BKC Treuhand Portfolio-Fonds: Digitaler Euro könnte weitere Zinssenkungen befeuern


29.10.20 12:00
Bank für Kirche und Caritas

Paderborn (www.fondscheck.de) - Die EZB prüft die Einführung eines "E-Euros", so Bernhard Matthes, CFA, Bereichsleiter Asset Management bei der Bank für Kirche und Caritas und Fondsmanager des BKC Treuhand Portfolios.

Bis Mitte 2021 wolle die Notenbank über die Umsetzung einer digitalen Währung entscheiden. Zwar sei aktuell noch die Rede von einer "Ergänzung" zum Bargeld, der Schritt zu einer "Ersetzung" wäre - einmal in Existenz gerufen - aber ein kurzer.

Mit der Möglichkeit, digitale Euros als Einlage direkt bei der Notenbank zu halten, würde die Zentralbank in den direkten Wettbewerb zu Geschäftsbanken treten, was deren künftige Geschäftsaussichten noch weiter verdüstern dürfte.

Die weitreichendsten Implikationen einer sukzessiven Marginalisierung des Bargelds zugunsten einer digitalen Währung dürften sich im Bereich der privaten Lebensführung und persönlichen Finanzplanung finden. Zusätzlich zum Verlust von Privatsphäre und unbegrenzten Überwachungsmöglichkeiten schneide eine E-Währung im Krisenfall vor allem den Fluchtweg in die Bargeldhaltung ab. Ein "analoger Bank-Run" werde unmöglich und die Zentralbank könne das Zinsniveau auf noch deutlich negativerem Niveau verankern, als es heute möglich sei.

Genau darin liege vermutlich auch das Kalkül: In kommenden Krisen wolle sich die EZB Handlungsfähigkeit bewahren. Könnten sich Sparer (wie inzwischen auch einige große Versicherer und Anleger) Negativzinsen heute noch durch Bargeldhaltung entziehen, würde dies unmöglich im Falle einer rein digitalen Währung. Bestenfalls würde die Bargeldhaltung unattraktiv im Fall einer privilegierten E-Währung, die mit einem begünstigten (vermutlich beliebig variablen) "Wechselkurs" gegenüber Bargeld ausgestattet wäre. Entsprechende Planspiele des IWFs würden bereits seit Jahren zirkulieren und lägen umsatzbereit in den Schubladen.

Die Folgen für die Anlagepraxis: Primäre Folge einer E-Währung wären sehr wahrscheinlich noch negativere Zinsen. Dieser Möglichkeit würden Anleger u.a. dadurch begegnen, dass sie sich heute, wo noch möglich, Einkommen und positive Realverzinsung in möglichst langen Laufzeiten "sichern", eine Strategie, die auch in Japan über die letzten 30 Jahre gut funktioniert hätte.

Mit dem E-Geld riskiere die EZB aber auch einen schleichenden oder aber plötzlichen Vertrauensverlust in die Währung, wenn die Bürger die möglichen Folgen antizipieren oder befürchten würden, dass auch etwaige Vermögensabgaben (wie 2013 in Zypern praktiziert) leichter implementierbar wären. Diesen Risiken begegne man in der Anlagepraxis durch eine breite internationale Streuung von Anlagewerten, auch außerhalb der Eurozone sowie der konsequenten Investition in Edelmetalle, als Versicherung gegen bereits laufende und kommende Maßnahmen der Notenbanken, die zur Kaufkraftherabsetzung der Währung beitragen würden. (29.10.2020/fc/a/f)





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