ETF-Handel: Rosinenpickerei


06.05.14 16:47
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Mit dem Zickzackkurs der europäischen Aktienpreise präsentiert sich auch der ETF-Handel uneinheitlich, so die Deutsche Börse AG.

Auffällig sei das anhaltend hohe Interesse an Sektor-ETFs, wie Andreas Bartels von der Commerzbank und Gregor Hamme von der Unicredit Group feststellen würden. "Wegen der Seitwärtsbewegung im DAX oder EURO STOXX 50 wird auf Branchen gesetzt, von denen man sich eine überdurchschnittliche Entwicklung erhofft", meine Hamme.

Bedingt durch den Maifeiertag, den viele für ein verlängertes Wochenende genutzt hätten, sei die vergangene Woche eher ruhig ausgefallen, der Feiertag am gestrigen Montag in Großbritannien habe ein Übriges getan.

Geschürt werde das Interesse an Branchen-ETFs auch durch viele Quartalsberichte: Allein in Deutschland lege in dieser Woche die Hälfte aller DAX-Konzerne die Bücher offen. Dazu würden diverse Übernahmeversuche kommen: General Electric und Siemens würden um Alstom buhlen, Pfizer wolle AstraZeneca kaufen.

Bartels zufolge würden ETFs (ISIN DE000A0Q4R36 / WKN A0Q4R3; ISIN LU0292101796 / WKN DBX1SG), die die Entwicklung Preisentwicklung der Gesundheits- sowie der Öl- und Gasbranche wiedergeben würden, gekauft, Aktien der Reise- und Freizeit- sowie Autobranche (ISIN LU0378437254 / WKN ETF078; ISIN FR0010344630 / WKN LYX0AN) dagegen abgestoßen.

Hamme melde Zuspruch für Telekommunikations-Indexfonds, konkret für den iShares EURO STOXX Telecommunications. "Viel Musik" beobachte er auch in der Öl- und Gasbranche, anders als bei Bartels würden in seinen Orderbüchern allerdings "beide Seiten gespielt". Öl- und Gas-Aktien seien sehr gut gelaufen, der iShares STOXX Europe 600 Oil & Gas komme für die vergangenen drei Monate immerhin auf ein Plus von 13 Prozent. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangene Woche stehe der Indexfonds auf dem fünften Platz - ungewöhnlich weit oben für einen Branchen-ETF.

Unterdessen würden Anleger die neuen Rekordstände der US-Indices für Gewinnmitnahmen nutzen, wie Jörg Sengfelder von Flow Traders berichte. Betroffen sei etwa der iShares S&P 500. Gemischter falle das Bild bei europäischen Aktien aus: Während bei Anteilen an STOXX Europe 600 und MSCI Europe-ETFs Zuflüsse dominiert hätten, seien es im EURO STOXX 50-ETF Abflüsse. In den Portfolios würden Sengfelder zufolge auch wieder japanische Aktien - sowohl mit als auch ohne Währungsabsicherung (ISIN LU0274209740 / WKN DBX1MJ) landen.

Bei der Commerzbank würden sich Anleger auf DAX-ETFs konzentrieren. Vergleichsweise viel Umsatz gebe es auch in Minimum Variance-Produkten, etwa im Ossiam US Minimum Variance und im Ossiam Emerging Markets Minimum Variance. "Diese Produkte werden strategisch genutzt, jetzt stehen sie eher auf den Abgabelisten." Bei Minimum Variance-ETFs würden Aktien zusammengestellt, die in puncto Rendite, Volatilität und Korrelation das geringste Risiko tragen würden.

Ein echter Trend sei im Handel mit Anleihen-ETFs nach wie vor nicht auszumachen. Zugegriffen werde bei Hochverzinslichem, aber auch bei Staatsanleihen, die wenig abwerfen würden. Ausgeglichen sei Bartels zufolge das Geschäft mit europäischen Unternehmensanleihen (ISIN LU0478205379 / WKN DBX0EY), deutsche Staatsanleihen kürzerer Laufzeit würden gekauft und solche mittlerer (ISIN DE000ETFL193 / WKN ETFL19) und längerer verkauft.

"Anhänger finden vor allem Unternehmensanleihen", bemerke Ciriaco Carrozino von der Unicredit Group. "Mit den Volumina im vergangenen Jahr ist das aber nicht zu vergleichen." Sengfelder berichte von Käufen in europäischen Staatsanleihen mit mittlerer (ISIN LU0290357176 / WKN DBX0AF) und langer Laufzeit (ISIN LU0290357507 / WKN DBX0AJ) sowie hochverzinslichen Corporate Bonds und Verkäufen in kurzlaufenden Staatsanleihen (ISIN DE000A0J21A7 / WKN A0J21A) sowie Pfandbriefen.

Gewinnmitnahmen gebe es bei Flow Traders zudem in den zuletzt so beliebten italienischen und spanischen Staatsanleihen (ISIN DE000A1J0BF1 / WKN A1J0BF; ISIN DE000A1J0BH7 / WKN A1J0BH). Die würden sich seit dem vergangenen Sommer im Aufwind befinden, etwa komme der iShares Italy Government Bond auf Sicht von sechs Monaten mittlerweile auf ein Plus von 6,2 Prozent, der iShares Spain Government auf 6,4 Prozent - für Renten-ETFs sehr hohe Renditen. (06.05.2014/fc/a/e)





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