DWS Invest ESG Climate Tech LD-Fonds: World Food Day - Innovationen in der Lebensmittelindustrie


18.10.21 13:00
DWS

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Lebensmittelverschwendung ist eine soziale und ökologische Tragödie. Doch technische Lösungen sind bereits auf dem Weg. Das könnte auch neue Investmentchancen eröffnen, so die Experten der DWS.

Man könne sich den Pariser Eiffelturm vorstellen. Drei Exemplare davon würden in etwa der Gewichtsmenge entsprechen, die in Deutschland jährlich an Lebensmitteln in den Müll wandere. Das seien 12 Millionen Tonnen an wertvoller, ungenutzter Nahrung, die verloren gehe bei der Herstellung, beim Transport oder aufgrund schlechter Lagerhaltung im Einzelhandel und in privaten Haushalten. Weltweit spreche man von einem Drittel der produzierten Lebensmittel - das seien 1,3 Milliarden Tonnen beziehungsweise 1.200 Eiffeltürme, die niemals in den Mägen, sondern im Müllcontainer landen würden. Da bekomme der World Food Day am 16. Oktober, der dem Hunger in der Welt gewidmet sei, einen ziemlich üblen Beigeschmack.

Die Notwendigkeit professioneller Lösungen, die das Problem in den Griff bekommen würden, werde immer deutlicher. Und an Ideen mangele es nicht. "In der Lebensmittelindustrie schießen mehr und mehr Anbieter mit echten Innovationen aus dem Boden, die sich speziell mit Lebensmittelverschwendung befassen", erkläre Tim Bachmann, Fondsmanager des DWS Invest ESG Climate Tech LD. "Ihre Lösungen bieten nicht nur Auswege aus der Abfallproblematik - sie eröffnen Anlegern auch neue Investitionsmöglichkeiten."

Die gegensteuernden Entwicklungen im Food-Markt könnten auf das Ziel der Vereinten Nationen, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren, einzahlen. So sei beispielsweise von einem Start-up in Israel eine spezielle Monitoring-Software entwickelt worden, die Lagerbedingungen von Obst und Gemüse schon während des Transports in Echtzeit überwache und bei kleinsten Abweichungen einen Alarm auslöse.

Aus Großbritannien erobere eine völlig neuartige Kalkulations-App die Märkte. Sie unterstütze Großküchen dabei, ihr Food-Management ökologischer und ökonomischer zu planen. Auch für Verbraucher gebe es vielversprechende Neuentwicklungen, die das Konsumverhalten revolutionieren könnten. Zum Beispiel eine App fürs Smartphone, mit der sich Nachbarn untereinander vernetzen könnten, um übrig gebliebene Lebensmittel miteinander zu tauschen.

Die eigentliche Tragödie: Man spreche hier von Nahrung, die nicht nur an der Kasse Geld koste, sondern vor allem Unmengen an Ressourcen beanspruche. Ackerfläche, Arbeitskraft, aber vor allem Energie und Wasser würden ja auch für Lebensmittel verbraucht, die anschließend nicht verwertet würden.

Allein Deutschland stoße für die Produktion und den Transport verschwendeter Lebensmittel rund 38 Millionen Tonnen Treibhausgase aus. Hinzu würden 216 Kubikmeter Wasser und Energie kommen. Diese Ressourcen würden dem Planeten einen viel wertvolleren Dienst erweisen, hätte man sie in anderen Herstellungsprozessen oder für die Grundversorgung der Bevölkerung in Entwicklungsländern verwendet. "Seinen Teller leerzuessen ist also nicht nur eine Frage einer guten Kinderstube, sondern aktiver Klimaschutz", sage Tim Bachmann.

Die Tatsache, dass der Lebensmittelsektor weltweit zu den Haupttreibern der Erderwärmung zähle, werfe ein besonders frustrierendes Licht auf diese enorme Verschwendung. Deshalb würden in der Lebensmittelindustrie nun die Rufe nach alternativen Lösungen immer lauter. Und sie würden mehr und mehr erhört. Von zahlreichen Start-ups, aber auch etablierten Unternehmen, die mit gangbaren Auswegen aus der Misere von sich reden machen würden.

Um zu verstehen, wo genau eine Neuorientierung in der Lebensmittelproduktion notwendig sei, müsse man die Ursachen kennen und das Problem bereits an der Wurzel packen. Aufgrund des stetigen Wachstums von Bevölkerung und Wohlstand steige auch der globale Bedarf an proteinhaltigen Lebensmitteln. Der vorwiegend durch Nutztierhaltung bestimmte Landwirtschaftssektor rangiere auf Platz fünf der größten Treibhausemittenten weltweit - Tendenz steigend. "Fleisch- und Milcherzeugnisse weisen einen Vielfach höheren absoluten CO2-Fußabdruck im Vergleich zu Getreide- oder Gemüseprodukten auf", erkläre Tim Bachmann. "Die CO2-Bilanz von Geflügel ist fast 18mal höher als die von Kartoffeln."

Doch woher komme dieser enorme Wert an klimaschädlichen Emissionen in der Landwirtschaft? "Die Ursachen reichen vom hohen Einsatz von Düngemitteln für Futtermittel wie Soja und Mais und deren hohen Transportkosten bei der Einfuhr, über den enormen Methanausstoß von Nutzvieh, bis hin zu den Energiekosten, die für die Kühlung bei Transport und Lagerung der verderblichen Fleisch- und Milcherzeugnisse anfallen", sage der Fondsmanager.

Wer weiterhin auf tierische Produkte als Hauptquelle für proteinhaltige Nahrung baue, dürfte bald mit dem berühmten Ofenrohr ins Gebirge schauen - samt angrenzender Kuhweide. Denn diese Ressource sei endlich. Einerseits könnten ertragreiche Anbauflächen für Futtermittel aufgrund der Bodenerosion knapp werden. Andererseits seien die mit der der Nutztierhaltung verbundenen Treibhausgasemissionen alles andere als vereinbar mit den Klimazielen. Es bedarf also einer Kehrtwende in der Lebensmittelindustrie - und unserer Gewohnheiten, so die Experten der DWS.

"Nutztierhaltung und Agrarwirtschaft müssen ressourcenschonender werden", fordere Tim Bachmann. "Zum Beispiel durch den Einsatz von Präzisionslandwirtschaft oder Futtermittelzusätze, die den Ernteertrag optimieren." Außerdem müssten unnötige Transportwege vermieden werden, etwa durch Nahrungsmittelanbau vor Ort. Das würde sich auch positiv auf die Energieeffizienz von Kühlketten auswirken. Letztlich komme es jedoch auch auf die Konsumgewohnheiten von allen Menschen an. Indem sie ihre Ernährung verstärkt von tierischen auf alternative Proteinquellen umstellen würden, wie beispielsweise pflanzenbasierte Fleisch- und Milchersatzerzeugnisse oder Aquakulturprodukte.

Die Lebensmittelbranche habe diesen Bedarf identifiziert und arbeite mit Hochdruck an entsprechenden Lösungen. Sie würden von Ernte-Robotern, die Agrarerzeugnisse effizienter und mit weniger Ausschuss vom Feld holen würden, über Neuentwicklungen, die Lebensmittel auf nachhaltige Weise haltbarer machen würden, bis hin zu Apps reichen, die Verbraucher mithilfe künstlicher Intelligenz mit Kochtipps versorgen würden, bevor deren Einkäufe das Mindesthaltbarkeitsdatum überschreiten würden.

Nicht nur für den Planeten, auch für Investoren seien das gute Nachrichten. Denn wo aufgrund des Klimawandels erhöhter Bedarf an neuen Technologien entstehe, würden sich eben auch Wachstumschancen und neue Investitionsmöglichkeiten ergeben. "Nachhaltige Lösungen für Lebens- und Futtermittel sind ein entscheidender Faktor für eine klimafreundliche Ernährung", so Tim Bachmann. "Hier entsteht ein gigantischer Investitionsmarkt, den wir auch in Investmentfonds der DWS abbilden."

Lösungen seien also auf dem Weg oder bereits verfügbar und würden Anlass zur Hoffnung geben, dass der Welternährungstag am 16. Oktober irgendwann einmal ein Tag zum Feiern sein werde. (Ausgabe vom 15.10.2021) (18.10.2021/fc/a/f)





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