ETF-Handel: Böse Neujahrsüberraschung aus China


05.01.16 15:29
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Es war kein guter Start in das neue Börsenjahr: Getrieben von einem heftigen Kursrutsch in China gab der DAX am gestrigen Montag um über 4 Prozent nach, so die Deutsche Börse AG.

Auslöser seien erneut Sorgen um die chinesische Wirtschaftsentwicklung gewesen. Die Industrieproduktion sei im Dezember den zehnten Monat in Folge geschrumpft. Am heutigen Dienstag habe sich die Lage an den Märkten etwas beruhigt: Asiens Börsen hätten nur noch kleine Verluste verzeichnet, der DAX liege nach einem Erholungsversuch am frühen Morgen am Mittag wieder in der Verlustzone bei 10.219 Punkten.

Positionierungen zum Jahresanfang und hohe Volatilität an den Märkten hätten die Umsätze am Montag in die Höhe schießen lassen. "Wir hatten 10.000 Transaktionen nur an dem einen Tag, im Schnitt sind es 30.000 in der Woche", berichte Frank Mohr von der Commerzbank. "Meist waren es Abgaben."

Marco Salaorno von der Société Générale melde ebenfalls Verkäufe. "Allerdings war die Reaktion bei uns durchaus entspannt." Die Zeit "zwischen den Jahren" sei, anders als der Jahresauftakt, von Ruhe geprägt gewesen.

Mohr melde für den Montag hohe Abflüsse aus chinesischen Aktien, etwa mit dem db x-trackers FTSE China 25. "In ETFs, die den chinesischen Markt abbilden, war gar nicht so viel los", stelle hingegen Salaorno fest. Ein hohes Handelsaufkommen habe es bei der Société Générale hingegen in breit streuenden Emerging Markets-ETFs (ISIN LU0292107645 / WKN DBX1EM; ISIN IE00B0M63177 / WKN A0HGWC) gegeben. "Die Verkäufe dominierten, wir haben aber auch Käufe gesehen." Auch bei der Unicredit seien Positionen in asiatischen Aktien abgebaut worden. "Das setzt sich heute fort", meine Hamme.

Große Industrieländerindices seien bei der Commerzbank und Société Générale ebenfalls abgegeben worden. "Auch von vielen Privatanlegern", ergänze Mohr. Am Ende des Tages habe es aber auch schon wieder Käufe gegeben. Bei der Unicredit hätten ohnehin die Zuflüsse überwogen.

"Anleger griffen gestern ins fallende Messer und kauften zum Beispiel den iShares DAX, den iShares Euro Stoxx 50 oder auch den iShares FTSE MIB", erkläre Hamme. In den Portfolios seien auch Dividendenstrategien gelandet, etwa mit dem iShares Euro Stoxx Select Dividend und dem iShares Stoxx Europe Select Dividend (ISIN DE0002635299 / WKN 263529).

Rege gehandelt worden seien, wie die Umsatzstatistik der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage zeige, vor allem DAX-, EURO STOXX 50- und Stoxx Europe 600-Tracker. Viel umgegangen sei aber auch im MDAX-ETF von iShares, Geldmarktprodukten (ISIN LU0290358497 / WKN DBX0AN) und Schwellenländer- (ISIN LU0292107645 / WKN DBX1EM) sowie MSCI World-Indexfonds.

In den Abwärtssog seien unter den Branchen-ETFs vor allem Banken-Indexfonds geraten, wie Salaorno feststelle. Der iShares Euro Stoxx Banks habe seine im Sommer begonnene Talfahrt fortgesetzt, die Gewinne aus der ersten Jahreshälfte 2015 seien wieder dahin.

Wichtiges Thema bleibe Öl. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sei vergangene Woche auf 36 US-Dollar gefallen, seit Sommer 2014 habe sich Öl somit um Zweidrittel verbilligt. "Ende des Jahres sind viele Anleger bei Öl- und Gasunternehmen wieder eingestiegen", erkläre Salaorno. Bei der Commerzbank hätten sich Anleger von Versicherungsaktien getrennt, gekauft worden seien hingegen Immobilien-ETFs, bei den Banken würden beide Seiten gespielt.

Die Unicredit melde Zu- und Abflüsse in Immobilien-ETFs wie dem FTSE EPRA Eurozone Theam Easy, Käufe bei Aktien aus der Reisebranche und Abgaben bei Grundstoff-Titeln. Hamme könne die Positionierungen in Öl- und Gasunternehmen Ende des vergangenen Jahres bestätigen, auf den Einkaufslisten habe dem Händler zufolge etwa der Lyxor Stoxx Europe 600 Basic Resources gestanden.

Wenig Bewegung gebe es derzeit bei Anleihen-ETFs. Mohr berichte von Zu- und Abflüssen. "Ein klarer Trend fehlt." (05.01.2016/fc/a/e)