ETF-Handel: Europa klar im Fokus


28.01.15 09:55
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Von den griechischen Wahlergebnissen lassen sich Anleger kaum beirren, so die Deutsche Börse AG.

Auf die mögliche Koalition der linksgerichteten Syriza mit der rechtspopulistischen Partei ANEL und der gemeinsamen Ablehnung der bisherigen Spar- und Reformpolitik würden die Aktienmärkte gelassen reagieren. Der DAX habe am Montag mit 10.798 Punkten abermals deutlich im Plus geschlossen und notiere derzeit etwa 1,0 Prozent leichter.

Entsprechend aktiv würden ETF-Anleger agieren, wie die Händler einhellig berichten würden. "Seit der EZB-Entscheidung haben wir bei starken Zuflüssen enorm viel zu tun", berichte Marco Salaorno von der Société Générale. "Insbesondere am Freitag verbuchten wir eine große Anzahl an Transaktionen mit zum Teil sehr hohen Volumina."

Tracker europäischer Aktienindices stünden seit Wochenbeginn ganz klar im Vordergrund. Neben DAX- und EURO STOXX 50-Werten hätten Anleger auf Indices einzelner Eurostaaten gesetzt. Salaorno nenne beispielhaft das große Interesse an spanischen Bluechips im Ibex 35. "Die ein oder anderen Gewinnmitnahmen gibt es bei ETFs, die an den EURO STOXX 50 gekoppelt sind."

"Hin zu Europa, raus aus Nordamerika", so beschreibe Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank die Flows in der vergangenen Woche. EURO STOXX 50- (ISIN LU0378438732 / WKN ETF001; ISIN LU0378434079 / WKN ETF050) und DAX-Tracker (ISIN DE0005933931 / WKN 593393; ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA; ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01; ISIN LU0252633754 / WKN LYX0AC) aller Anbieter würden rege nachgefragt. Gleichzeitig hätten sich Investoren von ShortDAX-Produkten (ISIN LU0603940916 / WKN ETF004; ISIN FR0010791178 / WKN A0X9QV; ISIN LU0292106241 / WKN DBX1DS) und ETFs, die von fallenden Kursen beim EURO STOXX 50 (ISIN FR0010424135 / WKN A0MNT8; ISIN nicht bekannt/ WKN A0RRLR; ISIN FR0010424143 / WKN A0MNT7) profitieren würden, getrennt.

Neue Rekordzahlen im ETF-Handel seit der Entkoppelung des Franken vom Euro und der Ankündigung des Anleihen-Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank melde die Commerzbank. "Bei 46.000 Trades verbunden mit sehr starken Umsätzen ging es bei den großen DAX- und EURO STOXX 50-ETFs geschäftig hin und her", beobachte Frank Mohr, der unter dem Strich ein ausgeglichenes Verhältnis von Käufen und Verkäufen bei DAX-Indexfonds und einen leichten Verkaufsüberhang bei EURO STOXX 50-Werten ausmache. "Generell gab es über alle Anlageklassen hinweg viel Bewegung."

Laut Salaorno würden Portfolios mit US Equities zu den umsatzstärksten Positionen gehören. In den Anlegerdepots seien beispielsweise Tracker des MSCI Nordamerika (ISIN IE00B14X4M10 / WKN A0J201), MSCI USA und S&P 500 (ISIN IE00B3XXRP09 / WKN A1JX53; ISIN LU0490618542 / WKN DBX0F2) gelandet. Zu den meistgehandelten Produkten in dieser Kategorie hätten S&P MidCap 400-ETFs mit 400 börsennotierten mittelständischen US-Unternehmen gehört. "Auch hier überwogen die Käufe." Japanische Aktien hätten Anleger kaum auf dem Schirm. Die ein oder anderen Abflüsse gebe es bei MSCI Japan-Produkten.

Positionierungen im MSCI World sehe Mohr im Wechselspiel mit großen Verkäufen von MSCI Switzerland-ETFs (ISIN FR0010871145 / WKN A1H791; ISIN CH0226274246 / WKN A1W7EG). "Das könnten strategische Allokationen in Verbindung mit dem neuen Kurs der Schweizer Notenbank sein."

Einen starken Trend weg von Portfolios mit Schwellenländeraktien beobachte Kleefeld. Anleger hätten sich etwa in Summe von Indexfonds verschiedener Emittenten getrennt, die sich an der Wertentwicklung des MSCI Emerging Marktes (ISIN FR0010429068 / WKN LYX0BX; ISIN LU0292107645 / WKN DBX1EM; ISIN LU0254097446 / WKN A0JMLL; ISIN DE000A0HGZT7 / WKN A0HGZT) orientieren würden. Bei chinesischen Unternehmen im CSI300 (ISIN LU0779800910 / WKN DBX0M2; ISIN LU0875160326 / WKN DBX0NK) würden Anleger ihre Gewinne glatt streichen, wie der Händler vermute. "Der Index hat eine relativ starke Rally hinter sich." Zumeist Zuspruch gebe es für S&P CNX Nifty-Werte. Der Index enthalte 50 Aktien aus 22 Sektoren der indischen Wirtschaft.

Weniger geschäftig gehe es den Händlern zufolge im Rentenbereich zu. Etwa hätten Kunden der Commerzbank mit Käufen von Short-Produkten (ISIN LU0530119774 / WKN ETF562; ISIN LU0530124006 / WKN ETF563) auf einen fallenden Euro-Bund-Future gesetzt. "In der Kategorie Festverzinsliches waren das Hauptumsatzträger."

Kleefelds Kunden hätten per saldo deutsche Staatsanleihen (ISIN LU0468897110 / WKN DBX0C9) mit ein- bis dreijähriger Laufzeit bevorzugt. Zu den meistgehandelten Produkten auf der Verkaufsseite hätten Bonds von Schwellenländern in lokaler Währung gehört, etwa im SPDR Barclays Capital Emerging Markets Local Bond (ISIN DE000A1JB4Q0 / WKN A1JB4Q).

US-Dollar-Anleihen (ISIN LU0429459356 / WKN DBX0CQ) hätten bei der Société Générale die Liste der Käufe in der Anlageklasse angeführt. Bundesanleihen im Deka Deutsche Börse Eurogov Germany kämen in Summe aus den Depots raus.

Im Bereich der Branchen-ETFs würden Investoren Mohr zufolge zu Immobilien (ISIN DE000A0Q4R44 / WKN A0Q4R4) greifen, während es bei Banken-ETFs (ISIN DE0006289309 / WKN 628930; ISIN DE000A0F5UJ7 / WKN A0F5UJ) und im Technologiesektor Bewegungen in beide Richtungen gebe. "Einen Trend kann ich aus den Bewegungen nicht ableiten."

Energieaktien im STOXX 600 Oil und Gas führe Kleefeld auf der Kaufseite. Auch Salaorno spreche von Anlegerinteresse an Ölwerten. "Das ist vielleicht ein Signal für eine Trendwende." Für die Bereiche Telekommunikation (ISIN FR0010344812 / WKN LYX0A1) und Technologie (ISIN IE00B3VSSL01 / WKN A0YHMJ) hätten Investoren derzeit wenig übrig. "Das kann mit dem Einbruch der Gewinne bei Microsoft zusammenhängen." (Ausgabe vom 27.01.2015) (28.01.2015/fc/a/e)





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