Facebook Währung "Libra" - Hype vs. Realität


03.07.19 12:30
Janus Henderson Investors

London (www.fondscheck.de) - Alison Porter, Fondsmanagerin des Janus Henderson Horizon Global Technology Fund (ISIN LU0070992663 / WKN 989234, A2 Acc USD) sowie Portfoliomanagerin des im Vereinigten Königreichs ansässigen Global Technology Teams bei Janus Henderson Investors, diskutiert Facebooks' Vordringen in den digitalen Zahlungsverkehr über die Kryptowährung Libra und was das für andere Digitalwährungen sowie für Anleger bedeutet.

Facebook wolle mit einer eigenen Währung, Libra genannt, 2020 an den Start gehen, um, so das Unternehmen, eine einfache globale Währungs- und Finanzinfrastruktur für Milliarden Menschen zu schaffen. Als Kunden ins Visier nehme die Kunstwährung zunächst die 1,7 Milliarden Menschen weltweit, die nach Schätzungen des sozialen Netzwerks keinen Zugang zu Bankdienstleistungen hätten und vornehmlich in Schwellenländern leben würden. Die Vision ist die Schaffung eines "Internets des Geldes", in dem der Geldtransfer so einfach sei wie das Versenden einer Textnachricht.Libra solle die weltweit erste Kryptowährung für alle werden. Allerdings befinde sich das Projekt noch in einer sehr frühen Phase und seine Entwicklung bleibe ungewiss.

Trotz des Hypes um Bitcoin in den letzten Jahren und einer Reihe von Betrügereien rund um Digitalwährungen hätten weder der amerikanische Kongress, noch die Börsenaufsicht, die Notenbank und andere Aufsichtsbehörden des Landes bisher Instrumente zur Regulierung oder wirksamen Aufsicht über Kryptowährungen entwickelt, geschweige denn umgesetzt. Die Schaffung von Libra werde nach Einschätzung der Experten die ersten Schritte zur Einrichtung eines Rahmens beschleunigen, der den Einsatz der Blockchain-Technologie langfristig legitimieren und demokratisieren werde.

Die Libra Association (LA) sei ein unabhängiges, gemeinnütziges Unternehmen, das seinen Sitz in Genf haben solle. Offenbar sei die LA eine der am weitesten fortgeschrittenen Bemühungen eines Tech-Unternehmens, in den Kryptomarkt vorzudringen, indem sie eine Währung schaffe, die überall auf der Welt für Geldüberweisungen, E-Commerce und Zahlungen genutzt werden könne. Derzeit hätten sich 27 Partner in der LA zusammengeschlossen, die bis zum Start der Digitaldevise 2020 auf weitere Mitglieder hoffe.

Hauptziele der Libra Association seien:

- Bereitstellung eines Instruments, das den Zugang zu Finanzdienstleistungen und günstigem Kapital eröffne
- Schaffung eines günstigen, globalen, offenen und schnellen Geldtransfers
- Entwicklung einer zuverlässigen und dezentralen Steuerung

Zu den Partnern würden große Zahlungsabwickler wie MasterCard, Visa und PayPal, aber auch internationale E-Commerce-Anbieter wie unter anderem Spotify, eBay, Vodafone und Booking.com gehören. Jeder Partner verwalte jeweils einen Knoten im Libra-Netzwerk, wodurch eine breitere Steuerung und Verarbeitung ermöglicht werde. Diese Partnerschaften würden LA in die Lage versetzen zu arbeiten, Vertrauen aufzubauen, die Digital-Coins zu verbreiten und zu monetisieren (mit Werbung als potenzieller Einnahmequelle) und letztlich auch die Möglichkeit, die Währung auszugeben. Eine Mitgliedschaft im illustren Libra-Association-Club koste mindestens 10 Millionen Dollar, was helfen solle, die Währung zu decken und damit stabil zu machen. Wichtig sei, dass Facebook keine Stimmrechtskontrolle in der Libra Association habe, da die Partner gemeinsam die Kunstwährung entwickeln würden.

Calibra sei die digitale Brieftasche für Libra und werde über den FB Messenger, WhatsApp und eine eigene App verfügbar sein. Entscheidend sei, dass sie als unabhängige, regulierte Tochtergesellschaft gegründet worden sei, um eine Trennung von Sozial- und Finanzdaten zu gewährleisten.

Calibra solle Finanzdienstleistungen anbieten, über die die Menschen Zugang zum Libra-Netzwerk erhalten und sich daran beteiligen könnten, einschließlich der mit Bankdienstleistungen unterversorgten Teile der Gesellschaft. Durch die Bereitstellung von Diensten für eine breitere Internet-Gemeinde hoffe man, dass kleinere Unternehmen auf der Plattform mehr E-Commerce Umsätze generieren und die Werbeumsätze steigen würden. Andere Partner der Libra Association könnten ebenfalls eigene digitale Geldbörsen für Libra anbieten, sodass Facebook in diesen Apps möglicherweise für Werbung bezahlen müsse.

Seit ihrer Einführung sei die Erfolgsbilanz der Kryptowährungen durchwachsen, die extremen Schwankungen unterlägen. Ihr Netzwerkeffekt für die Nutzer habe sich bislang in Grenzen gehalten. Dank der Unterstützung von Facebook - höchstwahrscheinlich zuerst über dessen WhatsApp- und Messenger-Dienste - unterscheide sich Libra durch seine Netzwerkeffekte von Digitalwährungen wie Bitcoin und Ethereum in vier zentralen Bereichen:

- Größe: geeignet für Milliarden von Konten mit hohen Transaktionsvolumina, geringen Latenzzeiten (nahezu Echtzeit-Zugriff), effizientem großen Speichersystem (sofort auf der Facebook-Plattform skalierbar), was ein globales Publikum mit einer offenen Blockchain anspreche.

- Stabilität: Heftige Schwankungen seien einer der Hauptkritikpunkte an Bitcoin. Der Libra-Coin dürfte eine stabile Währung werden, abgesichert durch Vermögenswerte wie Bankeinlagen und erstklassige Staatsanleihen, die der Währung einen inneren Wert verleihen und von der unabhängigen Libra Association verwaltet würden. Stabilität sei unverzichtbar, damit die Währung langfristig für Transaktionen nutzbar sei.

- Sicherheit: für Kapital sowie finanzielle und persönliche Daten. Das Protokoll werde eine gemeinsame Infrastruktur für die Verarbeitung von Transaktionen, die Führung von Konten und die Gewährleistung der Interoperabilität zwischen den Service-Anbietern und Organisationen schaffen. Das senke die Eintrittsbarrieren sowie Wechselkosten und ermögliche die Erprobung neuartiger Geschäftsmodelle und Finanzanwendungen. Kein einzelner Partner der Libra Association verfüge über die Kontrolle über das gesamte System.

- Flexibilität: stärke das Ökosystem und fördere künftige Finanzinnovationen. Libra werde die neue Programmiersprache "Move" nutzen, mit der das Schreiben von Programmen einfacher und das Risiko von Fehlern und Sicherheitslücken gemindert werde. So solle das Klonen von Vermögenswerten verhindert werden.

Nach Erachten der Experten werde Libra auf kurze Sicht die Situation für Anlagen in Facebook nicht grundlegend ändern, da die Details zu Monetisierung, Regulierung und Wettbewerb bislang noch recht vage seien. So habe Facebook zum Beispiel WhatsApp schon 2014 übernommen, das ihm aber erst jetzt langsam Geld einbringe. Anleger sollten daher bedenken, dass Libra eine langfristige Anlagechance und kein wesentlicher kurzfristiger Gewinntreiber sei.

Die Experten würden jedoch glauben, dass die Gründung der Libra Association Facebook mit der Zeit in eine breitere Plattform umwandeln und verschiedene Werbemodelle für das Internet schaffen könne. Als ein Plattformunternehmen betrachtet zu werden, hätte letztlich eine höhere Bewertung von Facebook zur Folge.

Facebook werde mit seinem Libra-Coin zu mehr Stabilität und Standardisierung von Kryptowährungen beitragen, woraus sich spezifischere Anwendungen ergeben würden. Regulierung und Aufsicht sei notwendig, um Digitalwährungen auf die nächste Stufe zu heben. Werde Libra für Kryptowährungen das sein, was AOL für das Internet gewesen sei oder was IOs (Internet-Betriebssysteme) und Apps für Smartphones gewesen seien?

Für die Experten sei das Fehlen von Google und Amazon auf der Partnerliste von Libra bemerkenswert. Es bleibe abzuwarten, ob sich die beiden Internetgiganten an eigenen Digitaldevisen versuchen oder doch noch der Libra Association anschließen würden. (Ausgabe vom 25.06.2019) (03.07.2019/fc/a/f)






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