ETF-Handel: Ausverkaufsstimmung


26.08.15 16:06
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Dem Beben an den weltweiten Börsen können sich auch die ETF-Märkte nicht entziehen, so die Deutsche Börse AG.

"Mit den kollabierenden Aktienkursen ist es bei uns zu panikartigen Verkäufen gekommen, besonders ab Montagmittag", berichte Gregor Hamme von der Unicredit Group. "Vergangene Woche lief es noch in geordneten Bahnen, am Montag herrschte aber Ausnahmezustand", schildere Carsten Schröder von der Commerzbank die Lage. "Das war ein Tag, wie man ihn als Händler ganz selten erlebt."

Der DAX, der vor zwei Wochen noch bei über 11.600 Punkten notiert habe, sei am gestrigen Montag unter 10.000 Zähler gerutscht, zwischenzeitlich seien es weniger als 9.400 Punkte gewesen. Auslöser seien, wie bereits in den Vorwochen, Sorgen um Chinas Wachstum und die Folgen für die Weltwirtschaft gewesen.

Am heutigen Dienstag habe der DAX zwar zu einer Erholung angesetzt, am Mittag liege der Index bei 9.947 Punkten, von echter Entspannung könne aber noch keine Rede sein. "Bei uns setzen sich heute die Abgaben fort", erkläre Hamme. "Wir sehen zwar auch Käufe, aber auch größere Verkaufsorder", melde Schröder. "In China ging es heute ja auch weiter bergab." Der Leitindex Shanghai Composite sei am heutigen Dienstag weitere 7,6 Prozent gefallen, der CSI 300 mit den 300 größten Unternehmen vom chinesischen Festland gut 7 Prozent. Andere asiatische Märkte hätten sich hingegen stabilisieren können.

Das Handelsaufkommen sei den Market Makers zufolge durch die Turbulenzen kräftig gestiegen. Die Commerzbank berichte schon für die vergangene Woche von 40.000 Transaktionen. "Das ist eine erhebliche Steigerung gegenüber den Vorwochen", kommentiere Schröder. Der extrem aktive gestrige Montag sei da noch nicht eingerechnet. Sven Titze von der ICF Bank spreche von einem "sehr regen Handel." Gerade die Zeit zwischen 8 und 9 Uhr, in der die ICF Bank bereits Kurse stelle, werde stark genutzt, ebenso die Zeit nach Xetra-Schluss zwischen 17.30 und 20.00 Uhr.

In den Abwärtsstrudel seien Aktien-ETFs aus allen Bereichen geraten. Laut Hamme hätten sich Anleger zum Beispiel vom Lyxor DAX, vom iShares MSCI World und vom iShares S&P 500 getrennt. Bei der Commerzbank habe es Ende vergangener Woche auch wieder Käufe gegeben, "dann haben aber die Bären gewonnen", ergänze Schröder.

DAX- und EURO STOXX-Tracker, S&P 500- oder MSCI Japan-Indexfonds, alles sei abgegeben worden, "alles, wo Asien oder China draufsteht, sowieso." Bei der ICF Bank hätten sich Anleger auf DAX-ETFs konzentriert, auch gehebelte DAX-Produkte (ISIN DE000A1YKTK4 / WKN A1YKTK; ISIN DE000A1YKTG2 / WKN A1YKTG) seien beliebt gewesen. Größere Abflüsse habe es, wie Tietze feststelle, außerdem in MSCI USA-Tracker gegeben. Gegen den Trend hätten Anleger beim MDAX-ETF zugegriffen.

Die hohe Unsicherheit am Markt rufe, wie üblich, viele kurzfristig agierende Händler auf den Plan. "Besonders am Montag wurden Short-Produkte extrem viel gehandelt, und zwar in beide Richtungen", erkläre Hamme. Als Beispiele nenne er den Lyxor Euro Stoxx 50 Daily Short und den Lyxor Euro Stoxx 50 Daily Double Short, der die umgekehrte tägliche Wertentwicklung des Euro Stoxx 50 mit einem Hebel von zwei widergebe. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage stünden der db x-trackers Short DAX Daily und der db x-trackers Short DAX x2 Daily, neben klassischen DAX- und EURO STOXX 50-Trackern, weit oben.

Im Handel mit Branchen-ETFs seien insbesondere Banken-Indexfonds unter die Räder geraten, wie Hamme feststelle. Die Commerzbank melde für die vergangene Woche zwar noch einen Käufer-Überhang, für diese Woche aber hohe Abflüsse. Der iShares Euro Stoxx Banks komme mittlerweile auf ein Monatsminus von 11,6 Prozent, auch auf Sicht von einem Jahr liege er wieder in der Verlustzone. Daneben hätten sich Anleger in defensive Sektoren gerettet und zum Beispiel an die Gesundheitsbranche gekoppelte ETFs gekauft, wie Schröder feststelle.

Gefragt seien generell sichere Anlagen, und als solche würden vielen Investoren auch Anleihen gelten. Hamme zufolge seien vor allem US-Staatsanleihen gekauft worden, etwa mit dem iShares US-Dollar Treasury Bond 7-10yr. Auch bei der Commerzbank hätten Investoren auf risikoärmere Produkte gesetzt, konkret solide Staatsanleihen oder europäische Unternehmenspapiere. "High Yield-Anleihen flogen hingegen aus den Portfolios."

Im Übrigen habe Hamme seit Anfang vergangener Woche kontinuierliche Zuflüsse in einen Schwellenländeranleihen-ETF beobachtet, den SPDR Barclays Emerging Markets Local Bond. "Das ist angesichts der Marktentwicklung schon erstaunlich, vor allem wegen der lokalen Währungen." Die Währungen vieler Schwellenländer würden sich nämlich derzeit auf Mehrjahres- oder sogar Rekordtiefs befinden. Auch bei einem ähnlichen Produkt von iShares, dem allerdings auf US-Dollar lautenden iShares J.P. Morgan US-Dollar Emerging Markets Bond-ETF (ISIN DE000A0RFFT0 / WKN A0RFFT), habe es Anfang vergangener Woche noch hohe Zuflüsse gegeben. Dann seien aber Positionen abgebaut worden. (Ausgabe vom 25.08.2015) (26.08.2015/fc/a/e)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
92,36 € 89,83 € 2,53 € +2,82% 30.03./18:43
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
LU0252633754 LYX0AC 130,14 € 77,27 €
Werte im Artikel
36,32 plus
+4,32%
23,46 plus
+3,80%
92,36 plus
+2,82%
4,66 plus
+2,75%
19,53 plus
+0,90%
198,10 plus
+0,56%
-    plus
0,00%
21,16 plus
-
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
56,11 minus
-2,05%
24,14 minus
-2,33%
5,29 minus
-4,92%
4,51 minus
-5,79%