ETF-Handel: Italien-Krise belastet Stimmung


30.05.18 16:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die wackelige politische Lage in Italien setzt Europas Aktienmarkt zu, so die Deutsche Börse AG.

ETF-Anleger würden EURO STOXX- und DAX-Tracker aus den Portfolios werfen, gesetzt werde stattdessen auf S&P 500- oder MSCI World-ETFs. Unter dem Strich überwögen allerdings die Abgaben. "Mehr Verkäufe als Käufe - das hatten wir schon lange nicht mehr", bemerke Andreas Bartels von der Commerzbank.

"Italien ist das große Thema, die Volatilität ist wieder gestiegen", berichte Bruce Gunn von IMC Markets. "Es werden auch Ansteckungseffekte auf andere europäische Länder befürchtet", erkläre der Händler.

Der EURO STOXX 50, der vergangenen Dienstag noch bei 3.587 Punkten gelegen habe, sei auf 3.417 Zähler gefallen, der DAX im selben Zeitraum von 13.170 auf 12.665 Punkte. Der italienische FTSE MIB notiere am Dienstag unter 22.000, vor drei Wochen seien es noch 24.544 Punkte gewesen.

Die ETF-Umsätze in der durch den Pfingstmontag verkürzten vergangenen Handelswoche seien laut Bartels ordentlich gewesen, er melde 35.000 Transaktionen. "Für vier Tage ist das gut, allerdings sind die Volumina geringer geworden."

Die Händler würden einhellig von Abflüssen aus europäischen Aktien-ETFs berichten, abgegeben würden aber auch speziell italienische Titel. Als Beispiele würden sie EURO STOXX 50- (ISIN DE0005933956 / WKN 593395, ISIN LU0378434079 / WKN ETF050), MSCI Europe- und STOXX Europe 600-Indexfonds nennen, ebenso wie FTSE MIB-Tracker (ISIN LU0274212538 / WKN DBX1MB, ISIN IE00B53L4X51 / WKN A0YEDP). "Allerdings haben wir am Freitag und Montag auch schon wieder Käufe in italienischen Aktien gesehen", ergänze Bartels. Zugegriffen werde bei S&P 500-, MSCI North America- und MSCI World-ETFs.

Beliebt seien bei Kunden der Commerzbank im Übrigen auch türkische Aktien, etwa werde der iShares MSCI Turkey gekauft. Die türkische Notenbank habe angekündigt, ihre bisher unübersichtliche Geldpolitik durch eine Umstellung des Leitzinses zu vereinfachen. Der massive Verfall der Türkischen Lira der vergangenen Wochen habe dadurch zumindest gestoppt werden können. MSCI Turkey-ETFs wie der von HSBC oder iShares (ISIN DE000A1H49V6 / WKN A1H49V, ISIN IE00B1FZS574 / WKN A0LEW5) hätten seit Februar kräftig verloren, hätten nun aber wieder etwas zugelegt.

Gesucht seien Bartels zufolge weiterhin auch Emerging Markets-Tracker. "Was die Zuflüsse in ETFs seit Jahresanfang angeht, stehen Schwellenländer-Tracker neben S&P 500- und US-Treasury-ETFs ganz oben auf der Liste", stelle der Händler fest. Der ETF-Emittent Lyxor habe für den europäischen ETF-Markt für die Monate Januar bis April Nettozuflüsse von 5,1 Milliarden Euro in Schwellenländer-Indexfonds und 6,9 Milliarden Euro in US-Indexfonds gemeldet. In europäische Aktien-ETFs seien hingegen nur 986 Millionen Euro geflossen.

Dass die Bankenbranche aus den Schlagzeilen nicht herauskomme, mache sich auch am ETF-Markt bemerkbar. "Bankaktien sind derzeit die großen Verlierer", stelle Bartels fest. Zu den Sorgen um Italien kämen noch weitere Probleme, wie Gunn bemerke, etwa die Krise der Deutschen Bank, die zuletzt einen massiven Personalbau angekündigt habe. EURO STOXX Banks- und STOXX Europe 600 Banks-ETFs (ISIN DE0006289309 / WKN 628930, ISIN DE000A0F5UJ7 / WKN A0F5UJ, ISIN FR0010345371 / WKN LYX0AP) würden daher im großen Stil abgegeben, wie die Händler beobachtet hätten. Der iShares EURO STOXX Banks habe gegenüber dem Stand Anfang Mai rund 13 Prozent verloren.

Im Handel mit Anleihen-ETFs werde laut Bartels weiter auf ETFs gesetzt, die US-Treasuries abbilden würden. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen, die zuvor über 3 Prozent gestiegen sei, liege mit 2,86 Prozent aktuell wieder deutlich darunter, der Zinsabstand zu Europa bleibe aber groß. Gekauft würden auch Bund-Future-Short-ETFs, mit denen auf steigende Zinsen spekuliert werden könne. Der Euro-Bund-Future habe in den vergangenen Tagen allerdings kräftig zugelegt - sichere Häfen seien wieder gesucht. (Ausgabe vom 29.05.2018) (30.05.2018/fc/a/e)





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