Fondshandel: Mutig nachgekauft


15.10.15 16:17
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Über einen Mangel an Themen konnten sich Händler in den vergangenen Wochen nicht beklagen: Spekulationen über den Zeitpunkt der US-Leitzinserhöhung, die Abschwächung in China und der VW-Skandal bewegten die Gemüter, wie Andreas Kehnen von der Baader Bank berichtet, so die Deutsche Börse AG.

"Die Unsicherheit ist groß, dem entsprechend waren die Schwankungen hoch." So sei der DAX von über 10.200 Punkten Mitte September bis auf 9.325 Zähler Ende des Monats gefallen, am Mittwochmorgen notiere der Index wieder bei 9.940 Punkten.

"Normale Privatkunden halten an ihren Positionen fest. Verkauft wird nicht, gekauft aber auch nicht", meine Frank Wöllnitz von der ICF Bank. Er melde daher ein insgesamt niedriges Handelsaufkommen. "Mit den Umsätzen, die wir im ersten Quartal gesehen haben, hat das nichts zu tun." Kehnen spreche hingegen von einem durchaus guten Geschäft. "In der Summe sind es erstaunlicherweise ganz eindeutig Käufe."

Sehr groß sei das Interesse an deutschen und europäischen Aktienfonds gewesen, wie Kehnen beobachtet habe - trotz der zum Teil heftigen Verluste an den Börsen. "Da gab es fast nur Käufe." Zugegriffen worden sei etwa im DWS Deutschland, im DWS Aktien Strategie Deutschland und im MainFirst Germany. Im Bereich der internationalen Aktienfonds hätten sich Anleger bei der Baader Bank für den DWS Vermögensbildungsfonds oder den DWS Top Dividende entschieden.

Rege gehandelt werde Kehnen zufolge im Übrigen auch ein Fonds von BlackRock, der aufgrund hoher Zuflüsse mittlerweile geschlossen sei: Der BSF European Opportunities Extension. "An der Börse finden sich immer mal wieder Abgeber, sodass der Fonds hier noch zu kaufen ist", erkläre der Händler.

Im Bereich der Mischfonds sei es ein alter Bekannter, der immer gut ankomme: Der Flossbach von Storch Multiple Opportunities. "Da gibt es fast nur Käufer", erkläre Wöllnitz. Im Kapital Plus hätten sich Zu- und Abflüsse hingegen die Waage gehalten. "Je nach dem, wie der DAX sich bewegt, wird mal verkauft, mal gekauft."

Nach dem Einbruch an Chinas Börsen in den Sommermonaten wollten Anleger von Aktien aus Shanghai, Shenzhen, Hongkong oder Asien generell offenbar nichts mehr wissen. "Es ist nicht viel los", bemerke Kehnen. "Wenn überhaupt etwas passiert, dann wird verkauft." Abflüsse habe es etwa aus dem DWS Top Asien, der auf Aktien aus dem Raum Asien/Pazifik inklusive Japan setze, und dem JPMorgan Greater China mit Titeln aus China, Hongkong und Taiwan gegeben.

Auch breit aufgestellte Schwellenländerfonds hätten Kehnen zufolge auf den Verkaufslisten gestanden, etwa der Aberdeen Global Emerging Markets Equity und der Magellan. "Die Umsätze waren hier gut, bei hoher Volatilität." Gemischt falle hingegen das Bild bei Fonds mit indischen Aktien aus, wie der Händler ergänze, hier seien beide Seiten gespielt worden: Zuflüsse habe es zum Beispiel im First State Indian Subcontinent gegeben, Abflüsse aus dem JPMorgan India.

Indien gelte eigentlich als das Land, das aus der Gruppe der BRIC-Länder - Brasilien, Russland, Indien und China - derzeit noch am besten dastehe. Nach deutlichen Kursgewinnen zu Jahresanfang hätten indische Aktien, gemessen am Sensex, 2015 aber ebenfalls verloren, auch wenn es hier seit Anfang September wieder nach oben gehe.

Bei der ICF Bank habe sich unterdessen viel um die Biotech-Branche gedreht, die nach einem Jahre anhaltenden Höhenflug zuletzt empfindliche Einbußen zu verkraften gehabt habe: Der Branchenindex NASDAQ Biotechnology, der sich zwischen Sommer 2010 und Sommer dieses Jahres mehr als vervierfacht habe, sei seit Juli um fast 24 Prozent eingebrochen.

Auslöser für den Kursrutsch seien Äußerungen von US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gewesen, die via Twitter dem Wucher bei Medikamenten den Kampf angesagt habe. Anleger hätten offenbar lieber die Reißleine gezogen und sich vom DWS Biotech, vom Candriam Equities Biotechnology und vom SEB Concept BioTech (ISIN LU0118405827 / WKN 542164) getrennt, wie Wöllnitz melde. "Nur in den kurzen Erholungsphasen haben wir Käufer gesehen."

Der umsatzstarke DWS Biotech komme auf Dreimonatssicht mittlerweile auf einen Verlust von 25,5 Prozent, auf Sicht von einem Jahr liege der Fonds aber immer noch mit 25 Prozent im Plus. Anleger, die vor drei Jahren eingestiegen seien, würden auf einen Gewinn von 118 Prozent kommen.

Etwas lebhafter zeige sich unterdessen der Handel mit Minenfonds. "Das hängt wohl auch mit der Unsicherheit an den Aktienmärkten zusammen, durch die Gold wieder ein bisschen attraktiver geworden ist", vermute Kehnen. Der Goldpreis notiere aktuell bei 1.173 US-Dollar je Feinunze, im August sei die Notierung auf 1.077 US-Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit fünfeinhalb Jahren.

Gekauft worden seien bei der Baader Bank der BGF World Gold und der Falcon Gold Equity. Besonders gut gefahren seien Anleger damit allerdings nicht: Der Erste komme auf Sicht von drei Monaten auf ein Minus von 5,1 Prozent, auf Zwölfmonatssicht auf minus 10,4 Prozent, der Zweite sogar auf minus 8,5 und minus 20,4 Prozent. (Ausgabe vom 14.10.2015) (15.10.2015/fc/a/f)





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