ETC-Investoren interessieren sich fast ausschließlich für Gold
01.02.12 16:30
Deutsche Börse AG
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Alles dreht sich im Moment um Gold: Seit Jahresanfang gehen die Preise wieder rasant nach oben - auch wenn der Rekordstand vom September bei über 1.900 USD noch weit entfernt ist, so die Deutsche Börse AG.
"Nach einem schwierigen vierten Quartal sind Edelmetalle fulminant ins neue Jahr gestartet", meine der Rohstoffexperte Heinrich Peters von der Helaba. "Gold erlebte dabei den stärksten Januar seit über drei Jahrzehnten."
Eine Feinunze gehe heute zu 1.746 USD über den Tisch, Anfang vergangener Woche seien es noch 1.677 und zu Jahresanfang 1.604 USD gewesen. Das zeige sich auch im ETC-Handel: "90 Prozent der Umsätze entfallen auf Gold-ETCs. Und das sind eindeutig Käufe", erkläre Bernardus Roelofs von Flow Traders.
Zur Goldeuphorie beigetragen habe vor allem die Ankündigung langfristig niedriger Zinsen durch die US-Notenbank: "Die geldpolitische Lockerung, der schwächere US-Dollar und Inflationssorgen machen sich bemerkbar." Im Vergleich mit dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise seien die Zuflüsse zwar nicht mehr ganz so umfangreich, dafür aber stetig, wie Nigel Longley vom Emittenten ETF Securities bemerke. Gesucht seien etwa der ETFS Physical Gold, Xetra Gold, der Gold Bullion Securities und der db Physical Gold Euro Hedged gewesen.
Nach Ansicht von Peters habe das gelbe Metall mit der Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungsrunden und einer robusten Charttechnik noch erhebliche Chancen, den Aufwärtstrend dynamisch fortzusetzen. "Auch die Finanzinvestoren werden sich wahrscheinlich nicht mehr so zurückhaltend zeigen und auf den fahrenden Zug aufspringen." Außerdem werde die Goldnachfrage in den Schwellenländern wegen des voraussichtlich wieder schwächeren USD an Fahrt gewinnen, zumal Gold dort weiterhin als Reservewährung gelte. Die Helaba sehe den Goldpreis zur Jahresmitte bei 1.850 USD je Feinunze.
Auch das technische Bild spreche im Moment für Gold, wie Christoph Geyer von der Commerzbank erkläre: "Im langfristigen Chart von Gold ist gut zu erkennen, dass der Test des Aufwärtstrends zum Jahreswechsel offensichtlich nur ein Schwungholen für weitere Kursavancen war." Der seit Herbst des vergangenen Jahres bestehende Abwärtstrend sei inzwischen gebrochen worden. "Der MACD-Indikator steht kurz vor einem Kaufsignal. Daher dürfte ein Erreichen des letzten Topstands bei circa 1.800 USD in den kommenden Wochen möglich sein."
Doch nicht nur Gold würden sich Anleger wieder ins Portfolio legen, die Umsätze in anderen Rohstoffen seien allerdings deutlich bescheidener. "Die stärker industriell genutzten Palladium und Platin verzeichneten Mittelzuflüsse von 16 beziehungsweise 9 Mio. USD", erkläre Longley (ISIN DE000A0N62E5 / WKN A0N62E, ISIN DE000A0N62D7 / WKN A0N62D).
Neben den verbesserten Konjunkturaussichten gebe es für die anziehende Nachfrage noch andere Gründe: "Platin profitierte von der generellen Unsicherheit der Energieversorgungslage in den südafrikanischen Minen", erkläre Oliver Heuschuch von der Heraeus Metallhandelsgesellschaft. Auch der vom Gericht als unrechtmäßig deklarierte Streik bei der zu Implats gehörenden Rustenberg-Mine habe offensichtlich weiter die Kursfantasie der Marktteilnehmer beflügelt.
Palladium werde heute zu 690 USD je Unze gehandelt nach 664 Anfang Januar, Platin zu 1.603 nach 1.430. Für Silber würden Anleger im Moment 33,81 USD je Unze zahlen. Die Helaba prognostiziere mit Überwindung des Konjunkturtals sowohl für Platin als auch für Silber noch weiter steigende Preise, für Platin würden die Analysten mit 1.750 USD, für Silber mit 36 USD Ende des zweiten Quartals rechnen. Bei Silber-ETCs würden sich Händlern zufolge im Übrigen der ETFS Physical Silver und der db Physical Silver gut verkaufen.
Die Entwicklung der Industriemetalle zeige ebenfalls, dass die Konjunkturaussichten nicht mehr ganz so düster eingeschätzt würden wie noch vor Wochen. "Das Gespenst eines Konjunkturabsturzes in China, dem mit Abstand größten Verarbeiter von Industrierohstoffen, scheint vertrieben zu sein", erläutere Peters. Gleichzeitig halte sich das Verarbeitende Gewerbe in den USA recht wacker. "Selbst in der Eurozone drehen die Geschäftserwartungen nach oben."
Wenn gleichzeitig die Produzenten bei den Kapazitäten etwas vorsichtiger als bislang erwartet operiert hätten, sei Peters zufolge eine weitere Erholung der Preise durchaus möglich. In den vergangenen zwei Wochen sei bei ETCs auf breit aufgestellte Industriemetallkörbe jedenfalls gerne zugegriffen worden, wie ETF Securities erkläre, auch der Kupfer-ETC sei auf Interesse gestoßen.
Der Preissprung beim zuletzt schwächelnden Henry Hub-Erdgas habe Anleger außerdem in Erdgas-ETCs gelockt, wie ETF Securities weiter melde. Auch gehebelte Produkte seien gut angekommen (ISIN DE000A0V9Y32 / WKN A0V9Y3). Zuvor hätten ein unerwartet warmer Winter und das anhaltende Überangebot den Preis für Henry Hub-Erdgas auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren sacken lassen. "Anzeichen von Angebotsverknappung führten aber zuletzt zu einer Preisrally."
Öl sei, trotz der Konflikte mit dem Iran und dem jüngst verhängten Ölembargo gegen das Land, im Moment kein großes Thema bei Investoren. Sowohl der Preis für die Nordseesorte Brent als auch für das US-Leichtöl WTI würden seit Jahresanfang mehr oder weniger auf der Stelle treten. Flow Traders habe zwar überwiegend Käufe von Öl-ETCs beobachtet, etwa im S&P GSCI Enhanced Crude Oil von Source (ISIN XS0454792184 / WKN A1A72T). "Die Umsätze sind aber auch hier überschaubar." (01.02.2012/fc/a/e)
"Nach einem schwierigen vierten Quartal sind Edelmetalle fulminant ins neue Jahr gestartet", meine der Rohstoffexperte Heinrich Peters von der Helaba. "Gold erlebte dabei den stärksten Januar seit über drei Jahrzehnten."
Eine Feinunze gehe heute zu 1.746 USD über den Tisch, Anfang vergangener Woche seien es noch 1.677 und zu Jahresanfang 1.604 USD gewesen. Das zeige sich auch im ETC-Handel: "90 Prozent der Umsätze entfallen auf Gold-ETCs. Und das sind eindeutig Käufe", erkläre Bernardus Roelofs von Flow Traders.
Zur Goldeuphorie beigetragen habe vor allem die Ankündigung langfristig niedriger Zinsen durch die US-Notenbank: "Die geldpolitische Lockerung, der schwächere US-Dollar und Inflationssorgen machen sich bemerkbar." Im Vergleich mit dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise seien die Zuflüsse zwar nicht mehr ganz so umfangreich, dafür aber stetig, wie Nigel Longley vom Emittenten ETF Securities bemerke. Gesucht seien etwa der ETFS Physical Gold, Xetra Gold, der Gold Bullion Securities und der db Physical Gold Euro Hedged gewesen.
Nach Ansicht von Peters habe das gelbe Metall mit der Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungsrunden und einer robusten Charttechnik noch erhebliche Chancen, den Aufwärtstrend dynamisch fortzusetzen. "Auch die Finanzinvestoren werden sich wahrscheinlich nicht mehr so zurückhaltend zeigen und auf den fahrenden Zug aufspringen." Außerdem werde die Goldnachfrage in den Schwellenländern wegen des voraussichtlich wieder schwächeren USD an Fahrt gewinnen, zumal Gold dort weiterhin als Reservewährung gelte. Die Helaba sehe den Goldpreis zur Jahresmitte bei 1.850 USD je Feinunze.
Auch das technische Bild spreche im Moment für Gold, wie Christoph Geyer von der Commerzbank erkläre: "Im langfristigen Chart von Gold ist gut zu erkennen, dass der Test des Aufwärtstrends zum Jahreswechsel offensichtlich nur ein Schwungholen für weitere Kursavancen war." Der seit Herbst des vergangenen Jahres bestehende Abwärtstrend sei inzwischen gebrochen worden. "Der MACD-Indikator steht kurz vor einem Kaufsignal. Daher dürfte ein Erreichen des letzten Topstands bei circa 1.800 USD in den kommenden Wochen möglich sein."
Neben den verbesserten Konjunkturaussichten gebe es für die anziehende Nachfrage noch andere Gründe: "Platin profitierte von der generellen Unsicherheit der Energieversorgungslage in den südafrikanischen Minen", erkläre Oliver Heuschuch von der Heraeus Metallhandelsgesellschaft. Auch der vom Gericht als unrechtmäßig deklarierte Streik bei der zu Implats gehörenden Rustenberg-Mine habe offensichtlich weiter die Kursfantasie der Marktteilnehmer beflügelt.
Palladium werde heute zu 690 USD je Unze gehandelt nach 664 Anfang Januar, Platin zu 1.603 nach 1.430. Für Silber würden Anleger im Moment 33,81 USD je Unze zahlen. Die Helaba prognostiziere mit Überwindung des Konjunkturtals sowohl für Platin als auch für Silber noch weiter steigende Preise, für Platin würden die Analysten mit 1.750 USD, für Silber mit 36 USD Ende des zweiten Quartals rechnen. Bei Silber-ETCs würden sich Händlern zufolge im Übrigen der ETFS Physical Silver und der db Physical Silver gut verkaufen.
Die Entwicklung der Industriemetalle zeige ebenfalls, dass die Konjunkturaussichten nicht mehr ganz so düster eingeschätzt würden wie noch vor Wochen. "Das Gespenst eines Konjunkturabsturzes in China, dem mit Abstand größten Verarbeiter von Industrierohstoffen, scheint vertrieben zu sein", erläutere Peters. Gleichzeitig halte sich das Verarbeitende Gewerbe in den USA recht wacker. "Selbst in der Eurozone drehen die Geschäftserwartungen nach oben."
Wenn gleichzeitig die Produzenten bei den Kapazitäten etwas vorsichtiger als bislang erwartet operiert hätten, sei Peters zufolge eine weitere Erholung der Preise durchaus möglich. In den vergangenen zwei Wochen sei bei ETCs auf breit aufgestellte Industriemetallkörbe jedenfalls gerne zugegriffen worden, wie ETF Securities erkläre, auch der Kupfer-ETC sei auf Interesse gestoßen.
Der Preissprung beim zuletzt schwächelnden Henry Hub-Erdgas habe Anleger außerdem in Erdgas-ETCs gelockt, wie ETF Securities weiter melde. Auch gehebelte Produkte seien gut angekommen (ISIN DE000A0V9Y32 / WKN A0V9Y3). Zuvor hätten ein unerwartet warmer Winter und das anhaltende Überangebot den Preis für Henry Hub-Erdgas auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren sacken lassen. "Anzeichen von Angebotsverknappung führten aber zuletzt zu einer Preisrally."
Öl sei, trotz der Konflikte mit dem Iran und dem jüngst verhängten Ölembargo gegen das Land, im Moment kein großes Thema bei Investoren. Sowohl der Preis für die Nordseesorte Brent als auch für das US-Leichtöl WTI würden seit Jahresanfang mehr oder weniger auf der Stelle treten. Flow Traders habe zwar überwiegend Käufe von Öl-ETCs beobachtet, etwa im S&P GSCI Enhanced Crude Oil von Source (ISIN XS0454792184 / WKN A1A72T). "Die Umsätze sind aber auch hier überschaubar." (01.02.2012/fc/a/e)
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