ETF-Handel: Auch Skeptiker unterwegs


04.03.15 10:12
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Während sich der Rekordlauf an den Börsen fortsetzt, werden einige Anleger offenbar kritischer, so die Deutsche Börse AG.

Das Bild, das die Händler zeichnen würden, sei gemischt.

"Wir sehen viele Käufe, allerdings nicht in DAX-Trackern", melde Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. Bei der Commerzbank hätten in der vergangenen Woche insgesamt die Abflüsse aus ETFs überwogen, wenn auch mit 51 Prozent nur leicht. "Das ist aber selten. Meist sind es Zuflüsse", bemerke Sascha Cronemeyer. Marco Salaorno von der Société Générale beobachte Gewinnmitnahmen in europäischen Titeln sowie Käufe und Verkäufe in US-Aktien.

Der DAX klettere derweil immer weiter in die Höhe: Der Index sei kurz nach Handelseröffnung am heutigen Dienstag auf ein neues Allzeithoch von 11.465 Punkten gestiegen, aktuell notiere er etwas darunter bei 11.400 Zählern. Auch an den US-Börsen sei die Rally mit dem Start in den März weiter gegangen, der Dow Jones habe am gestrigen Montag ein neues Rekordhoch erreicht, der marktbreite S&P 500 habe nur knapp darunter notiert.

Zum einen scheine der Grexit zumindest vorerst vom Tisch, zum anderen würden aus der Ukraine beruhigende Signale kommen: Deutschland, Frankreich, Russland und die Ukraine würden offenbar Fortschritte bei der Umsetzung des Minsker Abkommens sehen, der Abzug schwerer Waffen komme voran.

Zu tun hätten die Händler weiterhin gut. "Das Volumen ist und bleibt hoch", stelle Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank fest. "Die Umsätze sind weiterhin auf einem erfreulichen Niveau", urteile auch Marcel Sattler von der ICF Bank. "Größere Rücksetzer sind im Moment nicht in Sicht, das macht sich im Verhalten der Anleger bemerkbar." Cronemeyer melde eine "normale" Handelswoche mit guten Umsätzen. "35.000 Trades in der Woche sind bei uns mittlerweile Durchschnitt."

Die einen würden europäische, die anderen US-amerikanische Aktien favorisieren, wieder andere würden lieber ihre Gewinne glattstellen: Bei der Deutschen Bank würden sich Investoren primär auf Europa konzentrieren, etwa mit EURO STOXX- und STOXX Europe 600-ETFs. "Der DAX wird hingegen ignoriert." Das habe dem Händler zufolge mit der zuletzt sehr guten Entwicklung europäischer Bankaktien zu tun. "Die haben im EURO STOXX 50 ja ein höheres Gewicht." Französische und spanische Aktien seien ebenfalls gefragt, es werde aber auch auf US-Aktien gesetzt (ISIN IE00B6YX5C33 / WKN A1JULM). Ganz klar sei aber ein Trend: "Die Aktienquoten werden hochgefahren."

Die Commerzbank melde für die neue Woche überwiegend Käufe, vergangene Woche habe es aber auch einiges an Gewinnmitnahmen gegeben. "Das betraf vor allem den EURO STOXX 50", konkretisiere Cronemeyer. "Da gab es massive Abgaben." Einen kleinen Abgabeüberhang habe der Händler auch bei DAX-ETFs beobachtet, während im MSCI Europe, S&P 500 und MSCI Canada die Zuflüsse dominiert hätten. Sattler zufolge werde überwiegend gekauft, meist DAX- (ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01; ISIN DE000ETFL060 / WKN ETFL06; ISIN DE000A0X8994 / WKN A0X899) oder EURO STOXX 50-Tracker.

Marco Salaorno von der Société Générale melde ein ausgeglichenes Bild für US-Aktien: "Da fehlt die klare Linie, die Umsätze sind aber hoch, sowohl in S&P 500- als auch in den mittelgroße Werte abbildenden Russell 2000-Indexfonds." Bei europäischen Titeln überwögen hingegen die Gewinnmitnahmen. "Das betrifft auch den MDAX-Tracker." Wie der DAX befinde sich auch der Index für mittelgroße Werte im Höhenflug, gestern sei mit 20.278 Punkten ebenfalls ein Rekord markiert worden.

Zu den Top-Performern der vergangenen Wochen würden im Handel mit Branchen-ETFs ganz klar die Banken gehören. Beim umsatzstarken iShares EURO STOXX Banks, der sich 2014 extrem volatil gezeigt und unter dem Strich verloren habe, sei es zuletzt nämlich steil nach oben gegangen, auf Sicht von einem Monat komme der Indexfonds auf ein Plus von fast 10 Prozent. Kleefeld zufolge würden Anleger weiter auf steigende Kurse setzen und sich positionieren. "Wir sehen große Käufe." Die Commerzbank spreche hingegen von Abgaben. Daneben hätten Anleger noch Immobilien-Indexfonds abgestoßen und sich in Versorger-ETFs positioniert.

Die Société Générale verzeichne Zuflüsse in Immobilien-ETFs. Hohe Umsätze gebe es darüber hinaus in Privat Equity-ETFs wie den Lyxor Privex. "Das geht in beide Richtungen." Der Privex bilde Private Equity-Gesellschaften aus der ganzen Welt ab, der ETF habe im laufenden Jahr bereits um knapp 15 Prozent zugelegt. In den vergangenen drei Jahren habe die Rendite im Durchschnitt bei 20,5 Prozent im Jahr gelegen.

Auch bei Fixed Income-Produkten fehle die eindeutige Richtung. In den Orderbüchern der Deutschen Bank stünden internationale und europäische Unternehmensanleihen auf den Einkaufslisten (ISIN DE000A1W2KG9 / WKN A1W2KG), auf den Verkaufslisten würden sich kurzlaufende deutsche Staatsanleihen (ISIN LU0468897110 / WKN DBX0C9) finden.

"Was mündelsicher ist, wird abgestoßen", stelle Kleefeld fest. Bei der Société Générale würden sich Anleger allerdings von Unternehmensanleihen trennen, etwa dem Lyxor Euro Corporate Bond und dem iShares Euro Corporate Bond Large Cap (ISIN DE0002511243 / WKN 251124), und statt dessen Pfandbrief-ETFs wie den iShares Euro Covered Bond kaufen.

Darüber hinaus sei der Höhenflug des Euro-Bund-Future zum Anlass genommen worden, auf wieder fallende Kurse zu spekulieren, wie Cronemeyer melde. Gekauft worden sei der ComStage Commerzbank Bund-Future Short. Der als Indikator für die langfristigen Zinserwartungen geltende Index sei vergangene Woche erstmals in seiner Geschichte auf 160 Punkte geklettert. (Ausgabe vom 03.03.2015) (04.03.2015/fc/a/e)





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