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ETF-Handel: Auf ein neues Erfolgsjahr


03.01.18 10:56
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - 2017 war abermals ein Jahr der ETFs - mit neuen Rekordständen bei den Mittelzuflüssen, so die Deutsche Börse AG.

Für 2018 würden Marktteilnehmer eine Fortsetzung des positiven Trends erwarten. "Solange die Märkte nicht einbrechen, wird das Wachstum ohnehin anhalten", meine Frank Mohr, Global Head ETF Sales Trading bei der Commerzbank. Und selbst bei Rücksetzern am Markt rechne er mit weiteren Zuwächsen.

Mohr vermute, dass das Inkrafttreten der Finanzmarktrichtlinie MiFID II Anfang Januar der Branche einen weiteren Schub verleihen werde. Teure und komplizierte Produkte würden damit schwerer zu verkaufen. "Durch die neuen Aufklärungspflichten wird sich der Trend hin zu einfachen Produkten verstärken, davon werden ETFs profitieren." Auch Florian Lenhart, ETF-Händler bei der UniCredit Group in München, gehe davon aus, dass ETF-Flows und -Nachfrage weiter steigen würden.

Von Anfang Januar bis Ende November 2017 - die Dezemberzahlen lägen noch nicht vor - hätten europäische ETFs netto Mittel in Höhe von 88,6 Milliarden Euro einsammeln können, wie der ETF-Emittent Lyxor melde. "Damit ist bereits Ende November 2017 der bisherige Rekord im Nettomittelaufkommen aus dem Jahr 2015, der bei 71 Milliarden Euro lag, übertroffen."

Unterdessen würden die Kosten weiter fallen, mittlerweile gebe es DAX-ETFs für nur noch 0,08 Prozent an laufenden Kosten im Jahr. Das sei zum einen Folge des zunehmenden Wettbewerbs. Dazugekommen als ETF-Emittenten hierzulande sind 2017 etwa Vanguard, Fidelity und Franklin Templeton, in Kürze steht noch der Marktauftritt von J.P. Morgan an, so die Deutsche Börse AG. Vanguard, weltweit die Nummer Zwei auf dem ETF-Markt, setze ganz auf niedrige Preise, das ETF-Magazin spreche vom "Aldi der Fondsbranche". Mohr gehe davon aus, dass die Kosten in Deutschland noch weiter fallen würden - nicht nur wegen des Wettbewerbs: "Mit zunehmender Größe der ETFs entsteht auch mehr Spielraum für Preissenkungen."

Darüber hinaus sei die Produktvielfalt weiter gewachsen, (fast) alle Märkte weltweit würden mittlerweile mit ETFs abgebildet. Damit seien Lenhart zufolge bald Grenzen erreicht. "Die Produktvielfalt ist schon groß, viele ganz neue Produkte wird es wohl nicht mehr geben." Er rechne vielmehr damit, dass es zu weiteren Delistings oder Produktzusammenlegungen kommen werde - wie in diesem Jahr durch den Zusammenschluss von Power Shares und Invesco. Potenzial sehe Lenhart allenfalls noch im Bereich Green Bonds oder der Robotik-Branche. "Außerdem wird Smart Beta wohl Thema bleiben."

Mohr verweise auf die steigende Zahl so genannter "active ETFs", also ETFs mit aktiven Komponenten. So plane J.P. Morgan, Hedgefonds-Strategien über ETFs auch in Europa anzubieten. "Ziel ist hier, Elemente aus der aktiven und passiven Anlage zusammenzubringen und die ETF-Infrastruktur zu nutzen", erläutere Mohr. Er gehe außerdem davon aus, dass ETFs immer mehr als Bestandteil anderer Produkte oder in Modellportfolios eingesetzt würden, wie das im Rahmen von Robo Advise-Portfolios bereits der Fall sei. "Dafür reichen dann aber Standard-ETFs."

Lyxor zufolge seien 2017 bis Ende November 58,2 Milliarden Euro netto in europäische ETFs geflossen, davon mit 42,7 Milliarden Euro das Gros in Aktien von Industrieländern. Europäische Aktien seien mit 22,5 Milliarden Euro viel besser angekommen als amerikanische, deren Zuflüsse bei 9,8 Milliarden Euro gelegen hätten. In Anleihen-ETFs seien netto immerhin auch 27,2 Milliarden Euro angelegt worden, hier seien Unternehmensanleihen mit 10,6 Milliarden Euro die Favoriten gewesen, gefolgt von Staatsanleihen aus Schwellenländern mit 7,9 Milliarden Euro. Weit abgeschlagen fänden sich europäische und US-amerikanische Staatsanleihen, deren Tracker Zuwachs an verwaltetem Vermögen von 112 Millionen und 1,7 Milliarden Euro gehabt hätten. (Ausgabe vom 02.01.2018) (03.01.2018/fc/a/e)