Aktien-ETFs Vorsicht empfohlen


24.05.11 16:56
Deutsche Börse AG

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Harte oder weiche Umschuldung Griechenlands oder lieber gar keine - die Euro-Krise bewegt weiter die Gemüter und schickt die Börsenkurse seit der vergangenen Woche auf Talfahrt, so die Deutsche Börse AG.

"Die Unsicherheiten in Hinblick auf Griechenland und das globale Wachstum belasten den Markt", berichte Bernardus Roelofs von Flow Traders. Zu einer Ausverkaufsstimmung habe das aber nicht geführt. "Verkäufe und Käufe halten sich die Waage. Es hat durchaus auch größere Kauftickets gegeben." Dabei seien die Umsätze Roelofs zufolge verhalten gewesen.

"Optimistisch betrachtet hatten wir einen Käuferüberhang", melde Andreas Bartels von der Commerzbank. Konkret hätten in der vergangene Woche 52 Prozent Käufen 48 Prozent Verkäufe gegenübergestanden. Allerdings habe es die Zuflüsse Bartels zufolge vor allem bei den Rentenprodukten gegeben, die Aktien-ETFs seien tendenziell abgegeben worden. "Wie in der Vorwoche lag der Fokus stark auf dem Fixed Income-Bereich", schildere er seinen Eindruck. Dabei seien die Umsätze sehr gut. "Der Mai ist nach dem März der zweitbeste Monat in diesem Jahr."

Lediglich die UniCredit Group melde umfangreiche Abgaben: "Wir haben zuletzt sehr viel zurückgenommen. Wir geben die Bestände jetzt wieder an die Fondsgesellschaften", erkläre Bastian Ohta.

Unter den Aktien-ETFs hätten der Commerzbank zufolge ganz klar DAX-Tracker (ISIN DE0005933931 / WKN 593393, ISIN LU0378438732 / WKN ETF001, ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA, ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01) die Volumina dominiert, unter dem Strich mit mehr Abgaben. "Es gab aber auch taktische Käufe", berichte Bartels. Bei den europäischen ETFs habe Flow Traders Käufe (ISIN DE0005933949 / WKN 593394, ISIN DE0002635307 / WKN 263530) und Verkäufe (ISIN LU0380865021 / WKN DBX1ET) registriert. Laut Gregor Hamme von der UniCredit Group hätten Anleger darüber hinaus bei Dividendenstrategiefonds Kasse gemacht, etwa dem iShares EURO STOXX Select Dividend. "Die Dividendensaison nähert sich dem Ende", erkläre der Händler.

Auffällig sei der Commerzbank zufolge das Interesse an Aktien-ETFs mit US-amerikanischen Werten (ISIN LU0136234654 / WKN 794358, ISIN LU0274210672 / WKN DBX1MU, ISIN LU0392495700 / WKN ETF120). "Die Investoren meiden den Euroraum", meine Bartels. Bezüglich der Perspektiven des US-amerikanischen Aktienmarkts gebe es aber unterschiedliche Ansichten: Flow Traders melde zwar ebenfalls Zuflüsse, aber auch Positionierungen bei Short-Produkten wie dem db x-trackers S&P 500 Short (ISIN LU0322251520 / WKN DBX1AC). Bartels habe im Übrigen mehr Umsätze in Short- und Leveraged-Produkten ausgemacht, vor allem auf den EURO STOXX 50. Etwa seien der ComStage EURO STOXX 50 Daily Leverage und der db x-trackers EURO STOXX 50 Leveraged daily rege gehandelt worden, in beide Richtungen.

Heraus aus den europäischen und hinein in deutsche Produkte - das sei zuletzt das Motto bei den Renten-ETFs gewesen. "Dieser Trend wurde durch die Nachrichten zu Italien noch bekräftigt", ergänze Bartels. Ende der vergangenen Woche habe die Rating-Agentur Standard & Poor's den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Italiens gesenkt. Investoren hätten sich Bartels zufolge daher gerne den iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (ISIN DE0006289499 / WKN 628949), den iShares eb.rexx Government Germany, den ETFLab Deutsche Börse EuroGov Germany und den ComStage iBoxx Euro Sovereigns Germany Capped 5-10 ins Portolio gelegt.

Daneben hätten Anleger weiterhin Liquidität in Geldmarktfonds geparkt, wie die Commerzbank ergänze. Roelofs sehe aber durchaus auch Abgaben bei deutschen Langläufern, hingegen Zuflüsse bei Schwellenländer-Rentenfonds wie dem db x-trackers Emerging Markets Liquid EuroBond.

Bei Sektoren-ETFs habe sich der Trend hin zu den Nicht-Zyklikern fortgesetzt, das meine zumindest Grgeor Hamme von der UniCredit Group. Besonders bei Fonds mit Aktien aus den Branchen Gesundheit (ISIN DE0006289374 / WKN 628937) und Nahrungsmittel hätten sich Anleger kauffreudig gezeigt. "Bei den Health Care-Indexfonds gab es aber Unterschiede je nach Emittent", räume Hamme ein. Der ETF von Lyxor habe eher auf den Verkaufslisten gestanden.

Außerdem hätten sich Investoren Hamme zufolge von ETFs mit Bankaktien (ISIN IE00B5MTWD60 / WKN A0RPR1) verabschiedet. Hier würden die jüngsten Kapitalerhöhungen etwa von der Commerzbank eine Rolle spielen, aber auch die Griechenlandkrise. "Eine Umschuldung würde die Bankbilanzen stark belasten", erkläre Hamme. Die Commerzbank melde Nachfrage nach Finanzdienstleistern, Abgaben bei Telekommunikationsaktien sowie Volumina in beide Richtungen bei Industriegütern.

Bei Rohstoff-ETFs sei das Bild durchwachsen: Laut Flow Traders sei etwa der Lyxor Commodities CRB Non-Energy (ISIN FR0010346205 / WKN LYX0AL) gesucht, während der db x-trackers DBLCI-OY Balanced abgestoßen werde. Angesichts des schwächelnden Ölpreises stünden Öl- und Gas-ETFs in der Gunst der Anleger nicht unbedingt weit oben, das bestätige auch die UniCredit Group. Der Ölpreis sei Anfang des Monats auf Talfahrt gegangen und notiere nach einer kleinen Erholung mittlerweile wieder schwächer: Ein Barrel Rohöl der Sorte Brent koste heute gut 110 US-Dollar, Ende April seien es noch über 125 US-Dollar gewesen.

Bei ETFs auf Schwellenländer-Indices herrsche derzeit Funkstille. "Es ist nicht viel los, unter dem Strich überwiegen aber die Käufer", erkläre Stefano Valenti, Kollege von Hamme und Ohta. Wenn investiert werde, dann in breite Emerging Markets-Fonds. (24.05.2011/fc/a/f)






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