Handelskrieg letztlich inflationär oder deflationär? Mittlerweile gebe es Belege dafür, dass die gestiegenen US-Zölle, die die Importpreise erhöhen würden, vorwiegend den US-Verbraucher treffen würden, deren Realeinkommen sinken würden. Die höheren Kosten würden nicht von den chinesischen Exporteuren durch niedrigere Margen getragen und auch nur teilweise von den US-Produzenten absorbiert. Störungen in den globalen Lieferketten und Handelsbeschränkungen könnten ebenfalls den Preisdruck noch erhöhen. In China etwa könnten steigende Kosten für Agrarimporte den bereits steigenden Preisdruck bei Lebensmitteln verstärken. Doch die Inflationsraten seien praktisch überall noch niedrig - obwohl die Ölpreise in den letzten Monaten wieder gestiegen seien. Außerhalb der USA dürfte es somit kaum zu einem wesentlichen Anstieg der Inflationsraten führen, denn Zölle würden auch die Nachfrage beeinflussen.

2. Konjunktur: Der Konflikt könnte die schwächelnde Konjunktur endgültig abwürgen. Denn die globale Nachfrage sei schon vor der Eskalation fragil, der Welthandel schwach, die Kapitalgüterinvestitionen zurückhaltend gewesen. Eine weitere konjunkturelle Abschwächung in China könnte die dortige Regierung dazu veranlassen, das Konjunkturprogramm zur Stimulierung der Binnenwirtschaft nochmals auszuweiten. Ob dieses allerdings ausreichen könne, um auch andere Emerging Markets ähnlich wie in 2016 konjunkturell zu beflügeln, erscheine dieses Mal fraglich. Die Unsicherheit über das endgültige Ausmaß des Konflikts bremse Investitionen und Nachfrage - auch in solchen Ländern und Regionen, die von Trumps Protektionismus bisher noch relativ verschont worden seien, jederzeit aber härter getroffen werden könnten. Dazu zähle insbesondere Europa.

3. Unternehmensgewinne: Der Welthandel sei wichtig für die Unternehmensgewinne, insbesondere in den Schwellenländern, aber auch in Deutschland. Höhere Zölle würden längerfristig das Risiko bergen, dass bestehende Handelsnetze unwirtschaftlich würden. Sie würden auch die internationalen Lieferketten stören. Dadurch würden Teile des Kapitalstocks der Unternehmen obsolet. Die Eigenkapitalrendite sinke.

4. Finanzmärkte: Sollten sich die Aussichten für die Beziehungen zwischen den USA und China und damit den Welthandel nicht konkret verbessern, steige das Risiko an den Aktienmärkten. Interessanterweise könnten relativ gesehen US-Aktien zu den Gewinnern gehören. Denn historisch hätten sich amerikanische Aktien in Zeiten des globalen Chaos besser entwickelt als andere Märkte. Die Gründe für diese Ausnahmestellung seien unter anderem die schiere Größe der binnen- und verbraucherorientierten US-Volkswirtschaft und die Tiefe und Liquidität des US-Kapitalmarkts. Je länger aber die Unsicherheit über den vier genannten Faktoren schwebe, desto mehr werde die Volatilität an den Märkten steigen. (Ausgabe 89 vom Juni 2019) (07.06.2019/fc/a/f)






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