ETF-Handel: Europa-Skepsis treibt Nachfrage in die USA


12.06.18 16:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Wogen an den Märkten haben sich nach den Querelen um die Regierungsbildung in Italien geglättet, so die Deutsche Börse AG.

"Die Welt ist wieder in den Fugen", stelle Oliver Kilian von der UniCredit Group fest. Laut Carsten Schröder von der Commerzbank werde derzeit allerdings eher abgewartet. "In dieser Woche stehen Sitzungen von EZB und Federal Reserve Bank an." Für die vergangene Woche melde er noch knapp 38.000 Transaktionen - und einen Käuferüberhang von 55 Prozent. Auch laut Rick van Leeuwen von IMC Markets sei es mittlerweile ruhiger geworden. "Vielleicht ist es schon die beginnende Ferienzeit."

Der DAX habe sich seit seinem Rücksetzer Ende Mai etwas erholt und liege am Dienstagmorgen bei 12.833 Punkten. Das nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump erfolgreich verlaufene historische Gipfeltreffen mit Nordkoreas Führer sorge für gute Laune. Auch aus Italien kämen positive Nachrichten: Der neue italienische Finanzminister Giovanni Tria habe sich klar für den Verbleib des Landes in der Eurozone ausgesprochen.

Doch beschäftige Italien ETF-Anleger weiter. "Wir beobachten ein höheres Handelsvolumen bei italienischen Aktien und Anleihen", berichte Schröder. Allerdings hätten sich Käufe und Verkäufe mittlerweile die Waage gehalten. Die den italienischen Aktienmarkt abbildenden FTSE MIB-Tracker hätten nach dem Absturz im Mai zuletzt wieder zulegt, die Verluste seien aber noch nicht wieder wettgemacht.

Für die gesamteuropäischen Indices sei das Bild ebenfalls durchwachsen: Die Commerzbank melde einen Käuferüberhang in EURO STOXX 50-ETFs, die UniCredit eher Verkäufe (ISIN FR0012740983 / WKN A14UTF, ISIN IE0008471009 / WKN 935927), dafür aber Käufe in Indices einzelner europäischer Länder (ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA, ISIN DE0005933931 / WKN 593393, ISIN FR0010655761 / WKN A0REJR) sowie Zu- und Abflüsse im MSCI EMU- und MSCI Europe-Trackern. Van Leeuwen zufolge hätten sich Anleger von europäischen Aktien getrennt. Beliebt seien laut Schröder derzeit auch die europäischen Minimum Volatility-Tracker von SPDR und iShares (ISIN IE00BFTWP510 / WKN A1W8WD, ISIN IE00B86MWN23 / WKN A1J783). "Das ist wohl mit der Unruhe um Italien zu erklären."

US-Aktien würden hingegen überwiegend gekauft - Grund sei wohl die positive Kursentwicklung an der Wall Street. Der Dow Jones sei am gestrigen Montag mit 25.326 Punkten aus dem Handel gegangen, Ende Mai seien es noch 1.000 Punkte weniger gewesen. "Wir sehen deutliche Zuflüsse, vor allem in S&P 500-ETFs, auch in den währungsgesicherten Varianten", erkläre Kilian (ISIN IE00B5BMR087 / WKN A0YEDG, ISIN LU1681048804 / WKN A2H573, ISIN IE00B3ZW0K18 / WKN A1C5E9). Auch die Commerzbank habe einen eindeutigen Käuferüberhang beobachtet. Van Leeuwen berichte hingegen von Abflüssen aus US-Aktien, zugegriffen werde lediglich bei ETFs, die den Schweizer und den britischen Markt abbilden würden. Außerdem würden Small Caps aus Industrieländern gekauft, etwa mit dem SPDR MSCI World Small Cap.

In Bezug auf Schwellenländer fehle der eindeutige Trend. Die UniCredit melde Abflüsse, etwa aus dem iShares Core MSCI Emerging Markets IMI, dem Lyxor MSCI Emerging Markets und dem Xtrackers MSCI Emerging Markets Swap (ISIN LU0292107645 / WKN DBX1EM). Auch bei der Commerzbank überwögen die Abgaben. Käufe melde hingegen IMC Markets.

Der Höhenflug des Nasdaq locke Anleger weiter in Technologiewerte. Der Nasdaq 100 habe vergangene Woche einen neuen Höchststand von 7.212,45 Punkten erreicht, am gestrigen Montag seien es immerhin noch 7.161,50 Zähler gewesen. So werde Kilian zufolge direkt auf Nasdaq-Tracker gesetzt (ISIN IE00B53SZB19 / WKN A0YEDL, ISIN IE0032077012 / WKN 801498) oder aber auf klassische Branchen-ETFs wie den iShares S&P 500 Information Technology Sector. Dieser habe auf Sicht von zwölf Monaten um 28 Prozent zugelegt.

Außerdem würden Immobilien-Indexfonds stark beachtet. Schröder melde Abflüsse (ISIN IE00B1FZS350 / WKN A0LEW8), Kilian Zu- und Abflüsse (ISIN LU1291091228 / WKN A2ACQZ, ISIN LU0489337690 / WKN DBX0F1). Nicht mehr ganz so im Rampenlicht stünden die Banken (ISIN DE0006289309 / WKN 628930), die noch vor zwei Wochen im großen Stil verkauft worden seien. Laut Schröder würden jetzt beide Seiten gespielt, Kilian berichte von Verkäufen. Bei IMC hätten Grundstoff-ETFs auf den Verkaufslisten gestanden. "Insgesamt interessieren sich Anleger aber im Moment nicht sehr für gezielte Branchen-Engagements", meine van Leeuwen.

Von den Unternehmensanleihen kämen auf US-Dollar-lautende Bonds weiter extrem gut an, wie Kilian erkläre. Darunter seien auch High Yield-Anleihen, etwa mit dem iShares USD High Yield Corp Bond, aber auch klassische Papiere, etwa mit dem UBS Bloomberg Barclays US Liquid Corporates. Schröder zufolge seien europäische Anleihen mit Laufzeit von fünf bis zehn Jahren gekauft worden (ISIN DE000ETFL201 / WKN ETFL20), der ComStage Commerzbank Bund-Future Short hingegen abgestoßen. (12.06.2018/fc/a/e)





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