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Chinesischer H-Aktienmarkt tiefgreifende Korrektur


26.11.07 11:27
ING Investment Management

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der chinesische H-Aktienmarkt hat seit Ende Oktober eine tiefgreifende Korrektur erlebt, berichten die Experten von ING Investment Management.

Das habe unter anderem an folgenden Faktoren gelegen: Presseberichte zu Maßnahmen seitens der chinesischen Regierung, die insbesondere den Zugang chinesischer Privatanleger zum Markt in Hongkong beschränken würden und erneute Unruhe am US-Kreditmarkt, dessen Verluste nicht nur die Märkte in den USA, sondern auch die internationalen Aktienmärkte belastet hätten.

Außerdem habe die Aussicht auf Sparmaßnahmen vonseiten der Regierung am chinesischen A-Aktien-Markt zu einer Korrektur geführt. Infolge dieser negativen Meldungen seien die Kurse chinesischer Aktien in Hongkong laut Hang Seng China Enterprise Index seit ihrem Höchststand im Oktober um nahezu 22 Prozent gefallen. Zwar seien die Sorgen berechtigt, man dürfe dabei jedoch nicht die positiven Entwicklungen übersehen, wonach die Situation in China bei weitem nicht so kritisch sei, wie manche Marktkommentatoren den Marktteilnehmern glauben machen wollten.

Insbesondere müsse betont werden, dass der Chinesische Renminbi (RMB) kontinuierlich gegenüber dem US-Dollar zulege. Die Aufwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar beschleunige sich zunehmend. Chinesische Volkswirtschaftler würden bereits ein neues Aufwertungsziel formulieren, das bei 10 Prozent pro Jahr liegen solle. Nach Auffassung der Analysten werdediese Maßnahme weit reichende Konsequenzen haben.

Da die H-Aktien-Unternehmen einerseits in Hongkong notieren würden, ihre Erträge aber in Renminbi kalkulieren würden, werde das Ertragswachstum chinesischer Unternehmen zwangsläufig steigen. Die gegenwärtige Wachstumsprognose von 21 Prozent für 2008 beim Ergebnis je Aktie im MSCI China werde möglicherweise noch auf 26 Prozent aufwärts korrigiert (auf USD- oder HKD (Hongkong-Dollar)-Basis), Folge der beschleunigten Aufwertung des Renminbi.

Chinesische Aktien in Hongkong, deren Kurse im Laufe der Korrektur gefallen seien, dürften unter Berücksichtigung der schnelleren RMB-Aufwertung im nächsten Jahr mit einem KGV von 18 gehandelt werden. Das entspräche für 2008 einem dynamischen KGV (PEG-Ratio) von nur 0,69. Damit wären Chinas Aktien weitaus billiger als die der meisten entwickelten und aufstrebenden Märkte. Die Aufwertung des Renminbi könnte in gewissem Umfang auch der Inflationsentwicklung in China gegensteuern.

Auf globaler Ebene würden die Notenbanken dem Beispiel der Federal Reserve folgen und bereits in einen Zinssenkungszyklus übergehen. Damit bestünde für die geldpolitischen Instanzen Chinas weniger Dringlichkeit, eine zunehmend restriktive Geldpolitik umzusetzen, denn unter Umständen habe die Aufwertung der chinesischen Währung bereits den gewünschten Erfolg bewirkt.

Der Risikoappetit habe zugegebenermaßen weltweit seit Oktober nachgelassen. Das möge auch daran liegen, dass institutionelle Investoren zum Jahresende auf Nummer Sicher gehen würden und ihre Gewinne festschreiben wollten. Wenn dieselben Investoren allerdings für 2008 einen erneuten Risikovergleich zwischen China und den entwickelten Märkten vornehmen würden, könnten chinesische Aktien, die an der Börse in Hongkong notieren würden, wiederum ganz oben auf der Einkaufsliste stehen, denn die wirtschaftlichen Rahmendaten Chinas seien weiterhin günstig. (26.11.2007/fc/a/m)