ETF-Handel: Bittere Zeiten für Schwellenländeranleger - Fondsanalyse


14.01.14 16:42
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Über Langeweile können sich ETF-Händler zu Beginn des Jahres 2014 nicht beklagen, so die Deutsche Börse AG.

"Wir sind super gestartet", melde etwa Sascha Cronemeyer von der Commerzbank. Die Anzahl der Transaktionen und auch das Volumen lägen weit über dem Durchschnitt. Mit 53 Prozent überwögen noch die Käufe. "Bei uns ging es richtig gut los", berichte auch Jörg Sengfelder von Flow Traders.

Ingesamt würden sich bei ihm Zu- und Abflüsse die Waage halten. Ganz eindeutig sei die Richtung lediglich bei Schwellenländer-ETFs. "Hier gibt es fast nur Abgaben." Das sehe auch Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank so: "Speziell aus Emerging Markets-Aktien geht es nur noch raus."

Massenproteste in Thailands Hauptstadt Bangkok, immer neue Demonstrationen gegen den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan: Wegen anhaltend negativer Schlagzeilen aus Schwellenländern würden viele Anleger lieber die Reißleine ziehen.

Nachdem zuvor die BRIC-Länder - also Brasilien, Russland, Indien und China - in den Himmel gehoben worden seien, kursiere seit einigen Monaten ein neuer Begriff: die "fragile five". Gemeint seien Brasilien, Indonesien, Indien, Türkei und Südafrika - alles Länder, die besonders stark unter dem Abzug internationaler Gelder leiden würden.

"Emerging Markets-Anlagen werden massiv verkauft - ein Trend, der sich ja schon seit einiger Zeit abgezeichnet hat", fasse Kleefeld zusammen. Sengfelder bestätige das, betroffen seien sowohl breit streuende Produkte (ISIN LU0292107645 / WKN DBX1EM; ISIN DE000A0HGZT7 / WKN A0HGZT) als auch solche mit regionalem Schwerpunkt wie Asien (ISIN FR0010312124 / WKN LYX0AB), Lateinamerika (ISIN LU0292108619 / WKN DBX1ML) oder China.

"Käufe haben wir nur in Aktien aus Vietnam und Malaysia (ISIN LU0322252924 / WKN DBX1AG; ISIN FR0010397554 / WKN LYX0CW)." Der umsatzstarke iShares MSCI Emerging Markets habe 2013 fast 13 Prozent an Wert verloren, in diesem Jahr gehe es weiter abwärts.

Bezüglich der Industrieländeraktien würden unterdessen unterschiedliche Meinungen herrschen - ein eindeutiger Trend sei nicht auszumachen. Der Deutschen Bank zufolge würden sich EURO STOXX 50-Tracker auf den Verkaufslisten finden. "DAX- und S&P-ETFs (ISIN DE0005933931 / WKN 593393; ISIN LU0378438732 / WKN ETF001; ISIN LU0488316133 / WKN ETF012; ISIN DE0002643889 / WKN 264388) werden abgegeben", erkläre die Commerzbank.

Gekauft würden im Gegenzug MDAX-, MSCI World- und die den italienischen Markt abbildenden FTSE MIB-ETFs. Flow Traders berichte von Zuflüssen in S&P-, EURO STOXX 50- und MSCI World-Indexfonds.

Doch einen Favoriten gebe es: "Ganz klare Kaufkandidaten waren japanische Aktien", stelle Sengfelder mit Blick auf die beiden währungsgesicherten Produkte (ISIN LU0659580079 / WKN DBX0KT; ISIN DE000A1H53P0 / WKN A1H53P) von db x-trackers und iShares fest. Viele Investoren würden die aktuellen Kurse offenbar als Kaufgelegenheit sehen. Der japanische Nikkei 225 sei nach dem Höhenflug 2013, der in einem Sechsjahreshoch per Ultimo gegipfelt habe, mit Verlusten ins neue Jahr gestartet - mittlerweile würden sich diese auf gut 5 Prozent summieren.

Im Bereich der Sektoren-ETFs würden sich Investoren vor allem mit Banken-Indexfonds eindecken, wie die Händler einhellig berichten würden (ISIN DE0006289309 / WKN 628930; ISIN FR0010688176 / WKN A0REJZ; ISIN DE000A0F5UJ7 / WKN A0F5UJ). Anleger, die vor sechs Monaten eingestiegen seien, seien übrigens reichlich belohnt worden: Der iShares Euro Stoxx Banks, umsatzstärkster Banken-ETF, habe seitdem nämlich knapp 44 Prozent an Wert gewonnen.

Sengfelder habe darüber hinaus noch Interesse an der Telekommunikationsbranche (ISIN FR0010344812 / WKN LYX0A1) ausgemacht, Grundstoff- und Gesundheits-ETFs (ISIN FR0010345389 / WKN LYX0AX; ISIN FR0010344879 / WKN LYX0AS) würden dagegen abgestoßen. "Das ist diesmal ein ganz deutlicher Trend hin zu Zyklikern und heraus aus defensiven Werten."

Daneben würden Immobilien-Indexfonds viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen (ISIN LU0378436793 / WKN ETF074; ISIN DE000A0LGQL5 / WKN A0LGQL; ISIN LU0192223062 / WKN A0ERY9), Cronemeyer berichte außerdem von Zuflüssen in Automobil- und Abflüssen aus Industriegüter-ETFs.

Durchaus rege sei der Handel in Rentenfonds. Der Commerzbank zufolge würden langlaufende Bundesanleihen (ISIN DE0006289499 / WKN 628949) eher abgegeben und Kurzläufer gekauft. Flow Traders zufolge sei das Bild in deutschen Kurzläufern gemischt, Anleger hätten aber ganz klar auf High Yield-Unternehmensanleihen gesetzt.

Nicht mehr angesagt seien auch hier Schwellenländer: "Emerging Markets-Bonds werden abgestoßen, etwa mit dem SPDR Barclays Emerging Markets Local Bond", erläutere Sengfelder. Der ETF verzeichne auf Sicht von sechs Monaten mittlerweile ein Minus von 6,9 Prozent, auf Sicht von einem Jahr seien es sogar 14 Prozent. (14.01.2014/fc/a/e)





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