ETF-Handel: Anleger bleiben auf Europatrip


28.07.15 16:39
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Händlern zufolge begegnen ETF-Anleger dem Einbruch an Chinas Börsen sowie den damit verbundenen Kursverlusten an europäischen Börsen mit Gelassenheit, so die Deutsche Börse AG.

"Investoren nutzen die niedrigeren Notierungen meist zum Einstieg", melde Gregor Hamme von der Unicredit, der von einem regen Handel mit Indexfonds spreche. Auf Wochensicht hätten insbesondere europäische Werte überzeugt. "Nachdem Griechenland mehr oder weniger vom Tisch ist, dominiert die Zuversicht", beschreibe Hamme seinen Eindruck.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt habe gestern für ein Beben an den Finanzmärkten gesorgt. Nach der Veröffentlichung von mageren Industriedaten in Fernost sei der Shanghai-Composite am Montag um 8,5 Prozent ins Minus gesackt. Der DAX sei zwischenzeitlich unter 11.100 Punkte gerutscht, mache aber seit Dienstag verlorenen Boden wieder gut und notiere am frühen Nachmittag mit bei 11.210 Punkten.

Auch bei der Commerzbank stünden mit 55 Prozent die Zuflüsse im Vordergrund. Am geringeren Volumen hinter der mit 34.000 sehr ordentlichen Anzahl von ETF-Trades erkenne Frank Mohr eine vermutlich ferienbedingte Zurückhaltung institutioneller Anleger. Wie in der Vorwoche stünden DAX- (ISIN DE0005933931 / WKN 593393; ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01; ISIN LU0378438732 / WKN ETF001) und EURO STOXX 50-Tracker (ISIN DE0005933931 / WKN 593393; ISIN DE0005933956 / WKN 593395; ISIN LU0378438732 / WKN ETF001; ISIN LU0378434079 / WKN ETF050) sowohl bei Unicredit- als auch Commerzbank-Kunden ganz vorne. "Produkte sämtlicher Emittenten landen in den Anlegerdepots", ergänze Hamme.

Neben der Entspannung in der Griechenland-Thematik nähre der überraschend stark gestiegene ifo-Index und der nach wie vor niedrige Ölpreis den Optimismus am deutschen Aktienmarkt. "Anleger gehen davon aus, dass beim hiesigen Bluechip-Index noch was zu holen ist", vermute Mohr. "Überwiegende Verkäufe von ShortDAX-ETFs unterstreichen diese Erwartungen."

Portfolios mit US-Unternehmen etwa im MSCI Nordamerika (ISIN IE00B14X4M10 / WKN A0J201), MSCI USA und S&P 500 (ISIN IE0031442068 / WKN 622391; ISIN IE00B3XXRP09 / WKN A1JX53; ISIN LU0490618542 / WKN DBX0F2) hätten bei Hamme zu den meist gehandelten Produkten gehört. "Auch hier gab es einen deutlichen Kaufüberhang."

Bei Mohr hätten sich MSCI World-Tracker (ISIN LU0392494562 / WKN ETF110; ISIN US4642863926 / WKN A1W4HS) in die Liste der meistgehandelten ETFs eingereiht. "Bei sehr hohem Volumen hielten sich Verkäufe und Käufe in etwa die Waage."

Mit Blick auf die Branchen registriere Mohr eine starke Nachfrage nach Öl und Gas-Unternehmen (ISIN DE000A0H08M3 / WKN A0H08M; ISIN FR0010344960 / WKN LYX0A9), die in der vergangenen Woche bei der Commerzbank zu den zehn meistgehandelten ETFs gehört hätten. Die tendenziellen Zuflüsse sehe Mohr im niedrigen Ölpreis begründet und den dadurch gefallenen Preis der Branchen-ETFs. Bereits den vierten Tag in Folge stehe das schwarze Gold unter Druck. Am Morgen sei die Nordseesorte Brent mit 52,3 US-Dollar pro Barrel auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten gefallen. Das US-amerikanische WTI sei mit weniger als 47 US-Dollar so billig wie zuletzt vor vier Monaten. "Für viele Anleger sind das Einstiegspreise."

Der Gesundheitssektor (ISIN DE000A0Q4R36 / WKN A0Q4R3) belege Rang zwei unter den beliebtesten Branchen-ETFs. "In Summe dominieren auch hier die Käufe", berichte Mohr. Gleichermaßen hin und her gehe es hingegen bei Banken-ETFs wie dem iShares EURO STOXX Banks.

Europäische Versicherungen beispielsweise im Lyxor STOXX Europe 600 Insurance und Einzelhandelsaktien im STOXX Europe 600 Retail nenne Hamme als meist gehandelte Branchenprodukte. "Beide wurden in Summe abgestoßen."

An die chinesischen Festlandbörsen gekoppelte ETFs wie der iShares CSI300 seien bei der Unicredit von Abflüssen geprägt, wie Hamme feststelle. Vom chinesischen Börsencrash in Mitleidenschaft gezogen würden weitere Schwellenländerwerte. "Unabhängig vom Emittenten trennen sich Anleger tendenziell von ihren Emerging Marktes-Engagements."

Mit einem Anteil von 9 Prozent am ETF-Aufkommen sei das Geschäft mit Anleihe-ETFs laut Mohr auffällig ruhig. "Es ist kaum was los." Allenfalls an High Yield-Produkten fänden Anleger derzeit Gefallen. (28.07.2015/fc/a/e)





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