ETF-Handel: Ausgebremst


10.12.14 15:28
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Höhenflüge an den Aktienmärkten sind zu einem Ende gekommen - zumindest für den Moment, so die Deutsche Börse AG.

Am Dienstagmittag notiere der DAX nur noch bei 9.915 Punkten, nachdem vergangene Woche noch ein Allzeithoch von 10.093 Punkten erreicht worden sei. Viel heftiger falle die Korrektur in China aus: Heute sei es zum größten Einbruch seit fünf Jahren gekommen, die Kurse an den wichtigsten Festlandsbörsen seien teilweise um mehr als 5 Prozent eingebrochen. Vergangene Woche seien Aktien-ETFs noch durchweg gekauft worden, in dieser Woche werde auch verkauft, wenn auch nicht im großen Stil. "Es fehlt der klare Trend", meine Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank.

Das Handelsvolumen bleibe unterdessen hoch. "Von vorweihnachtlicher Ruhe kann keine Rede sein", erkläre Frank Mohr von der Commerzbank. "Danach sieht es vorerst auch nicht aus, Anleger machen keine Anstalten, die Bücher zu schließen."

In dieser Woche werde Kasse gemacht, vergangene Woche sei bei Aktien-ETFs durch die Bank zugegriffen worden, vor allem bei DAX- und EURO STOXX-Trackern. "Spezialitäten waren nicht so gefragt", meine Mohr. Kein großes Interesse habe es für US-amerikanische Aktien, trotz neuer Höchststände auch dort gegeben. "Hier haben wir allenfalls Gewinnmitnahmen gesehen, etwa in MSCI USA-Trackern."

Laut Marco Salaorno von der Société Générale würden Anleger derzeit nicht zwischen Europa und den USA unterscheiden. "Das könnte sich aber schon bald ändern, viele Research-Abteilungen, auch die unserer Bank, prognostizieren für 2015 eine im Vergleich mit den USA bessere Entwicklung des europäischen Aktienmarktes."

Sehr reger Nachfrage hätten sich vergangene Woche ETFs erfreut, die chinesische Aktien abbilden würden. Die hätten sich nämlich extrem gut entwickelt: Etwa habe der db x-trackers CSI 300 (ISIN LU0779800910 / WKN DBX0M2), der an die 300 wichtigsten Aktien der Börsen Shanghai und Shenzhen gekoppelt sei, in den vergangenen vier Wochen 18,6 Prozent an Wert zugelegt, auf Sicht von sechs Monaten seien es sogar 53,6 Prozent.

"Das Interesse der Anleger hängt auch mit China Connect zusammen", bemerke Kleefeld. Seit der Einführung des Börsenprojekts Hong Kong Shanghai Stock Connect Mitte November könnten internationale Anleger über die Hongkonger Börsenstruktur Aktien an der Börse Shanghai kaufen und umgekehrt.

Kleefeld zufolge sei etwa auf den db x-trackers Harvest CSI 300 (ISIN LU0875160326 / WKN DBX0NK), den db x-trackers FTSE China 50 (ISIN LU0292109856 / WKN DBX1FX) und den db x-trackers CSI 300 (ISIN LU0779800910 / WKN DBX0M2) gesetzt worden. "China ist ein wichtiges Thema", meine auch Salaorno (ISIN FR0010204081 / WKN A0F5BW; ISIN FR0010361675 / WKN LYX0A7). "Das Interesse ist riesig." Am heutigen Dienstag, mit dem Absturz an den Börsen in China, werde allerdings verkauft. "Die Nachfrage steigt schon deutlich, auch wenn das am Gesamtvolumen bei uns immer noch einen nur kleinen Anteil ausmacht", erkläre Mohr.

Auch in anderen Märkten gebe es im Moment viel Bewegung, etwa im Ölmarkt. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent sei am gestrigen Montag auf ein Fünfjahrestief gefallen. Das mache sich auch im Handel mit Sektoren-ETFs bemerkbar. "Der Öl- und Gas-Sektor wird eindeutig verkauft", bemerke Salaorno und nenne den Lyxor Stoxx Europe 600 Oil & Gas und den Lyxor Stoxx Europe 600 Basic Resources als Beispiele.

Auf den Verkaufslisten stünden außerdem Banken-ETFs, wie Kleefeld feststelle. In den Portfolios würden laut Salaorno dagegen der Lyxor Stoxx Europe 600 Retail, der Lyxor MSCI World Consumer Discretionary und der Lyxor MSCI World Telecommunication Services landen. "In der Telekommunikationsbranche gibt es im Moment viele Fusionsgerüchte", erläutere der Händler.

Uneinheitlich sei das Bild auf der Anleiheseite: Salaorno zufolge hätten sich Investoren von langlaufenden europäischen Staatsanleihen (ISIN LU0290357333 / WKN DBX0AH; ISIN FR0010037242 / WKN A0DM6N) verabschiedet. Kleefeld melde Käufe von Unternehmensanleihen (ISIN IE00B3F81R35 / WKN A0RGEP), Salaorno hingegen Verkäufe (ISIN IE00B3F81R35 / WKN A0RGEP).

Mohr habe vor allem Abgaben in kurz- und langlaufenden europäischen Anleihen beobachtet. "Wir vermuten allerdings, dass sich das bald ändern wird." Er rechne damit, dass Anleger aufgrund der negativen Realerträge auf Tages- und Festgeldkonten zunehmend Liquidität in kurzlaufenden Anleihen-ETFs parken würden. "Wir gehen fest davon aus, auch wenn wir das bisher mit Zahlen noch nicht belegen können." (Ausgabe vom 09.12.2014) (10.12.2014/fc/a/e)





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