ETF-Markt Obama und China belasten


26.01.10 16:56
Deutsche Börse AG

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die deutlich eingetrübte Stimmung an den Aktienbörsen weltweit lässt auch den ETF-Markt nicht unberührt, so die Deutsche Börse AG.

"Die zwei großen Themen sind im Moment Obama und China", erläutere Bernardus Roelofs von Flow Traders. Die Überlegungen des US-Präsidenten Obama, den Eigenhandel der Banken stärker zu reglementieren und die offenbar stark gestiegene Bereitschaft, einen Tribut für das Einspringen des Staates einzufordern, hätten für Abgaben bei ETFs aus der Finanzbranche gesorgt. Außerdem mache sich die Ankündigung Chinas, die Kreditversorgung zu drosseln, bemerkbar. Asien- und speziell China-Indexfonds würden nicht mehr ziehen.

Doch auch Bluechip-ETFs würden derzeit abgegeben. "Wir beobachten überwiegende Verkäufe bei ETFs, die amerikanische Indices abbilden, etwa den S&P 500 oder den MSCI USA, aber auch den MSCI World", berichte Roelofs. Bei DAX- und DJ EURO STOXX-Produkten hätten sich Investoren aber durchaus auch eingedeckt, hier sei das Bild gemischt.

"Die Verkäufe überwiegen zwar, von einem massiven Druck oder gar Panik kann man allerdings nicht sprechen", meine Frank Mohr von der Commerzbank. Für ihn seien die Abgaben "normale" Bewegungen bei einem Abwärtstrend an den Börsen. Einige längerfristig orientierte Investoren hätten sich sogar kauffreudig gezeigt, Mohr berichte von Zuflüssen bei dem erst vor kurzem aufgelegten Kanada-ETF der UBS und einem Japan-Produkt, ebenfalls von der Schweizer Bank.

Angesichts sinkender Aktienkurse hätten Short-Produkte zuletzt wieder mehr Anhänger gefunden. Unter den sechs umsatzstärksten Indexfonds an der Börse Frankfurt in den vergangenen fünf Handelstagen seien zwei Short-ETFs gewesen, konkret der db x-trackers ShortDAX (ISIN LU0292106241 / WKN DBX1DS) und der db x-trackers DJ EURO STOXX 50 Short. Daneben seien der iShares DAX, der iShares DJ EURO STOXX 50, der db x-trackers DAX und der iShares DJ EURO STOXX 50 besonders rege gehandelt worden.

Nach Ansicht von Bastian Ohta von UniCredit sei im Übrigen wieder eine neue Sorte von Händler im Markt unterwegs: die Day Trader. "Das liegt an der hohen Volatilität", erläutere er. Blue-Chip-ETFs, Long- und Short-Produkte, würden gekauft und verkauft. Bei den übrigen Anlegern überwögen die Abflüsse. "Besonders STOXX 50-ETFs werden abgestoßen", beobachte er.

Im Handel mit Sektoren-ETFs würden weiterhin vor allem die Verkäufe von Banken-Indexfonds auffallen, wie unter anderem Flow Traders bestätige. Abgegeben worden seien etwa der Lyxor ETF DJ STOXX 600 Banks und der iShares DJ EURO STOXX Banks.

"Die Abgaben sind aber nicht so hoch, wie man erwarten würde", meine Gregor Hamme von UniCredit. Auch der Deutschen Bank zufolge hätten sich die Abflüsse noch in Grenzen gehalten. Daneben sehe Hamme Verkäufe beim iShares DJ STOXX 600 Health Care sowie Käufe beim iShares DJ STOXX 600 Utilities und, wenn auch in geringerem Umfang, beim iShares DJ STOXX 600 Travel & Leisure. Bernardus Roelofs melde ebenfalls Abflüsse aus dem Health Care-ETF von iShares, beim Indexfonds auf Basic Resources habe es hingegen Zu- und Abflüsse gegeben.

Auch die Schwellenländer-ETFs würden vom Stimmungsumschwung an den Märkten nicht verschont bleiben: "Käufer gibt es kaum noch", berichte etwa Stefano Valenti von UniCredit. Schon vor Beginn der großen Verkaufswelle an den Börsen am vergangenen Freitag hätten sich Investoren tendenziell von Lateinamerika-Engagements getrennt: "Das waren wahrscheinlich Gewinnmitnahmen", erläutere Valenti und verweise auf Brasilien-Indexfonds, die zuletzt sehr gut gelaufen seien. Etwa habe der iShares MSCI Brazil auf Sicht von einem Jahr um 85 Prozent zugelegt, seit dem Tiefpunkt im Herbst 2008 habe sich der Wert mehr als verdoppelt.

Die marktbreiten Emerging Markets-ETFs seien bis zum Freitag noch gut weggegangen, mittlerweile seien die Anleger aber bezüglich aller Schwellenländer zurückhaltend, wie Valenti ergänze. Gerade bei China-Produkten gebe es quasi keine Interessenten mehr. Die Einschätzung von Flow Traders sei ähnlich: Gemeldet würden Zuflüsse bei den marktbreiten Produkten, etwa dem iShares MSCI Emerging Markets (ISIN DE000A0HGZT7 / WKN A0HGZT), während der iShares MSCI Far East ex Japan (ISIN DE000A0HGZS9 / WKN A0HGZS) abgestoßen werde.

Angesagt gewesen seien zuletzt aber wieder alternative Investments, also etwa ein Hedgefonds- und ein Rohstoff-ETF (ISIN LU0292106167 / WKN DBX1LC), wie Eric Wiegand von der Deutsche Bank wisse. Rentenprodukte hätten hingegen weiter ein Schattendasein gefristet. "Allenfalls Pfandbrief- und Emerging Markets-Anleihen-Fonds wurden nachgefragt", berichte Wiegand. Bei den Geldmarktfonds gehe der Abbauprozess indes weiter. (26.01.2010/fc/a/f)






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