ETFs abwarten und Tee trinken


17.08.10 09:14
Deutsche Börse AG

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Neben dem miesen Wetter verderben im Moment immer wieder enttäuschende Wirtschaftsdaten den Börsianern die Laune: Auch die jüngsten Zahlen aus den USA wie der gestern veröffentlichte Frühindikator Empire State Index sowie der NAHB Index, ein Barometer für den US-Immobilienmarkt, trugen nicht zur Stimmungsaufhellung bei, so die Deutsche Börse AG.

Vom Jahreshoch vor knapp zwei Wochen sei der DAX - trotz Verbesserung heute - weit entfernt, die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen sei gestern auf ein neues Allzeittief gefallen. Im ETF-Handel bleibe es derweil ruhig. "Die Anleger warten weiter ab", erkläre Marco Salaorno von der Société Générale. Lediglich die Commerzbank melde leicht steigende Volumina: "Die Urlaubszeit neigt sich dem Ende zu", meine Frank Mohr.

Bei den Bluechip-ETFs gebe es kein klares Bild. "Wir sehen Aktivitäten in beide Richtungen bei europäischen Indexfonds, von USA- und Japan-ETFs verabschieden sich Investoren hingegen eher", schildere Florian Perini von Flow Traders die Lage. Etwa hätten sich Anleger vom iShares MSCI North America, vom Lyxor MSCI USA, vom db x-trackers MSCI USA und vom iShares MSCI Japan getrennt.

Anderen Marktteilnehmern zufolge würden sich Käufe und Verkäufe bei Aktien-Indexfonds die Waage halten. "Es fehlt nach wie vor der klare Trend", urteile Salaorno. Einen regen Handel habe es ihm zufolge bei Short- und Hebelprodukten, etwa dem ETFX EURO STOXX Double Short oder dem Lyxor ETF Leveraged EURO STOXX 50 gegeben. Die Commerzbank spreche von einem klaren Verkäuferüberhang und melde Abflüsse beim ComStage DAX sowie beim ComStage EURO STOXX 50 (ISIN LU0378434079 / WKN ETF050). "Ein echter Stimmungsumschwung ist das allerdings nicht, das sind eher Gewinnmitnahmen. Bei nochmals nachgebenden Kursen wird es wahrscheinlich wieder Positionierungen geben", räume Mohr ein.

Mit der Schwäche am Aktienmarkt würden Rentenprodukte wieder in den Fokus rücken. "Vor allem Unternehmensanleihen- (ISIN DE0002511243 / WKN 251124) sowie Staatsanleihen-ETFs mit kurzer und mittlerer Laufzeit werden gerne genommen", registriere Perini. Auch andere Market Maker wie die Société Générale würden überwiegend Käufe im Fixed Income-Bereich melden, etwa hätten sich Anleger gerne Staatsanleihen- (ISIN FR0010037234 / WKN A0DKMB) sowie Unternehmensanleihen-Indexfonds aus Industrie- (ISIN DE000A0DPYY0 / WKN A0DPYY und ISIN FR0010737544 / WKN LYX0EE) sowie Schwellenländern ins Portfolio (ISIN DE000A0RFFT0 / WKN A0RFFT) gelegt.

Frank Mohr beobachte Interesse an Langläufern wie dem iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (ISIN DE0006289499 / WKN 628949) und dem iShares eb.rexx Jumbo Pfandbriefe. Die Geschmäcker würden aber offenbar auseinander gehen: Die Deutsche Bank berichte von Abgaben bei Lang- und Kurzläufern, Geldmarkt-ETFs seien hingegen "in kleinen Stücken" gesucht gewesen.

Wenn die Industrieländer wenig bieten würden, würden sich Anleger gerne den boomenden Schwellenländern zuwenden: Frank Mohr zufolge würden Investoren jedenfalls zum Teil Gelder aus dem Verkauf von Industrieländer-ETFs in die Emerging Markets umschichten. Laut Eric Wiegand seien Asien-ETFs zuletzt der Renner gewesen, etwa der db x-trackers MSCI Taiwan und der db x-trackers FTSE/XINHUA China. Marco Salaorno zufolge habe es Zuflüsse in Türkei-ETFs sowie Abflüsse aus Osteuropa- und Fernost-Fonds (ISIN DE000A0HGZS9 / WKN A0HGZS) gegeben.

Bei den Sektoren sei derzeit ein klares Muster nicht zu erkennen, allenfalls würden konjunktursensible Branchen unter dem Strich abgestoßen. Laut Commerzbank würden etwa Grundstoff-Indexfonds (ISIN LU0378435472 / WKN ETF063, ISIN LU0292100806 / WKN DBX1SB und ISIN DE0006344724 / WKN 634472) eher verkauft, während bei Health Care-ETFs (ISIN LU0378435985 / WKN ETF068, ISIN DE0006289374 / WKN 628937) zugegriffen werde. Auch laut Flow Traders würden Anleger bei Basic Resources aussteigen, ebenso bei Banken (ISIN DE0006289309 / WKN 628930) und Industrial Goods & Services.

Daneben würden alternative Investments wieder mehr Beachtung finden, wie die Deutsche Bank erkläre, etwa der db x-trackers LPX MM Private Equity (ISIN LU0322250712 / WKN DBX1AN). Der habe sich seit Ende April sehr volatil entwickelt und einen großen Teil seiner Jahresgewinne wieder abgegeben, auf Sicht von sechs Monaten verzeichne er aber immer noch ein Plus von 9,4 Prozent. (17.08.2010/fc/a/f)