ETF-Handel: Verschreckte Investoren - Raus aus Aktien


22.10.14 11:47
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Es war ein Wiedersehen, auf das wohl alle gern verzichtet hätten: Rezessionsängste, Aktienmärkte im freien Fall, neue Tiefs bei Bundrenditen und stark ansteigende Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen - in der vergangenen Woche hat sich die Krise zurückgemeldet, so die Deutsche Börse AG.

Bis auf 8.354,97 Punkte sei der DAX abgesackt. Mittlerweile habe sich das Börsenbarometer zwar etwas stabilisiert, am Dienstagmittag notiere der Index wieder bei 8.840 Zählern. Das seien aber immer noch fast 1.000 Punkte weniger als Mitte September.

Hohe Schwankungen gleich hohes Handelsaufkommen, diese Gleichung sei wieder einmal aufgegangen, im ETF-Handel sei jedenfalls richtig viel los gewesen. "Die Vorwoche war bei uns eine Rekordwoche, sowohl bei den Umsätzen als auch bei der Anzahl der Transaktionen", erkläre Sascha Cronemeyer von der Commerzbank. Diese Woche sei etwas Ruhe eingekehrt, das Handelsaufkommen sei aber immer noch hoch. "Aufgrund der Volatilität war bei den Indices eine Menge los", meine auch Sascha Flach von ICF Kursmakler. "Besonders die zweite Wochenhälfte war extrem aktiv", erkläre Marco Salaorno von der Société Générale. "Es war fast wieder so wie zum Höhepunkt der Eurokrise."

Aktien-ETFs seien zuhauf aus den Portfolios geflogen. "Spezialthemen spielten eigentlich keine Rolle, es waren die großen Indices, die abgestoßen wurden", berichte Salaorno. "Zum Ende der Woche kamen dann aber wieder Käufe rein."

Auch Jörg Sengfelder von Flow Traders melde Verkäufe im großen Stil - und zwar querbeet: "DAX, EURO STOXX 50, MSCI Europe, MSCI USA, S&P 500, MSCI World, MSCI Emerging Markets (ISIN IE00B0M63177 / WKN A0HGWC), alles wurde verkauft." Erste Positionierungen habe es dann wieder am Donnerstag und Freitag gegeben. "Der Druck hat Ende der Woche nachgelassen."

Die Commerzbank melde für die Gesamtwoche ein ausgeglichenes Bild bei Trackern (ISIN LU0378438732 / WKN ETF001, ISIN LU0378434079 / WKN ETF050, ISIN IE0031442068 / WKN 622391, ISIN IE00B0M62Q58 / WKN A0HGV0) wie DAX-, EURO STOXX 50-, S&P 500 oder MSCI World-ETFs. "Das erstaunt mich selber, gefühlt haben Abgaben dominiert", kommentiere Cronemeyer. Es habe aber viele Kurzfrist-Händler gegeben, die "rein und raus" gegangen seien. "Und auch so mancher langfristig orientierte Anleger hat die Kurse genutzt und zugekauft." Einen kleinen Käuferüberhang habe der Händler bei DAX-Indexfonds, einen minimalen Verkäuferüberhang bei MSCI-World-Trackern beobachtet.

Extrem umsatzstark hätten sich einmal mehr Banken-ETFs präsentiert. Cronemeyer zufolge hätten ganz klar Abflüsse dominiert. Der iShares EURO STOXX Banks habe in den vergangenen vier Wochen über 11 Prozent an Wert eingebüßt und sei auf Jahressicht ebenfalls ins Minus gerutscht. Hintergrund seien auch Sorgen um die Stresstestergebnisse der EZB, die am kommenden Sonntag veröffentlicht würden. Nur langfristig agierende Anleger könnten sich noch freuen: Wer vor zwei Jahren eingestiegen sei, sitze immer noch auf einem Plus von 23,7 Prozent.

In beide Richtungen gehandelt worden seien bei der Commerzbank an die Gesundheitsbranche gekoppelte ETFs, während bei Automobil-ETFs etwas mehr Käufe zu beobachten gewesen seien. "Banken und Minenbetreiber waren von der Verkaufswelle besonders betroffen", erkläre Salaorno. "Den Minenbetreibern machen die fallenden Rohstoffpreise zu schaffen."

Zuspruch gefunden habe kaum etwas. "Zugegriffen wurde nur beim iShares US Property Yield." Mit dem ETF, der in höherverzinsliche Aktien der US-Immobilienbranche investiere, hätten Anleger in diesem Jahr genau richtig gelegen: Seit Januar habe sich der Indexfonds um 28 Prozent verteuert.

Bei Anleihen-ETFs habe es Sengfelder zufolge einen klaren Trend hin zu Qualität gegeben: "Gesetzt wurde auf solide Unternehmensanleihen (ISIN DE0002511243 / WKN 251124, ISIN DE000A0RM454 / WKN A0RM45), länger laufende deutsche Staatsanleihen (ISIN DE0006289499 / WKN 628949) und vor allem weiterhin US-Treasuries."

US-Staatsanleihen würden sich seit einiger Zeit hoher Beliebtheit erfreuen, Gründe seien der steigende US-Dollar und die Aussicht auf baldige Zinserhöhungen in den USA. Auch Geldmarkt-Fonds seien bei Flow Traders gekauft worden - zum Parken des Geldes.

Laut Cronemeyer hätten Anleger auf deutsche Staatsanleihen mit Laufzeit von 2,5 bis 5,5 Jahren gesetzt und kurzlaufende europäische Staatsanleihen verkauft. (Ausgabe vom 21.10.2014) (22.10.2014/fc/a/e)





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