Fondshandel: Auf Schnäppchenjagd


30.06.16 09:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Auch im Fondshandel waren die vergangenen Tage extrem turbulent, mit dem überraschenden Brexit-Votum vergangenen Donnerstag wurden viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt, so die Deutsche Börse AG.

"Am Freitag flog uns alles um die Ohren", berichte Matthias Präger von der Baader Bank. Bei extrem hohem Handelsaufkommen sei so gut wie alles verkauft worden. "In den immer umsatzstarken Fonds wie dem DWS Top Dividende hat sich das besonders bemerkbar gemacht. Da wurden viele Stopp Loss-Limits gerissen."

Im Laufe des Tages hätten sich aber dann auch schon wieder Käufer gefunden, die die niedrigen Kurse hätten nutzen wollen. "Das zeigt sich auch heute wieder." US-Dollar-lastige Fonds seien durch den deutlichen Anstieg der US-Währung ohnehin gut angekommen. Ivo Orlemann von der ICF Bank spreche von einem "Ausnahmezustand" am Freitag. "Es war schon abenteuerlich." Doch auch er stelle fest, dass schnell wieder Käufer aufgetaucht seien. Gerade in Mischfonds seien viele bei den niedrigen Kursen wieder eingestiegen. "Insgesamt zeigten sich die Fondsanleger, auch im Vergleich zu anderen Krisen wie dem Fukushima-Unfall, doch besonnen."

Schon vor dem Brexit-Schock seien die Kursausschläge an der Börse groß gewesen: Ende Mai habe der DAX noch bei 10.263 Punkten gelegen, sei Mitte Juni dann aber auf 9.519 abgerutscht, um dann bis kurz vor dem Referendum wieder auf 10.257 hochzuklettern. Nach dem Votum am Freitag und am Montag sei dann der Einbruch bis auf 9.269 Zähler gefolgt - fast 1.000 Punkte innerhalb von nur zwei Tagen. Am Mittwochmittag notiere der Index wieder bei 9.628 Punkten.

Auch von den sonst so beliebten Mischfonds hätten sich Anleger am Freitag erst einmal verabschiedet, wie Orlemann melde. Hohe Umsätze hätten etwa der Kapital Plus, der Ethna Aktiv (ISIN LU0136412771 / WKN 764930) und der 21 Milliarden Euro schwere Carmignac Patrimoine verzeichnet. "Hier haben wir fast nur Abgaben gesehen." In zwei Nordea-Fonds, dem ausschüttenden Nordea 1 Stable Return AP-Euro und dem thesaurierenden Nordea 1 Stable Return BP-Euro, sei es überwiegend zu Abgaben, aber auch zu Zuflüssen gekommen.

Auch vom sonst so beliebten Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, ebenfalls ein Mischfonds, hätten sich Anleger am Freitag getrennt. "Jetzt wird wieder zugegriffen", stelle Orlemann fest. Anfang Mai sei der Fonds für Neukundengelder aufgrund der hohen Nachfrage geschlossen worden und sei vorerst nur noch über die Börse zu kaufen. Ein weiterer Anstieg des Fondsvolumens erschwere die konsequente Umsetzung von Investmentansatz und -philosophie, habe es in der Begründung geheißen. Aktuell verwalte der Fonds knapp 800 Millionen Euro.

Im Flossbach von Storch Multiple Opportunities, mit 6,4 Milliarden Euro Assets under Management eine noch größere Nummer unter den Mischfonds, hätten sich Käufe und Verkäufe Orlemann zufolge hingegen die Waage gehalten. Die Baader Bank berichte von Verkäufen im Arero Weltfonds.

Darüber hinaus sei bei der ICF Bank ein Fonds mit Unternehmensanleihen, der Deutsche Mittelstandsanleihen Fonds von Warburg Invest beliebt.

Aktienfonds seien in den vergangenen vier Wochen mal gekauft, mal verkauft worden. Auf Monatssicht hätten bei der Baader Bank die Käufe im DWS Deutschland und im UniDeutschland XS sowie in den beiden internationalen Aktienfonds UniFavorit Aktien (ISIN DE0008477076 / WKN 847707) und Siemens Global Growth überwogen. Abflüsse habe es hingegen aus dem JPM Europe Equity Plus, dem Metzler European Smaller Companies Class A (ISIN IE0002921975 / WKN 987735) und dem JO Hambro Capital Management Global Select gegeben.

Dass Gold zu den großen Gewinnern in diesem Jahr gehöre, mache sich auch bei den Minenfonds bemerkbar. Auf der Einkaufsliste hätten der BGF World Gold in US-Dollar (ISIN LU0055631609 / WKN 974119) und der BGF World Gold in Euro (ISIN LU0171305526 / WKN A0BMAL) gestanden, wie Präger melde. Die Kurse hätten sich seit Januar verdoppelt, in den vergangenen Jahren hätten Anleger aber herbe Verluste einstecken müssen. So habe der Kurs im September 2011, als der Goldpreis sein Allzeithoch erreicht habe, immer noch mehr als ein Drittel über der aktuellen Notierung gelegen.

Kein großes Thema sei zuletzt Asien gewesen, die Umsätze in Fonds mit asiatischen Aktien hätten sich in Grenzen gehalten. Präger berichte von Zuflüssen im Fidelity Greater China und Abflüssen aus dem Robeco Asia-Pacific Equities (ISIN nicht bekannt/ WKN 988159).

Ähnlich wie der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen seien auch diverse Immobilienfonds wegen zu großer Beliebtheit für Neuanlagen geschlossen worden und nun nur noch über die Börse zu erwerben, aktuellstes Bespiel sei der Grundbesitz Europa. Mitte Juni habe die Deutsche Bank angekündigt, die Anteilsausgabe - vorübergehend - einzustellen. Geschlossen worden sei bereits der sehr viel kleinere Grundbesitz Fokus Deutschland, ebenfalls von der Deutschen Bank, sowie die drei großen Immobilienfonds von Union Invest, der UniImmo Deutschland (ISIN DE0009805507 / WKN 980550), der UniImmo Europa (ISIN DE0009805515 / WKN 980551) und der UniImmo Global (ISIN DE0009805556 / WKN 980555).

"Wir sehen gute, wenn auch nicht extrem hohe Umsätze in den Immobilienfonds", stelle Orlemann fest. Stets viel los sei im HausInvest, dem großen Immobilienfonds der Commerzbank, der für Neuanlagen noch offen stehe. (Ausgabe vom 29.06.2016) (30.06.2016/fc/a/f)





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