ETF-Handel: Jetzt auch Skepsis gegenüber US-Aktien


14.11.18 09:33
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Nervosität an den Märkten sorgt weiter für hohe Umsätze im ETF-Handel, die Richtung ist jetzt aber nicht mehr so eindeutig, so die Deutsche Börse AG.

Oliver Kilian von der UniCredit Group berichte von einer sehr starken Verkaufsbewegung. Besonders US-Aktien seien abgestoßen worden, aber auch europäische. Dagegen habe die Commerzbank hohe Zuflüsse in US-Werten verzeichnet. "Europäische Aktien waren ebenfalls gefragt", melde Andreas Bartels.

Nach einer kleinen Erholung in den vergangenen drei Wochen habe der DAX in dieser Woche wieder den Rückwärtsgang eingelegt und sei am 12. November auf 11.325 Punkte abgerutscht. Auch an der Wall Street sei es am Montag kräftig nach unten gegangen. Am Dienstagmorgen habe sich der DAX mit 11.398 Zählern wieder etwas fester gezeigt.

Die Händler hätten weiter viel zu tun: "Mit rund 42.000 ETF-Transaktionen war die vergangene Woche ruhiger als die Vorwoche, aber immer noch gut", erkläre Bartels. Die neue Woche sei hingegen ruhiger gestartet - trotz der Nervosität um Italien. An diesem Dienstag habe die Frist für die Überarbeitung des von der EU-Kommission zurückgewiesenen Haushaltsentwurfs geendet. Ein Einlenken der Italiener werde am Markt nicht erwartet.

Wegen den Zwischenwahlen habe sich der Blick der Anleger gen USA gerichtet. In diesem Jahr seien sie mit US-Investments bislang gut gefahren: Der Dow Jones habe zuletzt zwar auch abgeben müssen, liege aber nur 5 Prozent unter seinem Allzeithoch von Anfang Oktober und komme seit Jahresanfang - anders als der DAX und viele andere Indices - immer noch auf ein deutliches Plus. Beim breiter angelegten S&P 500 sehe es ähnlich aus.

Kilian zufolge hätten US-amerikanische Aktien auf den Abgabelisten gestanden, etwa mit MSCI USA- (ISIN IE00BD4TYG73 / WKN A1W5DE, ISIN IE00BJ0KDR00 / WKN A1XB5V), S&P 500- und S&P Small Cap 600-Trackern. Bartels melde hingegen umfangreiche Käufe von US-Aktien, vor allem von S&P 500-ETFs.

Auch in europäischen Aktien sei das Bild gemischt. Bartels melde einen Kauf-, Kilian einen Verkaufsüberhang, konkret in EURO STOXX 50- (ISIN DE0005933956 / WKN 593395, ISIN LU0380865021 / WKN DBX1ET) und MSCI EMU-ETFs (ISIN LU0147308422 / WKN 633611, ISIN IE00B1YZSC51 / WKN A1MZWQ). In DAX-Trackern wie dem iShares DAX hätten sich Zu- und Abflüsse laut Kilian noch die Waage gehalten. Höhere Umsätze von ETFs, die italienische Aktien abbilden würden, hätten beide Händler nicht verzeichnet.

Abgesehen davon würden MSCI World-Tracker für Anleger interessant bleiben, Kunden der UniCredit kauften etwa den iShares Core MSCI World. Durch den hohen US-Anteil liege der Index seit Jahresanfang noch leicht im Plus.

Im Schwellenländerbereich würden sich Anleger den Händlern zufolge vor allem von lateinamerikanischen Aktien trennen (ISIN IE00B27YCK28 / WKN A0NA45). Die Börse in São Paulo habe den Wahlsieg des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro Ende Oktober erst gefeiert, zuletzt sei es aber wieder nach unten gegangen.

In breit streuenden Emerging Markets-ETFs sei das Bild gemischt: Während die Commerzbank von Abflüssen berichte, melde UniCredit Zuflüsse, etwa beim Amundi MSCI Emerging Markets, iShares Core MSCI Emerging Markets (ISIN IE00BKM4GZ66 / WKN A111X9) und Xtrackers MSCI Emerging Markets. MSCI Emerging Markets-ETFs hätten in diesem Jahr verloren, zuletzt aber wieder etwas zulegen können.

Im Handel mit Branchen-ETFs habe sich der Ölpreisrutsch bemerkbar gemacht: Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent sei in den vergangenen Wochen von über 86 auf 69 US-Dollar gefallen. Auch die Aktien der Branche hätten nachgegeben. Anleger würden aber offenbar mit einer Erholung rechnen: Wie Kilian berichte, sei der SPDR MSCI Europe Energy eindeutig gekauft worden. Seit Jahresanfang komme der ETF auf ein Plus von 7,6 Prozent.

Im Smart Beta-Bereich verabschiedeten sich Anleger vom iShares Edge S&P 500 Minimum Volatility und setzten stattdessen auf den iShares MSCI World Momentum Factor und den iShares Edge MSCI World Minimum Volatility USD, wie Kilian beobachtet habe: "Auch hier geht der Trend also heraus aus den USA." Alle drei hätten sich in den vergangenen drei Jahren sehr gut geschlagen: Der iShares Edge S&P 500 Minimum Volatility habe in den letzten drei Jahren um 9,75 Prozent p.a. zugelegt, seit Anfang dieses Jahres seien es 9,5 Prozent. Der iShares MSCI World Momentum Factor komme für die vergangenen drei Jahre auf 11,1 Prozent p.a., der iShares Edge MSCI World Minimum Volatility USD immerhin noch auf 7,9 Prozent, seit Jahresanfang seien es 10 und 8,9 Prozent.

Im Handel mit Anleihen-ETFs fehle ebenfalls das eindeutige Bild: Laut Bartels würden Anleger derzeit bei US-Treasuries mit Laufzeit von ein bis drei und drei bis fünf Jahren zugreifen, ebenso bei europäischen Unternehmensanleihen. Verkauft worden seien dagegen Geldmarkt- und geldmarktnahe ETFs.

Kilian zufolge seien US-Staatsanleihen sowie High Yield-Unternehmensanleihen in Euro ge- und verkauft worden. Abgegeben worden seien vor allem Floater (ISIN LU1681041031 / WKN A2H59D) und High Yield-Unternehmensanleihen in US-Dollar sowie Emerging Markets-Bonds in lokaler Währung (ISIN IE00B5M4WH52 / WKN A1JADV). (Ausgabe vom 13.11.2018) (14.11.2018/fc/a/e)






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