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Europäische Märkte im Fokus


08.02.07 11:51
Franklin Templeton

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Anfang Januar beschäftigten die europäischen Märkte die Anhebung bestimmter Mehrwertsteuersätze in Deutschland um 3% und die Erhöhung des britischen Leitzinses um einen Viertelpunkt auf 5,25% am 11. Januar, so die Experten von Franklin Templeton Investments.

Während der Zeitpunkt der Zinsanhebung im Vereinigten Königreich manchen überrascht habe, sei die Richtung der Zinsentwicklung zu erwarten gewesen. Angesichts steigender Inflationsraten, Vollbeschäftigung und hoher Kapazitätsauslastung sei der Bank of England die Zinsentscheidung leichter als anderen Zentralbanken gefallen. Im Dezember seien die Verbraucherpreise im Vereinigten Königreich von 2,7% im Vormonat auf 3% angestiegen und hätten damit den höchsten Wert erreicht, seit 1997 mit vergleichbaren Aufzeichnungen begonnen worden sei. Der Zielsatz der Bank of England von 2% sei damit klar überschritten.

Rechne man die Kosten für Wohnraum ein, liege die Teuerung sogar noch höher. Die Preise für Wohnimmobilien seien 2006 erneut kräftig gestiegen. Die Kreditvergabe der Banken habe das Ihre dazu getan. Die Folge sei ein Überangebot an Liquidität gewesen. Gerate die Inflation im Vereinigten Königreich um mehr als einen Prozentpunkt über oder unter den Zielwert, so sei der Chef der Bank of England verpflichtet, diese starke Abweichung zu erklären und darzulegen, was die Zentralbank unternehmen werde. Notenbankchef Mervyn King sei diese Peinlichkeit vorerst erspart geblieben, doch ein Anstieg der Kosten für Strom, Gas und Telefon könnte den Verbraucherpreisindex in den kommenden Monaten über 3% treiben, bis sich die gesunkenen Energiepreise niederschlagen würden.

Inflationsangst herrsche jedoch auch jenseits des Ärmelkanals, wo Europas größte Volkswirtschaft, Deutschland, an Fahrt gewinne. Das deutsche BIP sei nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes 2006 um 2,5% gestiegen. 2005 seien es 0,9% gewesen. Im vierten Quartal sei das Wachstum noch höher gewesen, da die Nachfrage im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung im ersten Quartal 2007 durch vorgezogene Ausgaben angekurbelt worden sei.

Die Inflationsrate werde durch die 3%-Erhöhung der Mehrwertsteuer mit Wirkung vom Januar in Deutschland kräftig anziehen. Generell werde jedoch damit gerechnet, dass die Wirtschaft einen größeren Einbruch der Verbraucherausgaben vermeiden könne, dem sinkende Ölpreise, Arbeitsmarktwachstum und zunehmende Investitionstätigkeit entgegenwirken würden. Auch die Haushaltslage Deutschlands habe sich verbessert. Das Haushaltsdefizit sei 2006 auf 2% des BIP gesunken und habe damit erstmals seit 2001 unter dem für die Europäische Währungsunion festgelegten Limit von 3% gelegen.

Die vergleichsweise günstige konjunkturelle Entwicklung in Deutschland und verschiedenen anderen Ländern der Eurozone sowie das rasche Kreditwachstum hätten den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, gezwungen, seine Entschlossenheit im Kampf gegen höhere Inflationsrisiken erneut zu bekräftigen. Dennoch werde die EZB behutsam vorgehen müssen, wenn sie nicht übers Ziel hinausschießen wolle - vor allem angesichts des Abwärtsdrucks auf den US-Dollar und der prekären Situation auf den Eigenheimmärkten des ganzen Kontinents.

Auf jeden Fall habe der Rückgang der Energiepreise die Inflationstrends kurzfristig gedämpft. Infolgedessen würden manche Beobachter vermuten, dass die EZB die Zinsen womöglich erst im März statt im Februar anheben werde. Seit dem Tief bei 2% im Dezember 2005 habe die EZB die Zinsen alle zwei Monate um einen Viertelprozentpunkt heraufgesetzt. Eine Zinserhöhung im März würde diesen Zyklus durchbrechen.

Angesichts der hohen Kreditaufnahme für alle möglichen Zwecke, von Buyouts bis zum Eigenheim, steige das Risiko einer dramatischen Entwicklung auf dem Kreditmarkt, die die europäische Wirtschaft destabilisieren könnte. Doch auch in anderer Hinsicht werde die währungspolitische Aufgabe der EZB eher schwieriger. Vor allem Deutschlands wiederentdeckte Stärke sei für die anderen Volkswirtschaften der Eurozone keine rückhaltlos positive Nachricht. Diese hätten in den vergangenen fünf Jahren von niedrigen Basiszinsen unverhältnismäßig profitiert und Überwachstum verzeichnet. Ein schwaches Glied in der Kette könnte Spanien sein, dessen Markt für Wohnimmobilien stark überhitzt sei und dessen industrielle Wettbewerbsfähigkeit sinke. (Ausgabe Januar 2007) (08.02.2007/fc/a/m)