ETF-Handel: Nervosität macht sich breit


15.10.14 16:32
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Nervosität an den internationalen Börsen macht auch vor dem ETF-Handel nicht Halt, so die Deutsche Börse AG.

"Aktien-ETFs werden durch die Bank verkauft", melde Jörg Sengfelder. Aufgrund der hohen Volatilität der Indices gebe es zwar immer Mal wieder taktische Allokationen als kurzfristige Gegenreaktion. "Mit strategischen Entscheidungen haben diese Käufe allerdings wenig zu tun", urteile der Händler von Flow Traders. Unter Anlegern herrsche allgemeine Verunsicherung. Schwankungsbedingt hätten sich die ETF-Umsätze auf einem hohen Niveau bewegt.

Auch Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank habe überdurchschnittlich viel zu tun. "Anleger verabschieden sich von europäischen Werten und Schwellenländeraktien", berichte der ETF-Händler der Deutschen Bank.

Von rekordverdächtigen 25.000 Trades auf Wochensicht berichte Andreas Bartels. Davon würden dem Commerzbank-Händler zufolge rund 85 Prozent auf Aktieninvestments entfallen. "Über alle Anlageklassen hinweg hatten wir mit 60 Prozent allerdings einen leichten Kaufüberhang."

DAX-ETFs hätten bei der Commerzbank mit Abstand die Spitzenposition in der Umsatzstatistik belegt. "Wobei wir hier deutlich mehr Käufe als Verkäufe hatten." Investoren hätten den DAX-Einbruch von fast 400 Punkten in der vergangenen Woche durchaus genutzt, um neue Positionen einzugehen. Kaum überrascht angesichts der derzeitigen Schwankungsintensität hätte die Nachfrage nach ShortDAX- und LevDAX-Produkten.

Kunden von Flow Traders und der Deutschen Bank hätten sich hingegen in Summe von ihren DAX-Investments (ISIN DE0005933931 / WKN 593393, ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA, ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01, ISIN LU0378438732 / WKN ETF001) verabschiedet. Ebenso kämen EURO STOXX 50- (ISIN LU0380865021 / WKN DBX1ET, ISIN FR0007054358 / WKN 798328, ISIN DE0005933956 / WKN 593395, ISIN DE000ETFL029 / WKN ETFL02), MSCI Europe- (ISIN DE000A0M5X28 / WKN A0M5X2, ISIN DE000ETFL284 / WKN ETFL28, ISIN LU0274209237 / WKN DBX1ME) und STOXX Europe 600-Tracker per Saldo aus den Depots raus. Auf den Verkaufslisten führe Sengfelder zudem Indexfonds (ISIN LU0274212538 / WKN DBX1MB), die an den FTSE MIB, den italienischen Leitindex, gekoppelt seien.

Anders als in der Vorwoche seien US-Werte bei Flow Traders und der Commerzbank ebenfalls von Abgaben geprägt. "ETFs sämtlicher Anbieter, die sich auf die großen Indices beziehen, wurden abgestoßen", bemerke Sengfelder. Neben ETFs mit Aktien des S&P 500 (ISIN IE0031442068 / WKN 622391, ISIN IE00B5BMR087 / WKN A0YEDG), des MSCI USA und des Russel 2000 seien Nebenwerte im S&P SmallCap 600 betroffen. Tracker marktbreiter Indices wie dem MSCI World würden ebenfalls abgestoßen.

Kleefelds Kunden hätten sich zumeist mit US-Dollar basierten Investitionen eingedeckt. Dazu hätten S&P 500- als auch MSCI USA-Tracker gehört.

ETFs, die Schwellenländermärkte abbilden würden, stünden Kleefeld, Bartels und Sengfelder zufolge überwiegend auf den Verkaufslisten. Mittelabflüsse gebe es bei Indexfonds auf den MSCI Emerging Markets (ISIN LU0292107645 / WKN DBX1EM, ISIN LU0635178014 / WKN ETF127, ISIN DE000A0HGZT7 / WKN A0HGZT, ISIN DE000A1JM6G3 / WKN A1JM6G, ISIN FR0010429068 / WKN LYX0BX) und MSCI Pacific ex Japan (ISIN DE000A0YBR12 / WKN A0YBR1).

Anders als bei der Deutschen Bank würden brasilianische Werte wie der Lyxor ETF Brazil, der die Entwicklungen des Bovespa abbilde, zwar rege gehandelt aber überwiegend verkauft. Denn Kleefeld beschreibe die rege Nachfrage nach Indexfonds mit brasilianischen Unternehmen etwa im MSCI Brazil (ISIN LU0292109344 / WKN DBX1MR, ISIN DE000A0HG2M1 / WKN A0HG2M) als auffallend. Den Grund sehe der Händler in den aktuellen Entwicklungen hinsichtlich der Präsidentschaftswahlen. Für die Stichwahl am 26. Oktober habe der als wirtschaftlich kompetent geltende Aécio Neves mit Unterstützung der unterlegenen aber populären Marina Silva in Umfragen mittlerweile die Nase vorn.

Der Finanzsektor stehe bei den Branchen einmal mehr im Fokus. Bei der Commerzbank würden Banken etwa im EURO STOXX Banks und MSCI Europe Banks laut Bartels Zweidrittel der Umsätze mit Sektor-ETFs ausmachen. "Mit 60 zu 40 Prozent stehen dabei die Käufe im Vordergrund."

Ein ähnliches Verhältnis errechne der Händler für Indexfonds, die die Grundstoffe-Industrie abbilden würden. Anleger hätten sich beispielsweise für den Tracker des STOXX Europe 600 Basic Resources (ISIN LU0292100806 / WKN DBX1SB, ISIN LU0378435472 / WKN ETF063) interessiert.

Als gemischt ohne Tendenz beschreibe Sengfelder die Bewegungen im Markt für Renten-ETFs. Zu den meist gehandelten Werten hätten bei Flow Traders US-Treasuries mit Laufzeiten zwischen sieben und zehn Jahren (ISIN DE000A0LGQB6 / WKN A0LGQB) und in US-Dollar gehandelte kurzlaufende Unternehmensanleihen (ISIN DE000A1W4WE5 / WKN A1W4WE) gehört. "Beide wurden überwiegend gekauft." Gut ankämen zudem Euroländer-Bonds mit Laufzeiten zwischen sieben und zehn Jahren (ISIN LU0290357259 / WKN DBX0AG) und ein bis drei Jahren (ISIN LU0925589839 / WKN DBX0K7).

"Selbst europäische Staatsanleihen mit langen Laufzeiten sind wieder gefragt", meldet Bartels. Mit dabei seien der iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (WKN 628949) und der iShares eb.rexx Government Germany 10,5+ (WKN A0D8Q3).

Corporate Bonds rangierten laut Kleefeld bei der deutschen Bank auf den vorderen Plätzen in der Umsatzbestenliste. Zuflüsse gebe es etwa beim iShares Euro Corporate Bond-ETFS (WKN A0RM45) und beim iShares Core Euro Corporate Bonds (WKN A0RGEP).

Hingegen trennen sich Flow Traders-Kunden von besonders renditeträchtigen Unternehmensanleihen beispielsweise im iShares High Yield Corporate Bonds (WKN A1J0ZA) und iShares Global High Yield Corporate Bond (WKN A1KB2A). (Ausgabe vom 14.10.2014) (15.10.2014/fc/a/e)





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